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Hands on: Ubuntu für Smartphones

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Canonical hat eine erste Vorabversion für Entwickler seiner Touch-optimierten Ubuntu-Version für Smartphones und Tablets zur Installation auf ausgewählten Nexus-Geräten bereitgestellt. Die Installation erfolgt über einen Ubuntu-PC; eine ausführliche Installationsanleitung beschreibt die Vorgehensweise. Canonical liefert ein Skript, das nach der Installation einiger Android-Entwicklerwerkzeuge das passende Ubuntu-Image herunterlädt und per USB-Verbindung aufspielt – das funktionierte im Test mit einem Nexus 4 problemlos.

Die Bedienung von Ubuntu für Smartphones und Tablets ist so konzipiert, dass man ohne Home- und Zurücktaste am Gerät auskommt. Unser Video zeigt, wie sich Ubuntu auf einem Nexus 4 anfühlt:

Mit einer Wischgeste von links in das Display hinein zieht man den Launcher auf, eine Leiste mit den gerade laufenden und zuletzt genutzten Apps; wischt man weiter, kommt man zum Home Screen. Wischen von rechts wechselt zwischen den gerade laufenden Programmen. Diese Gesten funktionieren sowohl auf dem Home-Screen als auch in Apps; das macht das Wechseln zwischen laufenden Apps sehr komfortabel. Einzige Ausnahme ist der Lock-Screen, von Canonical als Welcome-Screen bezeichnet: Hier blendet man durch Wischen von rechts den Home-Screen ein.

Von oben zieht man Leisten mit den Einstellungen herunter: Über das Batterie-Icon findet man den Batteriestatus und die Helligkeitsregelung des Displays, über das Netzwerk-Icon eine Liste der verfügbaren WLANs. Tippen auf die Leiste am oberen Bildschirmrand öffnet einen Überblick über alle Einstellungen.

Ubuntu verbindet sich mit offenen, WEP- und WPA/WPA2-geschützen Funknetzen; andere Verfahren wie das in Unternehmen viel genutzte EAP werden noch nicht unterstützt. Auch erweiterte Netzwerkfunktionen wie feste IP-Adressen und VPNs, WLANs mit versteckter SSID und Bluetooth beherrscht Ubuntu für Smartphones noch nicht. Telefonieren und das Verschicken von SMS über GMS ist möglich, sofern die SIM-Karte nicht durch eine PIN geschützt ist; Datenübertragung per Mobilfunk ist nicht verfügbar.

In Apps blendet man den Bedienelemente ein, indem man von unten in den Bildschirm hineinwischt. Der Webbrowser blendet dann beispielsweise eine Leiste ein, in der man die URL eingeben und in der Browser-History vor- und zurücknavigieren kann. Vorteil: Die URL-Leiste nimmt nicht ständig Platz auf dem Bildschirm weg. Wischt man bis zur Bildschirmmitte, öffnet sich ein erweiterter Einstellungs-Dialog.

Neben dem Home-Screen, der häufig genutzte Apps, die favorisierten Kontakte und eine Auswahl an Musik und Videos anzeigt, gibt es eigene Seiten für Musik, Videos, Apps und Kontakte, zwischen denen man durch Streichen über das Display wechselt. Nach kurzer Gewöhnung bedient sich Ubuntu für Smartphones durchaus intuitiv. Auf dem Nexus 4 mit seiner Highend-Hardware läuft die Oberfläche sehr flüssig ohne Ruckeln.

An nativen Apps liefert Canonical lediglich eine Telefon-App mit Adressbuch und SMS-Funktion, eine Kamera-App, eine Bildergalerie, ein Notizbuch und einen recht rudimentären Webbrowser mit. Die Kamera-App kann sowohl auf die Frontkamera als auch auf die Kamera auf der Rückseite des Nexus zugreifen. Sie erwies sich allerdings als etwas zickig und zeigte manchmal kein Bild an. Auch die Videozeichnung funktionierte nicht. Facebook, Twitter und GMail sind als Web-Apps installiert und nutzen die Schnittstellen für Mobilbrowser.

Die Entwicklerversion von Ubuntu für Smartphones läuft auf dem Nexus 4 flüssig und stabil, bietet allerdings noch zu wenige Funktionen für ein alltagstaugliches Smartphone. Die Release Notes beschreiben den Stand der Entwicklung und enthalten eine Liste bekannter Einschränkungen und gerätespezifischer Macken der Vorabversion. Canonical will mit seinem Mobilbetriebssystem Gerätehersteller und Mobilfunkanbieter ansprechen. Konkrete Partner sind noch nicht bekannt, allerdings sollen erste Ubuntu-Smartphones noch dieses Jahr auf den Markt kommen. (odi)