Heinz-Nixdorf-Museums-Forum rekonstruiert den "Schachtürken"

Der "Schachtürke" aus dem 18. Jahrhundert gilt als berühmtester Automat der Welt. Das Paderborner HNF will seinen Nachbau am 25. März der Öffentlichkeit präsentieren.

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Von
  • Peter Schmitz

Das Paderborner Heinz-Nixdorf-Museums-Forum (HNF) hat den "Schachtürken" aus dem 18. Jahrhundert, der als berühmtester Automat der Welt gilt, erfolgreich nachgebaut und will ihn am 25. März der Öffentlichkeit vorstellen.

Ein Hauch von Geheimnis umweht bis heute das Vorbild, das Wolfgang von Kempelen 1770 in Wien vorstellte. Chess.at liefert eine sehr informative und eingehende Abhandlung darüber (Vorsicht, ladezeitintensive Bilder). Der Apparat, der mehrere Jahre lang in Europa und Amerika für Aufsehen sorgte, hatte die Gestalt einer lebensgroßen sitzenden Türkenfigur an einem geschlossenen, kastenförmigen Schachtisch. Ein kompliziertes mechanisches Werk sorgte dafür, dass die Figur die Schachfiguren heben und Züge ausführen konnte. Das Aussehen des "Türken" und die Art seiner Bewegungen müssen auf die Zeitgenossen einen sehr gruselig-faszinierenden Eindruck gemacht haben, und das Geheimnis seiner Konstruktion blieb über siebzig Jahre ungelöst. Es gab vielfältige Spekulationen über seine Funktionsweise. Der mechanische Schachspieler, der als Vorläufer moderner Roboter gilt, besaß tatsächlich keine künstliche Intelligenz, sondern war Bestandteil eines ausgeklügelten Tricks. Zu seiner Zeit entfachte der "Türke" allerdings eine eingehende Diskussion über maschinelle Intelligenz. Konnte eine Maschine dem Menschen bei einer geistigen Aufgabe überlegen sein? Dieser Aspekt baut für die Fachleute des HNF eine Brücke zu heutigen Fragestellungen angesichts der Fortschritte in Informatik und Robotik.

Der ursprüngliche "Türke" saß beim Schachspiel Gegnern wie Kaiserin Maria Theresia, Napoleon Bonaparte, Benjamin Franklin und Edgar Allan Poe gegenüber, bevor er schließlich im Jahre 1854 im Chinesischen Museum, einer Kuriositätensammlung in Philadelphia, USA, verbrannte. Es blieben keine Konstruktionsunterlagen oder andere Hilfen erhalten. Im 19. Jahrhundert fertigte John Gaughan, ein Requisitenbauer für professionelle Zauberer aus Los Angeles, einen Nachbau des "Türken" an. Für die Rekonstruktion der Maschine, die Kempelen einmal in nur sechs Monaten angefertigt hatte, benötigte der Amerikaner 18 Jahre. Die Forscher und Konstrukteure des HNF brauchten für ihre Rekonstruktionsarbeit etwas über ein Jahr. Der Apparat soll nun erstmals nach 150 Jahren wieder in Europa beim Schachspielen zu erleben sein.

Zur Präsentation, die am Donnerstag, 25. März, um 19 Uhr im HNF (Fürstenallee 7, Paderborn) stattfinden wird, haben die Veranstalter einen begleitenden Vortrag von Prof. Dr. Ernst Strouhal, Wien, zu "einem der spannendsten Kapitel der Schachgeschichte" angekündigt. Der Eintritt zu dem Event ist frei. (psz)