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Handynutzung in der Schweiz teurer als in der Europäischen Union

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Die Kosten für die Nutzung von Mobiltelefonen liegen in der Schweiz deutlich höher als im europäischen Durchschnitt – das ist jetzt sogar offiziell. Gestern erläuterte das Bundesamt für Kommunikation (Bakom) den Medien eine neue Studie über den Schweizer Telekommunikationsmarkt im Vergleich zu den EU-Staaten. Darin wird aufgezeigt, dass trotz der in den letzten Jahren sukzessive gesunkenen Preise die Mobilfunkkunden in der Schweiz immer noch deutlich mehr ausgeben müssen als die Handy-Nutzer in der Europäischen Union. In drei analysierten Vergleichsprofilen lag der durchschnittliche monatliche Unterschied zu Nutzern in der EU für Wenigtelefonierer bei 5,90 Euro (9,90 Franken), häufige Nutzer des Mobilfunknetzes zahlen in der Schweiz sogar 21 Euro (34 Franken) mehr (Angaben ohne Mehrwertsteuer).

Obwohl im Jahr 2006 die vergleichsweise hohe Zahl von fünf Netzbetreibern (Swisscom Mobile, Sunrise, Orange, Tele2 und In&Phone) ihre Leistungen in der Schweiz anboten, sei seit der letzten Studie von 2004 immer noch kein gesunder Wettbewerb entstanden. In den EU-Ländern sind es jeweils nur zwei bis vier Betreiber. Dafür haben die Konsumenten in der EU eine weitaus höhere Zahl von Anbietern von Service-Providern, die über kein eigenes Netz verfügen, zur Auswahl. Großbritannien kommt dabei auf einen Rekordwert von 70 Provider, in den Niederlanden gibt es 60 Provider. Doch ein Überfluss an Auswahlmöglichkeiten und Informationen könne die Mobilfunkbenutzer laut Bakom auch überfordern, deshalb sei es besser, statt eines Maximums an Anbietern eine optimierte Zahl der Marktteilnehmer anzustreben.

Obwohl insgesamt zufriedenstellend, weise die Wettbewerbssituation in der Schweiz einige Besonderheiten auf, erläutert das Bundesamt. Zum einen sei die Schweiz ein Land, in dem der Markt- beziehungsweise Kundenanteil "der historischen Betreiberin" Swisscom (Mobile) mit 63,2 Prozent vergleichsweise hoch ist. Die Schweiz liegt hier bei den verglichenen Ländern an dritter Stelle nach Zypern und Slowenien. Der Wert sei im Vergleich zum europäischen Durchschnitt von 39,4 Prozent "außergewöhnlich". Die Aufteilung des Marktes auf den etablierten Netzbetreiber und seine Konkurrenten sei seit 2004 stabil geblieben, und zwar sowohl in der Schweiz als auch in den EU-Ländern. Der Markt scheint nach Meinung der Bakom somit einen gewissen Konsolidierungsgrad erreicht zu haben.

Zu den im Mittel höchsten Gebühren in Europa gehören außerdem die Mobilfunk-Terminierungsentgelte oder Interkonnektionsgebühren – also der Preis, der bei ankommenden Gesprächen aus anderen Netzen von dem jeweiligen Betreiber verlangt wird. Trotz einer beträchtlichen Senkung der Gebühren von 2004 auf 2005 um 28,3 Prozent und einer etwas geringeren Senkung von 2005 auf 2006 (minus 5,1 Prozent) liegt die Schweiz mit einer Terminierungsgebühr von 15,05 Cents pro Minute 32 Prozent über dem gewichteten europäischen Durchschnitt. Nur in Belgien, Slowenien, Estland und Polen sind die Preise noch höher, so die Bakom.

Nachdem die Wettbewerbskommission (Weko) die im Vergleich zu den EU-Ländern überhöhten Terminierungsgebühren feststellte, leitete sie im Oktober 2002 eine Untersuchung gegen drei Schweizer Mobilfunkanbieter ein. Im Februar 2007 hat die Regulierungsbehörde ComCom eine erste Verfügung für den Zeitraum vom November 2002 bis Mai 2005 gegen Swisscom Mobile erlassen. Laut Bakom-Bericht wird ein weiterer Weko-Entscheid noch für den Zeitraum ab Juni 2005 erwartet und könnte dieses Mal alle Betreiber betreffen, die Gegenstand der Untersuchung waren.

Was die Preise für das Festnetz betrifft, seien bei Ortsgesprächen mit einer Dauer von drei Minuten nur in Belgien die Kosten höher. In Bezug auf den Preis für einen Anruf von zehn Minuten Dauer steht die Schweiz an 23. Stelle, so das Bakom. Bei Ferngesprächen liege der Preis für eine Verbindung von drei beziehungsweise zehn Minuten Dauer deutlich unter dem gewichteten europäischen Durchschnitt. Bei den Auslandgesprächen schließlich belegt die Schweiz einen hervorragenden Rang. Werden die Kosten der verschiedenen Profile oder "Körbe" betrachtet, die für internationale Verbindungen definiert wurden (Korb für Haushalte und Korb für Unternehmen), kann nur die "historische Anbieterin" Zyperns günstigere Preise vorweisen. Zudem lägen die Schweizer Preise klar unter dem europäischen Schnitt, heißt es in der Bakom-Studie. (Tom Sperlich) / (vbr)