Hannover Messe

Hannover Messe: Wie man Arbeit im Rahmen der Digitalisierung neu organisiert

Auf der Konferenz "Future of Work" loten Messegesellschaft und IG Metall aus, wie Arbeit und Führung im Rahmen der Digitalisierung neu gestaltet werden muss.

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(Bild: Photo by Jo Szczepanska on Unsplash )

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Wie sieht Arbeit in Zeiten der Digitalisierung aus und was müssen Unternehmen tun, um mit den gewaltigen Veränderungen Schritt zu halten? Darauf sollte die erstmals im Rahmen der Hannover Messe am heutigen Dienstag veranstaltete Konferenz "Future of Work" Antworten geben.

Der Philosoph Richard David Precht sieht in der Digitalisierung eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, denn durch die zunehmende Automatisierung wird die Anzahl der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnisse abnehmen. Das ist ein Problem für die Sozialversicherungssysteme, auch weil wir wegen besserer Medizin älter werden. Seiner Meinung nach kommen wir als Gesellschaft gar nicht umhin, als das ohnehin veraltete Prinzip der Leistungsgesellschaft zu verwerfen und durch etwas anderes zu ersetzen, zum Beispiel mit dem bedingungslosen Grundeinkommen.

In vielen Firmen geht es oft erst einmal darum, überhaupt in der Digitalisierung anzukommen. Bernd Osterloh, Vorsitzender des Gesamt- und Konzernbetriebsrat bei VW, berichtete aus seinem Unternehmen: "Wir stehen vor der wahrscheinlich größten Transformation des Unternehmens" – und vor der Mammutaufgabe, der Belegschaft die dramatische Situation näher zu bringen und sie gleichzeitig für die Änderungen zu motivieren und mitzunehmen. Er sieht das auch deshalb als Aufgabe des Betriebsrats, weil viele Manager auf das Thema Digitalisierung noch nicht eingestellt sind.

Das liegt unter anderem daran, dass Digitalisierung nicht nur die Technik und Produktionsprozesse grundlegend verändert, sondern auch und insbesondere das Thema Führung – so Janina Kugel, Vorstandsmitglied der Siemens AG. An die Stelle alter Hierarchien treten flexiblere, agilere Netzwerke, in denen Mitarbeiter sich über Teams und althergebrachte Grenzen hinweg austauschen. Dabei müssen insbesondere Führungskräfte lernen, Kontrolle abzugeben.

Diese "New Work" getaufte Veränderung wirkt sich auch auf die Gestaltung der Arbeitsplätze aus. Sabine Sauber des Büroarbeitsplatzvermieters Design Offices betont, dass New Work flexible "Arbeitslandschaften" benötigt – ganz einfach, weil die Mitarbeiter verschiedene Tätigkeiten verrichten, zwischen denen sie wechseln: fokussierte Arbeit, Teamwork, Fortbildung und Socializing.

Co-Creation bei Fujitsu: In einem ersten Schritt werden Personas, idealtypische Anwender beschrieben.

Wie Arbeit neu gestaltet werden kann, lässt sich auch abseits der Konferenz auf der Hannover Messe sehen. So stellt Fujitsu an seinem Stand (Halle 7, E16) sein Digital Transformation Centre vor. Unternehmen, denen Ideen für Innovationen fehlen oder die nur eine grobe Vorstellung für ein digitales Transformationsprojekt haben, können dort mit Fujitsu-Experten Lösungen entwickeln. Zum Einsatz kommt dabei Fujitsus Weiterentwicklung der Design-Thinking-Methode namens Human Centric Experience Design, von der Fujitsu verspricht, dass sie schnelle Ergebnisse liefert.

Das Partnerland der Messe, Schweden, hat seinen gesamten Messeauftritt (Halle 27, H30) Co-Lab genannt. Das skandinavische Land präsentiert sich als Vorreiter der Kooperation und Innovation. Der industrielle Sektor werde, so die schwedische Sicht, in Zukunft einem verstärkten Wettbewerb insbesondere mit der USA und China ausgesetzt sein. Wenn europäische Unternehmen in diesem Umfeld erfolgreich sein wollen, dann müssen viel mehr zusammenarbeiten und gemeinsam entwickeln, sowohl entlang ihrer Produktionsketten, etwa mit Zulieferern, als auch mit anderen Partnern.

Schweden fördert derartige Kooperationen schon seit vielen Jahren in Technologieparks, die im gesamten Königreich verteilt sind und wo Wirtschaft, Wissenschaft und Start-ups eng zusammenarbeiten. Der Erfolg gibt Schweden recht. Nach einem Bericht der Welt kann kein anderes Land der EU so viele erfolgreiche Start-up-Gründungen vorweisen wie Schweden. Das Land lädt offensiv Unternehmen ein, mit schwedischen Firmen zu kooperieren, stellt auf seinem Stand viele Kooperationen und Start-ups vor. (jo)