Handy verschlüsselt Gespräche auf Knopfdruck

Deutschlands erstes Krypto-Handy geht in Serienproduktion.

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Von
  • Gerard Ducasse

Deutschlands erstes Krypto-Handy geht jetzt in Serienproduktion. Äußerlich gleicht das Verschlüsselungs-Handy einem Siemens S35i, doch das TopSec GSM genannte Gerät bringt der Messtechnik-Spezialist Rohde und Schwarz auf den Markt. Ursprünglich wurde die Entwicklung vom Siemens-Bereich Information and Communication Mobile vorangetrieben, bis Rohde und Schwarz Anfang Mai das Geschäftssegment Hardware-Verschlüsselung von Siemens übernahm.

Weil herkömmliche Mobilfunkverbindungen keine vollständige Vertraulichkeit garantierten, entwickelten Siemens-Forscher bereits vor einem Jahr ein Verfahren, das auf Knopfdruck eine gesicherte Verbindung mit echter Ende-zu-Ende-Verschlüsselung im Handy herstellt. Der Clou: Das TopSec GSM "simuliert" eine Sprachübertragung; tatsächlich öffnet das Handy für verschlüsselte Gespräche aber statt des Sprachkanals einen GSM-üblichen Datenkanal. Dieser erlaubt es, die verschlüsselten Inhalte unverändert und transparent zwischen zwei kompatiblen Gegenstellen zu übertragen.

Zum Aufbau einer normalen unverschlüsselten Verbindung wählt man wie gewohnt die Rufnummer seines Gesprächspartners. Soll das Telefonat jedoch verschlüsselt werden, so drückt man vor der Wähltaste einen entsprechend programmierten Softkey. Das Gerät schaltet dann in den Datenmodus; ein zusätzlich eingebautes, nur briefmarkengroßes Modul codiert und verwürfelt die ausgetauschten Daten so gründlich, dass selbst Geheimdienste nicht mithören können, so der Hersteller. Die sichere Verbindung kann allerdings nur aufgebaut werden, wenn auch der Gesprächspartner über ein passendes Handy verfügt oder sein ISDN-Telefon an ein geeignetes Verschlüsselungsmodul angeschlossen ist.

Die Geräte der Kommunikationspartner tauschen bei jedem Verbindungsaufbau einen neuen 128-Bit-Schlüssel aus. Dabei wird jedes Mal ein anderer von 1038 zur Verfügung stehenden Schlüsseln per Zufallsverfahren ausgewählt. "Tausend Pentium-Computer müssten über zehn Jahre rechnen, um den Wortlaut eines zehnminütigen Telefonates zu entschlüsseln", schwärmt ein Techniker vom neuen Verfahren.

Theoretisch darf jeder das Handy erwerben, doch der Einstandspreis von rund 6000 Mark dürfte den Kreis der Käufer drastisch einschränken. In manchen Ländern ist zudem der Einsatz der Verschlüsselungstechnik ausdrücklich verboten. Erster Nutzer des TopSec GSM ist der deutsche Innenminister Otto Schily; er bekam ein Gerät aus der Vorserie geschenkt. (Gerard Ducasse) / (dz)