Menü

Hartz IV-Software: Das Baby strampelt

Von
vorlesen Drucken Kommentare lesen 184 Beiträge

Noch druckt die Software nicht richtig. Das Hochleistungsdrucksystem der Bundesagentur für Arbeit ist nach Alg-II (Arbeitslosengeld II) darauf ausgelegt, 28 Millionen Seiten im Monat zu produzieren. Die Kuvertierstraßen, die im Monat nach Alg-II 7 Millionen Briefe auf den Weg bringen sollen, bemerken noch nichts von der neuen Last. Doch ansonsten kommen aus Nürnberg erste Anzeichen der Entspannung. Eigens für die Berechnung von Alg-II wurde ein Cluster von 16 Servern mit jeweils vier Prozessoren installiert, die unter Linux laufen. Erstmals hat sich damit die Bundesagentur, die zuvorderst nur 29 Firewall-Server unter Linux einsetzte, sich voll auf Linux eingelassen und nicht auf Reliant/Unix oder Solaris gesetzt, welches die wichtigsten Betriebssyteme in Nürnberg sind.

Vor Alg-II wurde Linux schon in den Arbeitsämtern, die später zu Arbeitsagenturen umgetauft wurden, benutzt. Wer dort nach Arbeit suchte, war an einem der 929 Server angeschlossen, die unter Linux laufen. Die Windows-Welt betritt man, wenn es zu den Außenstellen geht. 2650 Server unter Windows NT sind vor Ort in den Arbeitsagenturen tätig, davon etwa 1100 allein mit Voice-over-IP beschäftigt. Ende des Jahres sollen es sogar 2200 Voice-Server sein: Der Telefonverkehr soll drastisch entschlackt werden.

Auch die lokalen Zweigstellen der Arbeitsgentur leiden unter der restriktiven Handhabung des Zugangs zur Alg-II-Software. Zum Monatsende will man 16.000 Rechner freischalten. Das ist weit von den 40.000 Eingabeplätzen entfernt, die urspünglich geplant waren. Doch Alg-II ist nicht alles. Insgesamt sind bei der Arbeitsagentur 104.500 PC im Netz, 90.000 sollen noch bis zum Ende dieses Jahres ersetzt werden. Parallel zu dem Austausch der Hardware läuft derzeit auch noch ein Austausch der zentralen Software: bei der Bundesagentur migriert man bei der Datenbank, Informix soll durch Oracle ersetzt werden. "Wenn ich mir anschau, was alles hier passiert, ist es fast ein Wunder, dass die Hartz IV-Software überhaupt funktioniert", erklärte ein junger Mitarbeiter der Arbeitsagentur gegenüber heise online.

Siehe zu dem Thema auch:

(Detlef Borchers) / (anw)

Anzeige
Anzeige