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Heidelberger Druck will zum Software-Spezialisten werden

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Nach dem erfolgreichen Start in den Digitaldruck will die erfolgsverwöhnte Heidelberger Druckmaschinen AG sich nun auch als Softwarespezialist für die grafische Industrie positionieren. Auf der CeBIT wolle der Konzern mit seiner Software neue Kundenkreise außerhalb des "klassischen Druckereibetriebs" gewinnen, sagte Vorstandsvorsitzender Bernhard Schreier in einem dpa-Gespräch. Weltweit werde in der grafischen Industrie jährlich etwa eine Milliarde Mark in Software und Informationstechnologie investiert.

"Bis zum Jahr 2005 wird ein Drucker nur noch 10 bis 20 Prozent seiner Wertschöpfung mit dem reinen Drucken erzielen", schätzte der Chef des weltgrößten Druckmaschinenherstellers. Der Rest werde von zusätzlichen Dienstleistungen kommen, von Bindung über Verpackung bis zu Datenmanagement für die Kunden. Für die Druckbranche würden deshalb die so genannten PPS-Systeme (Produktion, Planung, Steuerung) immer wichtiger. Auf der CeBIT könnte Heidelberger Druckmaschinen die IT-Spezialisten der grafischen Industrie ansprechen, die nicht zu den reinen Druckmessen wie der alle vier Jahre stattfindenden drupa in Düsseldorf anreisten, meinte Schreier.

Die Digitaltechnik ist einer der Investitionsschwerpunkte des Traditionsunternehmens. Glänzend angelaufen ist das Geschäft mit Maschinen für den digitalen Schwarzweiß-Druck. Die Sparte konnte ihren Umsatz in den ersten neun Monaten um 25 Prozent auf 569 Millionen Euro steigern. Zusätzliches Wachstum sollen ab kommendem Jahr die mit dem US-Konzern Kodak im Gemeinschaftsunternehmen Nexpress produzierten Maschinen für den farbigen Digitaldruck bringen. "Der Farbmarkt wird voraussichtlich jährlich um 18 bis 20 Prozent zulegen", sagte Schreier. Heidelberger Druck wolle Marktführer in dieser Sparte werden und diese Wachstumsraten noch übertreffen.

Die Abkühlung der US-Konjunktur werde voraussichtlich keine negativen Folgen für das Unternehmen haben, sagte Schreier. "Nach dem starken Wachstum der Vergangenheit schwächt sich derzeit das US-Geschäft ab,wir können das aber durch starkes Wachstum in China mehr als ausgleichen." Er sei sicher, dass die für das am 31. März endende Geschäftsjahr 2000/01 gesteckten Ziele von mehr als fünf Milliarden Euro Umsatz und einem zehnprozentigen Gewinnplus erreicht werden.

Schreier deutete eine Erhöhung des Aktien-Streubesitzes von derzeit 16 auf über 20 Prozent in den Sommermonaten an. Das wäre Voraussetzung für den Verbleib im Frankfurter M-DAX für die Mittelwerte. "Ich bin optimistisch, dass wir diese Hürde bis zur Jahresmitte mit Hilfe unserer Aktionäre überwinden können", sagte Schreier. Über die angestrebte Verdopplung des Streubesitzes sei noch keine abschließende Entscheidung gefallen. Großaktionär bei Heidelberger Druck ist der Essener RWE-Konzern, der gut 56 Prozent der Anteile hält. (dpa) / (jk)