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Hawaii: Raketenalarm war keine Fehlbedienung, sondern Absicht

Die falsche Warnung vor einem Raketenangriff auf Hawaii war gar keine Fehlbedienung: Der Verantwortliche glaubte nach eigenen Angaben an einen echten Angriff.

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Fehlalarm warnt Hawaii-Bewohner per Handy vor Raketenangriff

Dieser Fehlalarm erging an alle Handys, die in ein Mobilfunknetz in Hawaii eingebucht waren.

(Bild: @bosshawaii (Twitter))

Eine falsche Warnung vor einem Raketenangriff hat Mitte des Monats für Panik in dem US-Bundesstaat Hawaii gesorgt. Nun gerät die ursprüngliche Darstellung, wonach ein Mitarbeiter einen falschen Knopf gedrückt habe, ins Wanken. Denn der – inzwischen gefeuerte – Mitarbeiter (bekannt als "Employee 1") gibt an, von einem echten Angriff ausgegangen zu sein. Was bloß eine Alarmübung hätte sein sollen, beinhaltete nämlich die Aussage: "This is not a drill." (Dies ist keine Übung.)

Logo der Katstrophenschutzbehörde Hawaiis

Sowohl die Telecom-Regulierungsbehörde FCC als auch der Bundesstaat Hawaii selbst untersuchen den Vorfall. Am Dienstag haben sie jeweils einen Zwischenbericht herausgegeben. Demnach wurde der Fehlalarm am 13. Januar 2018 unmittelbar nach einem Schichtwechsel, wenige Minuten nach 8 Uhr Ortszeit, ausgelöst. Der Schichtleiter der scheidenden Nachtschicht führte eine ungeplante Alarmübung durch, indem er von außen in der Katastrophenzentrale anrief und sich als Pazifik-Kommando der US-Streitkräfte ausgab.

Zwar hatte er den Leiter der Tagesschicht informiert, dieser glaubte aber, die Übung betreffe nur das Personal der Nachtschicht, weshalb er nicht im entsprechenden Zimmer anwesend war. Dort wurde der Anruf des Nachtschichtleiters über eine Freisprecheinrichtung durchgegeben. Zu Beginn und am Ende soll dabei, wie für eine Übung vorgesehen, "exercise, exercise, exercise" ertönt sein. Als Hauptwort bedeutet das "Übung, Übung, Übung", als Zeitwort kann es aber auch so viel wie "anwenden, ausüben" bedeuten.

Doch der übrige Text wich vom (erst wenige Tage zuvor geänderten) Übungsplan ab. Die dort nicht vorgesehene aber dennoch übermittelte Ansage "This is not a drill" ließ Employee 1 glauben, Hawaii werde tatsächlich angegriffen. Er gibt zudem an, die Stimme am Telefon nicht erkannt und die "exercise"-Warnung nicht gehört zu haben. Die FCC hält fest, noch keine Gelegenheit gehabt zu haben, die betreffende Person persönlich zu befragen.

Der Fehler wurde zwar schnell erkannt, doch dürfte Employee 1 in eine Art Stockstarre verfallen sein. Ein Kollege stoppte die weitere Verbreitung des Fehlalarms an Handys, die zu dem Zeitpunkt gerade nicht im Netz eingebucht waren. Es dauerte allerdings 38 Minuten, bis eine Entwarnung verschickt wurde. Das lag unter anderem an überlasteten Telefonleitungen, unklaren Zuständigkeiten sowie der Tatsache, dass im System keine Entwarnung vorgesehen war.



Im Internet wurde der Vorfall sofort mit einer leider alltäglichen Pein in Verbindung gesetzt.

Was laut FCC-Untersuchung geschah, sobald der Alarm als Fehler erkannt worden war. HI-EMA steht für die Katastrophenschutzbehörde Hawaiis.

(Bild: FCC (gemeinfrei))

Laut dem Zwischenbericht Hawaiis soll ein anderer Mitarbeiter schon "mehr als zehn Jahre" über Employee 1 besorgt gewesen sein, weil der mindestens zweimal echte Ereignisse und Übungen verwechselt habe. Laut Bericht gibt es auch Aufzeichnungen über mangelhafte Leistungen des Employee 1.

Insbesondere der Bericht Hawaiis enthält viele weitere Kritikpunkte, von schlechtem Systemdesign samt Fehlen eines Vier-Augen-Prinzips über Personalmangel und ungenaue Ablaufpläne, bis zu fehlender Dokumentation der Mitarbeiterschulungen. Und auch das Pazifikkommando der US-Streitkräfte hat Hausarbeit: Es hatte von dem an alle Handys verschickten (Fehl)Alarm nicht unmittelbar sondern erst durch aufgeregte Anrufer anderer Militärs Kenntnis erlangt. Denn in dem Kommandobereich sind Mobiltelefone aus Sicherheitsgründen verboten.

(ds)

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