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Heinrich von Pierer bedauert die Siemens-Affären

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Gut sieben Monate hatte Heinrich von Pierer nach seinem Rücktritt als Siemens-Aufsichtsratsvorsitzender die Öffentlichkeit weitgehend gemieden. Während sein Nachfolger Gerhard Cromme und der neue Vorstandschef Peter Löscher den Konzern radikal umbauten und die Aufklärung der Schmiergeldaffäre weiter vorantrieben, war es still geworden um den einstigen "Mister Siemens". Bei einem Vortrag in München betonte Pierer am Dienstagabend in München nun, die Affären seien bedauerlich und würden im Konzern energisch aufgearbeitet. Insgesamt aber sei das Traditionsunternehmen für die Herausforderungen der Zukunft gut gerüstet: "Kaum ein Unternehmen ist so gut positioniert wie Siemens."

Näher äußerte sich Pierer nicht zur Affäre, zum radikalen Konzernumbau und zur Arbeit von Löscher. Er sei nun Pensionär, betonte der 66-Jährige. Die alten Kontakte hat er aber nicht abreißen lassen, seine E-Mails habe er mit dem neuen Handy stets im Blick. "Meine Frau behauptet, ich sei dem Blackberry hörig geworden."

Bei Siemens waren vor allem auch in der Zeit Pierers als Vorstandschef nach neuesten Erkenntnissen 1,3 Milliarden Euro in dunklen Kanälen verschwunden. Pierer hatte stets betont, nichts von den Vorgängen gewusst zu haben. Als Vorstandsvorsitzender sei man weit weg vom operativen Geschäft. In einem Konzern wie Siemens mit etwa neun Millionen Buchungsvorgängen am Tag seien Unregelmäßigkeiten nur schwer zu entdecken. Der Leitende Oberstaatsanwalt Christian Schmidt-Sommerfeld betonte denn auch am Mittwoch, Pierer gehöre nicht zu den Verdächtigen. "Gegen ihn wird nicht ermittelt." Eine politische Verantwortung zu übernehmen, lehnte Pierer lange ab, bis er sich im April doch dem Druck beugte und als Aufsichtsratschef zurücktrat.

Pierers Verdienste um das Unternehmen wurden von den Affären überschattet, sind bei Siemens aber unumstritten. In seinen gut 14 Jahren als Vorstandsvorsitzender machte er nach Ansicht des Managements und der Investoren den einst trägen Industriedampfer Siemens fit für die Globalisierung. Mit seinem berühmten 10-Punkte-Programm leitete er unter anderem die Abspaltung der Halbleitersparte Infineon ein. Früh engagierte sich der Konzern unter seiner Führung in den neuen Märkten in Asien.

So ist denn auch die Globalisierung heute noch sein großes Thema. "Vielen Menschen gehen die Veränderungen, denen sie ausgesetzt sind, zu schnell", sagte er bei der Veranstaltung des Autors, Motivationsberaters und einstigen Chiphändlers Erich Lejeune. Die Geschwindigkeit, mit der sich die Welt verändere, werde aber weiter zunehmen. "Der Reichtum auf der Welt wird in dramatischer Weise neu verteilt." Deutschland habe bisher von der Globalisierung profitiert und müssen sich den Herausforderungen weiter offensiv stellen, unter anderem durch neue Bildungsinitiativen und die massive Förderung von Forschung und Innovationen. Dafür setze er sich auch im Rat für Innovation und Wachstum ein, der unter Pierers Leitung die Bundesregierung berät. (Axel Höpner, dpa) / (jk)