Menü

Heimliches Mikro: EPIC fordert Abspaltung Nests von Google

Datenschützer verlangen von der US-Handelsaufsicht Sanktionen für das verheimlichte Mikrofon in Nest-Geräten: Google soll die Abteilung wieder verkaufen müssen.

Lesezeit: 1 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 21 Beiträge

Nest Secure

(Bild: Google)

Von

Google hat in sein Alarmanlagensystem Nest Secure Mikrofone eingebaut, das aber niemandem gesagt. Google beschreibt das als Versehen; das kaufen US-Datenschützer dem Datenkonzern aber nicht ab. Sie verlangen Konsequenzen. Das Electronic Privacy Information Center fordert die Handelsaufsicht FTC dazu auf, ein Verfahren gegen Google einzuleiten. Google solle Nest verkaufen müssen.

Außerdem solle Google alle Daten herausgeben müssen, "die es unlauterer Weise von Nest-Kunden bezogen hat." Doch auch Dritte, darunter Hacker, könnten die Mikrofone ausgenutzt haben: "Es ist völlig unklar, ob Google, ein Hacker, oder sonst jemand die Mikrofone in den Nest-Geräten aktiviert hat, nachdem sie von Verbrauchern zuhause installiert wurden", schreibt EPIC an die FTC (Federal Trade Commission).

Hintergrund der Eingabe ist der 2014 erfolgte Kauf Nests durch Google zum Preis von 3,2 Milliarden Dollar (damals 2,25 Milliarden Euro). Bereits zu der Zeit hatten EPIC und andere Datenschützer Bedenken, weil die Sensoren der vernetzten Nest-Geräte umfangreich sehr private Daten sammeln. Bei so großen Übernahmen ist kartellrechtlich eine Überprüfungsfrist von 30 Tagen vorgesehen. Die FTC verkürzte diese Frist aber und erlaubte Google, sich Nest schneller einzuverleiben.

EPIC betrachtet das als Fehler: "Die FTC hat offensichtlich dabei versagt, die wichtigen Datenschutzbedenken bei der Übernahme Nests durch Google zu berücksichtigen." Nest beschwichtigte damals, dass die Daten nicht mit anderen Google-Daten verknüpft würden und Nest bei Nutzer-Daten transparent bliebe. Doch nun kommt ausgerechnet der Google Assistent auf Nest-Geräte, wodurch das Mikrofon in Googles Alarmanlage öffentlich geworden ist. Die Geschichte von der strikten Datentrennung lässt sich nicht mehr aufrecht erhalten.

Das Electronic Privacy Information Center (EPIC) ist eine Nichtregierungsorganisation mit Sitz in Washington, DC. Sie setzt sich für die Privatsphäre der Bürger ein und nimmt Spenden auch nur von diesen an. Unternehmen als Geldgeber sind nicht willkommen, da sie oft anders gelagerte Interessen haben. Unmittelbar nach den jüngsten US-Wahlen im November hat heise online EPIC-Präsident Marc Rotenberg zum Interview gebeten. Der zwischen Demokraten und Republikanern geteilte Kongress sei gut für den Datenschutz, meinte Rotenberg damals.

(ds)