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Hannover Messe: Die bunte Palette des 3D-Drucks

In der Industrie liegen die Anwendungen für 3D-Druck auf der Hand: Prototypen, Versuchsmodelle, Kleinserien. Kein Wunder, dass die Anbieter von Maschinen und Dienstleistungen auf der Hannover Messe breit vertreten sind.

Allem industriellen Ernst zum Trotz platzieren viele Hersteller von 3D-Druckern und Dienstleister aus diesem Bereich auf ihren Messeständen vor allem dekorative Stücke als Blickfang – wer will es ihnen verdenken. Ins Auge springen in diesem Jahr die vielen etwa 20 Zentimeter großen Miniaturausgaben von Personen, die in 3D gescannt und dann farbig gedruckt wurden. Auf die Produktion solcher plastischen Porträts, für die manchmal die Bezeichnung "Mini-me" benutzt wird, haben sich diverse lokale Dienstleister verlegt, beispielsweise 3D Fab aus Radolfzell am Bodensee (Halle 7, D56). Die Firma druckt aber auch (und vor allem) technische Objekte, etwa Architekturmodelle oder plastische Visualisierungen von Strukturanalysen.

Auch viele andere Firmen der 3D-Druck-Branche haben sich zu den CAD/PLM-Software-Anbietern in Halle 7 gesellt (die auch auf den Namen "Digital Factory" hört). Die Produkte der beiden großen Nummern in diesem Markt – Stratasys und 3D Systems – sind dort aber durchweg an den Ständen ihrer jeweiligen Vertragshändler und Wiederverkäufer zu sehen: Alphacam und RTC auf der einen Seite, Kisters auf der anderen. Mit der Coffee GmbH, einem etablierten SolidWorks-Händler, ist pünktlich zur Messe der Kreis der Vertriebsfirmen für die Produkte von 3D Systems gewachsen: Ab sofort sollen Kunden das gesamte Angebot dieser Firma auch bei Coffee kaufen können, vom Heimgerät Cube über die 3D-Scanner bis hin zum Zuckerdrucker ChefJet.

Die deutsche Firma Voxeljet ist eigentlich für große Bauräume bekannt und brachte auf die vergangene EuroMold den angeblich größten 3D-Drucker mit, die diese Fachmesse bisher gesehen hat. Auf der Hannover Messe ist alles zwei Nummern kleiner: Auf dem Stand E51 in Halle 7 ist mit der VX200 die kompakteste Maschine aus dem Angebot der Firma dabei – und wir hatten Gelegenheit, uns die Besonderheiten der Voxeljet-Technik mal im Detail und auf Video erklären zu lassen:

Im Forschungsumfeld der Halle 2 kann man zwei Maschinen der recht neuen Mittelklasse für 3D-Druck-Einsteiger mit gehobenen Ansprüchen in Augenschein nehmen: Auf Stand A08 (Niedersachsen) druckt der Fabmaker E1, der speziell für den Einsatz an Schulen und anderen Bildungseinrichtungen gedacht ist, aber auch professionell genutzt werden kann. Der Cobot am Stand C45 (Hessen) wurde von drei 3D-Druck-Enthusiasten an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach entwickelt. Der Doppelkopf-FDM-Drucker baut Objekte bis zu einer Größe von 21 cm × 27 cm × 21 cm auf und soll in Kürze in Serie gehen. Auf dem Messestand sieht man noch den Prototypen in Aktion.

Ebenfalls in Halle 2 am Stand C16 unterbreitet die Abteilung Anka Commercial Services des KIT (Karlsruher Institut für Technologie) ein ganz besonderes Angebot: winzige Objekte im Röntgen-Computer-Tomograph in 3D zu scannen und bei Bedarf auch gleich vergrößert auszudrucken. Am Institut für Werkstoffwissenschaft und Werkstofftechnologie der TU Wien hingegen (Halle 6, Stand J10) ist man am 3D-Druck mit Keramik interessiert: Der dort entwickelte 3D-Drucker verarbeitet Keramikpartikel, deren Größe sich im Mikrometerbereich bewegt, und fügt sie über ein lichtempfindliches Bindemittel zusammen. Ein Beamer belichtet dabei jede der bis zu 25 µ dünnen Schichten auf einmal. Anschließend wird das Objekt noch gesintert, um die gewünschte Festigkeit zu erreichen.

Mehr Aktuelles von der Hannover Messe und zur Fabrik der Zukunft finden Sie in einem Special von Technology Review. (pek)

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