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Handy-TV: T-DMB als Marktöffner für DVB-H

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Im Wettstreit der beiden Systeme zum Fernsehempfang mit Mobilfunk-Handys hat T-DMB im Vergleich zu DVB-H momentan die Nase vorn, glaubt Christian Schepke vom Technology Center Europe des koreanischen Herstellers LG Electronics. Das terrestrische Digital Multimedia Broadcasting (T-DMB) ist die Weiterentwicklung des Digital Audio Broadcasting (DAB), DVB-H ist eine Weiterentwicklung des digitalen Antennenfernsehens DVB-T für mobile Empfänger mit kleinen Bildschirmen.

"Beide Systeme sind an sich relativ gleichwertig, und beide haben ihre Vor- und Nachteile", erklärte Schepke am gestrigen Mittwoch auf einem Workshop des Fraunhofer-Instituts für Rechnerarchitektur und Softwaretechnik (FIRST) im Rahmen der Asien-Pazifik-Wochen 2005 in Berlin. In Deutschland stünden DVB-H vor allem die knappen Sendefrequenzen im UHF-Bereich im Wege, und "der größte Nachteil von T-DMB, den ich sehe, sind die schwachen Sendeleistungen, die wir im Moment im DAB-Bereich haben".

Bei der Einführung von DAB, das 1999 den Regelbetrieb aufnahm, war zur Vermeidung von Nachbarkanalstörungen vorsichtshalber die Sendeleistung der einzelnen Stationen auf ein Kilowatt begrenzt worden. Das reichte zwar für den mobilen Empfang in Fahrzeugen aus, nicht jedoch zur sicheren Versorgung innerhalb von Gebäuden. Diese Beschränkung gilt als einer der wesentlichen Gründe, weshalb sich der digitale Rundfunk am Markt bisher nicht durchsetzen konnte. Inzwischen gibt es Bestrebungen, die zulässigen Sendeleistungen pro Station auf 10 Kilowatt anzuheben, um auch den einwandfreien Empfang innerhalb von Gebäuden zu gewährleisten. Fachleute rechnen damit, dass dieser Schritt schon Mitte kommenden Jahres -- nach den notwendigen Abstimmungen mit den Nachbarländern auf der Wellenkonferenz RRC '06 -- erfolgen kann.

Technisch unterscheiden sich beide Systeme vor allem hinsichtlich der Kapazität. Während ein DMB-Kanal Platz für zwei bis drei Programme zu je 400 kbit/s bietet, lassen sich bei derselben Übertragungsrate in einem DVB-H-Frequenzkanal rund 25 Multimedia-Programme unterbringen. "Abhängig vom Business Model kann das die Sache entweder vereinfachen oder stark erschweren", meint Schepke. Je mehr Programmanbieter sich solch einen Kanal im Multiplex teilen müssen, desto größer sei auch der Abstimmungsbedarf unter ihnen, weil sich das Verbreitungsgebiet nicht mehr für jedes einzelne Programm, sondern stets nur für den gesamten Kanal festlegen lasse. "Am Anfang wird es sehr schwierig sein, einen kompletten DVB-H-Multiplex zu füllen -- daher denken wir, dass T-DMB die bessere Wahl ist, um solch ein System einzuführen". Zudem könne DMB die vorhandenen Ressourcen des DAB-Netzes nutzen, und weil jedes DMB-fähige Handy dann auch Digitalradio empfangen kann, werde die Zahl der DAB-Endgeräte signifikant steigen.

Mit der DAB-Plattform werde DMB jedoch auch den Markt für DVB-H erschließen, glaubt Schepke. In Ballungsgebieten könnte DVB-H später die höhere Kapazität ausspielen und eine größere Zahl von interaktiven Rundfunkdiensten bereitstellen. "Was die Technologie angeht, hat T-DMB momentan die Nase vorn: Das System und die Geräte sind verfügbar", sieht der LG-Projektingenieur die Lage. "Wir gehen aber davon aus, dass auf ganz lange Sicht DVB-H und DMB verschmelzen werden, sodass die Geräte am Ende beide Systeme unterstützen". Einen ausführlichen Report zu DMB und DVB-H enthält Heft 21/05 der c't, das am 4. Oktober in den Handel kommt. (Richard Sietmann) / (Richard Sietmann) / (anw)

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