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Heimliche Spionage: EU-Forscher warnen vor dem "Internet der Spielsachen"

Vernetzte Puppen, Teddybären oder Uhren wecken in Brüssel wachsende Bedenken rund um die Sicherheit und Privatsphäre von Kindern. Die EU-Kommission sieht zunächst Hersteller und Eltern gefordert, den Nachwuchs besser zu schützen.

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Heimliche Spionage: EU-Forscher warnen vor dem "Internet der Spielsachen"

Spielzeug wie diese – in Deutschland verbotene – vernetzte Puppe, werfen Sorgenfalten auf Forschergesichter.

(Bild: myfriendcayla.de)

Das gemeinsame Forschungszentrum der EU-Kommission (JRC) sorgt sich angesichts eines zunehmenden Angebots vernetzter Spielsachen vor einer "Robotifizierung der Kindheit" und um die Sicherheit sowie die Privatsphäre des Nachwuchses. Es sei oft nicht klar, wie vernetzte Puppen, Teddybären oder Uhren persönliche Daten von Kindern sammelten, analysierten, bearbeiteten und speicherten, heißt es in einem am Donnerstag veröffentlichten Bericht des JRC. Dafür gelte zwar prinzipiell künftig die neue EU-Datenschutzverordnung. Hinweise darauf könnten aber in langen Datenschutzerklärungen versteckt werden, sodass die Eltern sie nicht wahrnähmen.

Die Forschungsstelle warnt , dass eine sich spielerisch im Kinderzimmer ausbreitende Überwachungskultur nicht als "normal" angesehen werde dürfe, da sie sonst das Verhalten und die Entwicklung von Personen von früh auf präge. Roboterspielzeug könne sich zwar durchaus auch förderlich auswirken und es einem Kind etwa erleichtern, Fremdsprachenkenntnisse über einen maschinellen Tutor zu erwerben. Sprösslinge mit Autismus oder Lernschwierigkeiten könnten davon besonders profitieren. Eine internetgestützte, personalisierte Ausbildung mithilfe von Algorithmen erhöhe aber auch die Gefahr von Filterblasen in diesem elementaren Bereich.

Die Autoren der Studie appellieren an die Industrie und die Politik, ein Rahmenwerk zu schaffen, auf dessen Basis vernetztes Spielzeug hergestellt und verwendet werden sollte. Es müsse für Eltern einfacher erkennbar werden, ob die informationelle Selbstbestimmung ihrer Kinder gewahrt bleibe. Es sei keine Alternative, den smarten Teddy einfach wegzusperren. Die Erwachsenen müssten vielmehr versuchen zu verstehen, wie solch ein Spielgerät funktioniere und wie ein Missbrauch von vornherein verhindert werden könnte. Alle Beteiligten müssten lernen, das entstehende "Internet der Spielsachen" in den Griff zu bekommen.

EU-Justizkommissarin Věra Jourová erklärte anlässlich einer Konferenz mit Daten- und Verbraucherschützern in Brüssel, dass sich auch Anbieter von digitalen Produkten wie Spielwaren oder Apps ans EU-Recht halten und dabei vor allem die Privatheit der Kinder im Auge behalten müssten. "Auch wenn der technische Fortschritt unser Leben bereichert, müssen die Produkte sicher sein, insbesondere im Hinblick auf die Schwächsten unserer Gesellschaft", betonte die Tschechin. Die Eltern sollten sich darauf verlassen können, vernetzte Spielsachen "unbedenklich sind" und ihre Nutzer nicht ausspähten. Hierzulande hatte die Bundesnetzagentur jüngst darauf hingewiesen, dass die mit sendefähigen Aufnahmegeräten ausgestattete Puppe "Cayla" verboten ist. (Stefan Krempl) / (anw)

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