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Handy-Verbot an Schulen in den meisten Bundesländern kein Thema

Schon Erstklässler haben heute oft ein Handy. Frankreich will Smartphones nun sogar komplett von der Schule verbannen – wohl kein Modell für Deutschland.

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Smartphone

Viele Jugendliche aktivieren eine Studie zufolge ihr Smartphone rund 80 Mal am Tag.

(Bild: dpa, Henning Kaiser)

Die meisten deutschen Schüler dürfen ihr Smartphone wohl auch in Zukunft mit zur Schule bringen. Ein flächendeckendes, strenges Handyverbot wie in Frankreich stößt bei den Bildungsministern der Bundesländer weitgehend auf Ablehnung. "Ich bin der Überzeugung, dass die Schulen selbst entscheiden sollten, ob es ein partielles oder ein generelles Verbot im eigenen Haus geben soll", sagte der Präsident der Kultusministerkonferenz (KMK), Thüringens Ressortchef Helmut Holter (Linke), am Dienstag in Erfurt.

Die meisten seiner Amtskollegen sehen das ähnlich – unabhängig von ihrer Parteizugehörigkeit. Hamburgs SPD-Bildungssenator Ties Rabe hält das Vorgehen der Franzosen für "Quatsch", und Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien (CDU) betont: "So eine zentralstaatliche Vorgabe ist uns fremd." Auch Lehrer und Eltern wollen das Mobiltelefon nicht komplett aus den deutschen Schulen verbannen – zumindest nicht, solange die technische Ausstattung vielerorts von gestern ist.

Das französische Parlament hatte am Montag ein sehr weitgehendes Handyverbot für Schulen beschlossen. Das neue Gesetz verbietet grundsätzlich die Nutzung von Mobiltelefonen in allen Vor- und Grundschulen sowie in der Sekundarstufe I.

In Deutschland ist es meist nur untersagt, das Smartphone während des Unterrichts zu verwenden. Eine einheitliche Regelung gibt es allerdings nicht, denn die Schulen fallen – anders als im zentralistisch organisierten Frankreich – in die Zuständigkeit der 16 Bundesländer. Und selbst die Ländern regeln solche Fragen nicht immer zentral per Gesetz, sondern überlassen das den einzelnen Schulen und den dort gültigen Hausordnungen.

Sachsen-Anhalts Bildungsminister Marco Tullner (CDU) spricht sich dafür aus, dass das auch so bleibt: "Die Schulleitungen entscheiden das ganz individuell, was erlaubt und was verboten wird." Schulen, die Handys etwa für Recherchezwecke gezielt im Unterricht einbauen wollten, sollten auch die Möglichkeit dazu haben. Die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) sieht das genauso: "Die Schulleiterinnen und Schulleiter wissen am besten, wie sie vor Ort an ihrer Schule mit dieser Frage umgehen."

Einig sind sich die meisten Bildungspolitiker, der Bundeselternrat und der Verband Bildung und Erziehung (VBE) darin, dass Handys keine Störungen im Unterricht verursachen dürften und die Schüler auch nicht vom Lehrstoff ablenken sollten. Doch ganz von den Schulen verbannt werden sollen die Mobiltelefone demnach eben auch nicht. Die Schulen seien technisch noch nicht gut genug ausgerüstet, um ganz auf Mobiltelefone zu verzichten, sagt Elternrats-Chef Stephan Wassmuth. Der VBE-Vorsitzende Udo Beckmann bemängelt ebenfalls die größtenteils "steinzeitliche Ausstattung". Daher müssten Lehrer auf die Mittel zurückgreifen, die Schüler mitbrächten.

An Bayern Schulen sind Mobiltelefone derzeit ohnehin nur zu Unterrichtszwecken erlaubt. Ob das so bleibt, wird das kommende Schuljahr zeigen. Dann lässt der bayerische Kultusminister Bernd Sibler (CSU) an den Schulen des Freistaats nämlich mögliche Neuregelungen für eine private Handynutzung testen. Angesichts der rasanten technischen Entwicklung werden sich die Uhren aber auch in Bayern kaum zurückdrehen lassen. Der saarländische Bildungsminister Ulrich Commerçon (SPD) hält übertrieben strenge Vorschriften deshalb für unrealistisch. "Digitalisierung und die Verwendung mobiler Endgeräte wird nicht vor den Schultoren Halt machen", sagt er. (axk)

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