Hannover Messe

Hannover Messe 2015: Gut gebrüllt, Löwe

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Indiens Premierminister Narendra Modi haben am Sonntagabend die Hannover Messe 2015 offiziell eröffnet. heise online war bereits auf dem Messegelände und zeigt die spannendsten Produkte.

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Zum 68. Mal seit 1947 ist am Sonntag die Hannover Messe eröffnet worden, mit rund 6500 Ausstellern die größte Industriemesse weltweit. Aushängeschilder sind wie in den vergangenen Jahren vernetzte Produktionsanlagen, intelligente Roboter und neue Automatisierungslösungen. Die Beteiligung ausländischer Firmen an der Hannover Messe sei in diesem Jahr so hoch wie nie zuvor, hob der niedersächsische Ministerpräsident Stefan Weil in seiner Eröffnungsrede hervor. Allein aus dem diesjährigen Partnerland Indien seien an die 400 Unternehmen vertreten.

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Indiens Premierminister Narendra Modi bei der Eröffnung der Hannover Messe 2015.

(Bild: Peter-Michael Ziegler/heise online)

Indien präsentiere sich "in neuer Stärke" sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel. Mit einem Handelsvolumen von 16 Milliarden Euro sei Deutschland Indiens größter Wirtschaftspartner in der EU. Der indische Premierminister Narendra Modi erinnerte in seiner Ansprache an die tiefen Beziehungen beider Länder, die von "gegenseitiger Faszination und Wohlwollen geprägt" seien.

Modi forderte die anwesenden Unternehmensvertreter auf, in Indien zu investieren und zu produzieren. "Wir werden es Ihnen so einfach wie möglich machen und auch für Rechtssicherheit sorgen", unterstrich der Premierminister. Der Löwe, der auf diesjährigen Hannover Messe allgegenwärtig ist, sei das "Symbol des neuen Indien" sagte Modi.

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(Bild: Peter-Michael Ziegler/heise online)

Indien tritt nicht zum ersten Mal als Partnerland der Hannover Messe auf: Schon 2006 begrüßte Kanzlerin Merkel den damaligen Premierminister Manmohan Singh in der niedersächsischen Landeshauptstadt und lobte die hohen Wachstumsraten der "bevölkerungsreichsten Demokratie der Welt", die inzwischen fast 1,3 Milliarden Einwohner zählt.

Als Warenproduzent für den Welthandel spielt Indien allerdings auch heute noch eine untergeordnete Rolle. Die WTO führt das südasiatische Land, das mit einer Fläche von rund 3,3 Millionen Quadratkilometern gut neunmal so groß wie Deutschland ist, lediglich auf Rang 19 der größten Warenexporteure – noch hinter Ländern wie Belgien oder den Vereinigten Arabischen Emiraten. In der Liste der bedeutendsten deutschen Außenhandelspartner taucht Indien erst auf Platz 25 auf.

Premierminister Modi, der seit knapp einem Jahr im Amt ist und zuvor 15 Jahre Regierungschef im Bundesstaat Gujarat war, setzt deshalb auf konsequenten Infrastrukturausbau und rasche Industrialisierung. Den Anteil der Industrieproduktion am Bruttoinlandsprodukt (BIP) will der gelernte Politikwissenschaftler so schnell wie möglich um zehn Prozentpunkte auf 25 Prozent steigern.

Helfen soll dabei die Kampagne "Make in India", die im vergangenen September gestartet wurde und ausländische Unternehmen durch verbesserte Investitionsbedingungen dazu bewegen soll, in Indien zu produzieren. "Make in India" ist auch das Motto, unter dem Indien bei der diesjährigen Hannover Messe auftritt. "Make in India" sei keine Marke und auch kein Slogan, versicherte Modi am Sonntag, "sondern eine neue nationale Bewegung" mit dem Ziel, das Land zu modernisieren und für Wachstum zu sorgen.

Das derzeit ambitionierteste Infrastrukturprojekt Indiens ist der sogenannte "Delhi-Mumbai Industrial Corridor" (DMIC). In einem rund 1500 Kilometer langen und 300 Kilometer breiten Streifen, der die beiden größten Städte des Landes (Neu-Delhi im Norden und Mumbai an der Westküste) verbindet, sollen zahlreiche neue Industriezentren mit "Weltklasse"-Produktionsanlagen, moderne Energieversorgungsinfrastrukturen und rund zwei Dutzend "Smart Cities" entstehen. Zum 90-Milliarden-Dollar-Projekt gehört auch der Aus- und Neubau von Verkehrsadern für den Waren- und Personentransport sowie eine Modernisierung der See- und Flughafeninfrastruktur. (pmz)