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Hello Mike, hello Robert, goodbye Joe: Zum Tode von Joe Armstrong

Armstrong war Informatikpionier und Menschenfreund: "Entwickler machen immer Fehler und wir können das nicht verhindern. So müssen wir mit ihnen zurechtkommen."

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(Bild: Måns Sandström from Stockholm, Sweden [CC BY 2.0])

Im Alter von 68 Jahren ist der britische Informatiker Joe Armstrong am Samstag an den Folgen einer Lungenfibrose gestorben. Zusammen mit Robert Virding und Mike Williams entwickelte er bei Ericsson ab 1986 die Programmiersprache Erlang und mit ihr die Open Telecom Platform (OTP). Danach promovierte er 2003 mit einer programmatischen Arbeit zum Einsatz von Erlang: "Making reliable systems in the presence of software errors." Als Informatiker lehrte Armstrong bis zu seiner Emeritierung an der Königlich-Technischen Hochschule in Stockholm und forschte auf dem Gebiet fehlertoleranter verteilter Systeme. Bis zu seinem Tode hielt Armstrong Vorträge zum Stand der Informatik.

Joe Armstrong wurde am 27. Dezember 1950 in Bournemouth geboren. Während seines Physikstudiums wechselte er in die Informatik und beschäftigte sich als Mitarbeiter des Turing-Schülers Donald Michie an der Universität Edinburgh mit den Problemen künstlicher Intelligenz, bis die Förderung dieser Informatik-Sparte nach einem desaströsen Gutachten von der britischen Regierung eingestellt wurde. Später arbeitete Armstrong in Schweden in der Atmosphären-Forschung und wechselte schließlich in die Forschungslabors von Ericsson. Ab 1986 entstand hier nach dem Vorbild von Prolog (PDF-Datei) die Programmiersprache Erlang, entwickelt für den Einsatz in großen digitalen Telekommunikationsanlagen. Mit Erlang. The Movie versuchten Armstrong, Virding und Williams, die Eigenheiten und Vorzüge von Erlang zu erklären. Später lieferte Armstrong im Jahre 2003 mit seiner Doktorarbeit die Grundlagen nach.

Der Kultfilm macht zumindest deutlich, warum sich das seit 1998 als Open Source Software verfügbare Erlang als funktionale Sprache auch in kommerziellen Anwendungen durchsetzen konnte. Der prominenteste Fall dürfte WhatsApp sein, was Joe Armstrong in einer Mail mit seinem typischen Humor so kommentierte: "Wir denken immer, wie fantastisch all die Geschichten sind, was ihr Leute alles mit Erlang macht. (Ich sage wir, weil das Erlang, was Sie jetzt benutzen, das Produkt der Arbeit vieler fantastischer Leute ist). Ich bin nur der Dumme, der die Bücher geschrieben hat und das Ganze gestartet hat. Ich saß einmal und hörte Brian Acton zu, der WhatsApp gründete und damit 3,5 Milliarden Dollar machte und dachte dann 'ich habe dieses Zeug erfunden' – was ein ganz tolles Gefühl ist – und sie gaben mir ein T-Shirt."

Seinen Humor und seine legendäre Hilfsbereitschaft, anderen Informatiker die Grundzüge seiner Ideen zu erklären, sind in zahlreichen Vorträgen erhalten. Als Beispiel sei The Mess We're in genannt, in dem er ein Schwarzes Loch als den ultimativen Laptop vorstellt. Seinen letzten öffentlichen Auftritt hatte Joe Armstrong auf der GOTO Konferenz 2018.

The Mess We're in

[Update 22.4.2019 12:00 Uhr:] Altersangabe korrigiert. (tiw)