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Handy-Verbot am Steuer hält nur wenige Autofahrer ab

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Das Handy-Verbot, mit dem im Februar 2001 das Telefonieren am Lenkrad unter Strafe gestellt wurde, ist bisher fast wirkungslos geblieben. Dutzendweise sind an belebten Großstadtkreuzungen täglich Autofahrer mit dem Handy am Ohr zu beobachten und selbst auf Autobahnen wird unverdrossen weiter geplaudert. "Null Kontrollen gleich null Ergebnis", fasst der Sprecher des Automobilclubs von Deutschland (AvD), Johannes Hübner, die vorläufige Bilanz in wenige Worten zusammen.

"Die Akzeptanz des Gesetzes bei den Autofahrern ist gering", beschreibt Monika Peters, Sprecherin der Trierer Polizei, die für die Ordnungshüter unbefriedigende Situation auf den Straßen. Es werde munter weiter telefoniert. Eine Einschätzung, die auch Gerd Fischer von der Polizei in Kaiserslautern teilt: "Das Verbot hat bislang wenig genutzt."

"Eine Entwicklung wie bei der Gurtpflicht, die nach einiger Zeit als selbstverständlich angesehen wurde, wird es nicht geben", ist sich der AvD-Sprecher sicher. Doch von der Forderung verschiedener Politiker, die Strafen zu verschärfen -- bislang werden Autofahrer mit 30 Euro zur Kasse gebeten -- hält Hübner nicht viel. Er setzt auf verstärkte Kontrollen, um das Bewusstsein der Autolenker für die Gefährlichkeit des Telefonierens während der Fahrt zu steigern.

"Das Verbot wird genauso wie die anderen Ordnungswidrigkeiten im Streifendienst überwacht", erklärt Sibylle Fohs von der Ludwigshafener Polizei. Doch der Nachweis der Handybenutzung sei problematisch -- was auch ihre Kollegin in Mainz, Heidi Nägel bestätigt. Da die Autofahrer die Telefone beim Auftauchen der Polizei schnell zur Seite legen, müssten schon Video- oder Fotokameras eingesetzt werden, so Nägel. Aus diesem Grund gebe es keine gesonderten Kontrollen, sondern würden Verwarnungen lediglich im Rahmen von Geschwindigkeits- oder Abstandsmessungen ausgesprochen.

Rund 20 Autofahrer verwarne die Ludwigshafener Polizei im Monat auf Grund der Handy-Benutzung, berichtet Fohs. Damit liegt die Stadt im landesweiten Trend: nur ein Bruchteil aller Verwarnungen betreffen das "Handy-Verbot", lautet der allgemeine Tenor in den rheinland-pfälzischen Polizeistationen. Daher werden in den meisten Revieren auch keine speziellen Statistiken geführt. "Das Telefonieren ist keine Hauptunfallursache, sondern ledigliche eine von vielen", schätzt Christoph Rauland, Sprecher der Polizei in Koblenz, das Thema als nicht so gravierend ein.

Das Handy gehört mit rund 50 Millionen Nutzern in Deutschland mittlerweile genauso zum Alttag wie das Autofahren. Das Verbot sorgte daher bereits im Vorfeld für Aufregung, über die Hälfte aller Vielfahrer hatten Anfang 2001 in einer Umfrage der Sicher Direct Versicherung (Dreieich) das Verbot abgelehnt. Doch selbst die Automobilclubs wie der AvD oder ADAC halten das Verbot für sinnvoll. Telefonieren lenke die Fahrer ab, so Hüber, und "bei über 100 Stundenkilometern kann das lebensgefährlich sein".

Mit 30 Euro werden Autofahrer, die beim Telefonieren erwischt werden, zur Kasse gebeten, Radfahrer müssen 15 Euro bezahlen. Mit diesen Preisen liegt Deutschland im europäischen Vergleich aber im unteren Mittelfeld. Teuer wird es in Luxemburg (74 Euro) oder Spanien (91 Euro). Spitzenreiter ist Ungarn -- dort sind für Handybenutzung während der Fahrt 125 Euro fällig. (dpa) / (dpa) / (wst)

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