Menü

Hannover Messe: Digitalisierte Industrie – und versiegelte Gullideckel

Am Montag startet die Hannover Messe 2016 - mit mehr als 5200 Ausstellern die größte Industriemesse weltweit. Die niedersächsische Landeshauptstadt bereitet sich unterdessen auf den Ausnahmezustand vor: Obama kommt.

vorlesen Drucken Kommentare lesen 48 Beiträge

(Bild: Hannover Messe)

In der "Robotation Academy" auf dem Gelände der Deutschen Messe AG ist am Mittwoch der Countdown zur Hannover Messe 2016 eingeläutet worden. Wo sonst Schulungen und Kongresse rund um Robotik und Automationstechnik stattfinden, stellte Messevorstand Jochen Köckler das diesjährige Konzept der weltweit größten Industriemesse vor und freute sich zugleich über einen "hervorragenden Anmeldestand".

Messevorstand Jochen Köckler ließ sich das Leitthema der Hannover Messe 2016 bei der Auftaktpressekonferenz von einem Roboterarm reichen.

(Bild: Peter-Michael Ziegler / heise online)

Danach präsentieren sich vom 25. bis 29. April mehr als 5200 Aussteller aus 75 Ländern in Hannover. Die Top-Ausstellernationen sind Deutschland (2180), gefolgt von China (650), den USA (465), Italien, der Türkei und den Niederlanden. Das Partnerland USA sei in Hannover mit der größten Zahl an Unternehmen vertreten, die je an einer Messe außerhalb des eigenen Kontinents teilgenommen hätten, erklärte Köckler.

Da es sich bei der Hannover Messe nicht um "eine" Messe handelt, sondern um mehrere "Branchen-Leitmessen", die zur selben Zeit und am gleichen Ort abgehalten werden, ist ein Vergleich mit dem Vorjahr schwierig. So waren zum Beispiel im vergangenen Jahr zehn Einzelmessen an der Hannover Messe beteiligt, während es 2016 nur fünf sind: Industrial Automation, Digital Factory, Energy, Industrial Supply und Research & Technology.

Hannover Messe 2016: Kurz vor Beginn (7 Bilder)

Sprengstoff-Spürhunde sind schon unterwegs, auch und vor allem vor dem HCC

Drei Themen werden die diesjährige Hannover Messe bestimmen: der Dauerschlager Industrie 4.0, das sogenannte "Industrial Internet" und "Integrated Energy". Messebesucher können mehr als 100 Anwendungsbeispiele aus dem Bereich Industrie 4.0 selbst in Augenschein nehmen, darunter Lösungen zur "Predictive Maintenance". "Bei dieser 'vorausschauenden Wartung' erkennen Sensoren einer Maschine, ob ein Defekt kurz bevor steht und können Gegenmaßnahmen einleiten", verdeutlichte Köckler.

Vernetzung und Digitalisierung spielen auch im Energiesektor eine immer bedeutendere Rolle. "Wir haben in Deutschland inzwischen die vielfältigste Energieversorgung der Welt", erklärte Andreas Kuhlmann, Geschäftsführer der Deutschen Energie Agentur, bei der Auftaktpressekonferenz. Als Teil der Energiewende werde deshalb auch die Synchronisierung von aktuell rund zwei Millionen dezentralen Einspeisepunkten in Deutschland immer wichtiger.

Hannover bereitet sich unterdessen auf den Ausnahmezustand vor: Alle Bereiche, in denen sich US-Präsident Barack Obama während seines zweitägigen Besuchs in der niedersächsischen Landeshauptstadt aufhalten wird, sind zu weitläufigen Sicherheitszonen erklärt worden. Anwohner des Zooviertels etwa, wo Obama gemeinsam mit Bundeskanzlerin Angela Merkel am Sonntagabend im Kongresszentrum (HCC) die Hannover Messe 2016 offiziell eröffnet, sollen sich nicht an den Fenstern zeigen, Kinder dürfen nicht draußen spielen. Rund 2000 Gullideckel wurden versiegelt.

Obama reist aus London an, wo er Premierminister David Cameron trifft und mit der britischen Königsfamilie diniert. In Hannover will Obama die Chance nutzen, noch einmal für TTIP, das geplante Freihandelsabkommen zwischen den USA und der EU, zu werben. Gegner des Freihandelsabkommens haben für Samstag zu Demonstrationen in der Hannoverschen Innenstadt aufgerufen. Erwartet werden mehrere Zehntausend Teilnehmer. Und auch die Gewerkschaften nutzen die mediale Aufmerksamkeit: Verdi lässt am Messe-Dienstag den öffentlichen Nahverkehr in Hannover bestreiken.

(anw)