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Harte Schale, weicher Kern: Professor sucht perfekten Nussknacker

Nüsse richtig zu knacken, ist eine Wissenschaft. Ein Professor an der TU Bergakademie Freiberg hält darüber Vorlesungen. Besondere Aufmerksamkeit bekommt eine Nuss aus Australien und Kenia.

Harte Schale, weicher Kern: Professor sucht perfekten Nussknacker

(Bild: Hermann, Pixabay)

Eine gewisse Portion Druck, es kracht und die Nuss ist futsch. Auf dem Tisch liegt ein Häufchen aus zersplitterter Schale und zerstörter Frucht - so ist die Nuss weder für den Christstollen noch für das Weihnachtsgebäck verwendbar. Für Matthias Kröger ist das Ergebnis enttäuschend. Zugleich aber fühlt sich der Professor an der Technischen Universität Bergakademie Freiberg auch herausgefordert: Er möchte den perfekten Nussknacker entwickeln. "Bis die Schale kaputtgeht, ist der Kern kaputt. Das ist nicht der richtige Weg", sagt der Leiter des Institutes für Maschinenelemente, Konstruktion und Fertigung.

Alle Jahre wieder zur Adventszeit teilt der gebürtige Niedersachse seine Leidenschaft fürs Nüsseknacken auch mit seinen Studenten. Bei den beliebten Weihnachtsvorlesungen zeigt und erklärt der 49-Jährige, wie man am besten durch die harten Schalen an die weichen Kerne kommt – und wie besser nicht. In diesem Jahr sind Nussknacker am 15. Dezember im Fokus. Und am 20. Dezember widmet sich Kröger dann dem zweiten Aha-Thema der Vorweihnachtszeit: dem Tannenbaum.

Erklärtes Lieblingsthema aber ist der Nussknacker. Besonders hat es Kröger dabei die Macadamianuss angetan. Die ursprünglich in Australien beheimatete runde Frucht hat sich in vielerlei Hinsicht wahrhaft als harte Nuss erwiesen. "Die Macadamianuss ist perfekt. Die Kugel ist eine Sache, die nicht kaputt geht", sagt Kröger. Um die Macadamianuss aufzubrechen, ist ein Gewicht von mehr als 1000 Newton notwendig, was einer Masse von mehr als 100 Kilogramm entspricht. Zum Vergleich: Bei einer Walnuss reichen 200 Newton, für die Haselnuss muss man um die 400 Newton aufwenden.

Nussknacker gibt es in ungezählten Formen, Farben und aus unterschiedlichen Materialien. Da sind die geschnitzten Nussknacker aus dem Erzgebirge aus Holz, die Zangen aus Metall, Exzenterbrecher unter anderem aus Plaste, Spindelnussknacker aus Holz oder auch Federnussknacker aus Metall, Katapultnussknacker aus Metall und Gummi. "Es gibt dafür einen ganz großen Markt", sagt Kröger. Besonders gelungen findet der Ingenieur ein flaches Metallherz, mit dem man Walnüsse öffnet. "Einfach ist das Maß der Dinge. Das sind Lösungen, wo man sagt: Wow!"

Doch allen Varianten ist gemeinsam, dass sie für Macadamianüsse ungeeignet sind. Seit einem Jahr tüfteln der Professor und ein paar seiner Studenten in Kooperation mit der Taita Taveta University im kenianischen Voi an der Lösung des Problems. Kenia ist weltweit eines der wichtigsten Anbaugebiete für die Nüsse und die dortige Uni hat eine eigene Plantage. "Die haben Interesse daran, einen guten Nussknacker zu haben, der wenig Bruch macht", sagt Kröger.

Ziehen statt drücken, lautet der Ansatz. "Die ersten Versuche sehen ganz gut aus", berichtet der Studiendekan. Das Ziel erreicht sei aber erst, wenn man pro Minute eine vernünftige Anzahl an Nüssen knacken kann. "Das muss noch serientauglich werden", betont Kröger. (Martin Kloth, dpa) / (bbo)

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