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Technology Review

HbbTV: Spion im Wohnzimmer

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Ein Forscherteam der Technischen Universität Darmstadt hat kürzlich untersucht, welche Daten sogenannte HbbTV-Fernseher aussenden. Diese Technik ist eigentlich eine multimediale Variante des herkömmlichen Videotextes, die sich wie eine durchsichtige Internetseite über das TV-Bild legt. Die Sender stellen die HbbTV-Inhalte bereit.

Um HbbTV auf dem Fernseher anzeigen zu können, wird mit dem TV-Signal eine unsichtbare Internetadresse ausgestrahlt. Sie sorgt dafür, dass auf Knopfdruck des Zuschauers zum Programm passende Internetinhalte einblendet werden können. Voraussetzung ist ein mit dem Internet verbundener Fernseher. Bei neueren Modellen ist HbbTV serienmäßig fest installiert.

Doch HbbTV informiert nicht nur die Zuschauer, wie Technology Review in seiner neuen Ausgabe 12/2013 berichtet (hier können Sie das Heft online bestellen). Es ermöglicht Werbetreibenden erstmals, Genaueres über die TV-Gewohnheiten herauszufinden. Denn HbbTV arbeitet wie herkömmliche Web-Technologie auch mit Cookie-Dateien, die Informationen über die Nutzer abspeichern.

Eigentlich müssen die Nutzer der Übermittlung zustimmen. Sie sollte zudem nur dann erfolgen, wenn die Zuschauer wirklich HbbTV-Inhalte aufrufen. Wie die Analyse der Darmstädter Forscher jedoch zeigt, scheint das keineswegs der Fall zu sein. Die Daten zum TV-Verhalten wurden auch bei Fernsehern übertragen, bei denen der Zuschauer gar keine HbbTV-Inhalte abgerufen hatte. Fernsehen mit Internetanschluss reichte aus, um den Datenverkehr loszutreten.

Was genau da übertragen wurde, konnten die drei Wissenschaftler zwar nicht klären. Doch zeigten sie sich „überrascht, wie viele Daten dort wie häufig ausgesendet wurden“, erklärte Teammitglied Marco Ghiglieri. Adressaten der Daten waren unter anderem die Server großer Werbetreibender wie Google Analytics, Chartbeat und Webtrekk.

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(jlu)

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