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Hersteller des Werbeblock-Browsers Brave kontert Anschuldigungen von Zeitungsverlagen

Brave ist ein Browser, der Werbung durch weniger und sichere andere Werbung ersetzt. Die Newspaper Association of America hat das Konzept hart kritisiert. Nun hat der Browser-Hersteller die Anschuldigungen erwidert.

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Anfang des Jahres stellte der ehemalige Chef der Mozilla Foundation und Schöpfer von JavaScript Brendan Eich unter dem Namen Brave ein neues Web-Browser-Konzept vor. Brave soll nicht nur die meiste Werbung von Webseiten entfernen, sondern auf einigen Werbeplätzen eigene Werbung einblenden, die die Nutzerdaten nicht trackbar macht. Dieses Konzept stößt bei vielen Zeitungsverlagen nicht nur auf heftige Kritik, sondern wird zugleich auch als gesetzwidrig bezeichnet, da Brave Software mit den ersetzten Anzeigen Geld verdient.

Braves Plan, seinen Kunden zu erlauben, Bitcoin-Spenden für die Verlage zu tätigen, und auch selbst den Verlagen einige, nicht näher spezifizierte Prozente des Umsatzes aus dem Verkauf der Anzeigen zukommen zu lassen, kann nach Ansicht der Newspaper Association of America (NAA) nicht im Ansatz die Verluste ausgleichen, die sie in die Arbeit hineinstecken, um eigene Werbung zu akquirieren. Sie wollen nicht an diesem Brave-System teilnehmen. Nun hat Brave Software gegen diese Anschuldigungen Stellung bezogen.

Die NAA habe Brave grundsätzlich falsch verstanden: Brave sei kein Feind sondern die Lösung der Anzeigenmisere und des Problems, das herkömmliche Adblocker verursachen würden. Zudem seinen die Anschuldigungen der NAA gegen Brave Software grundlegend falsch.

So sei die Behauptung falsch, Brave würde die Inhalte von Verlagen für eine "nicht autorisierte Wiederveröffentlichung" nutzen, wenn es Anzeigen blocke und teilweise ersetze. Brave vertritt hingegen den Standpunkt, dass ein Browser nur ein Werkzeug ist, das Inhalte von Anbietern – egal ob es sich um redaktionelle Nachrichten und Geschichten oder um Anzeigen handle – für den Nutzer zusammensetzt. Browser können blockieren, neu anordnen, vermischen und Inhalte von beliebigen anderen Quellen einbinden. Sie bieten aber nicht neu an, sie verteilen nicht, sie verkaufen nicht, sie arbeiten nur auf dem Computer, auf dem sie installiert sind. Würde Brave Inhalte "neu veröffentlichen", dann täten es auch alle anderen Browser mit installierten Adblockern, Safari im Reader-Modus, Links Nor-Text-Browser oder gar Bildschirmlesegeräte für Menschen mit Sehschwäche.

Eine weitere falsche Behauptung der NAA sei, dass Brave nur einen "nicht spezifizierten Prozentsatz der Einnahmen" aus neu verkauften Anzeigen teilen will. Bereits im Januar sei aber schon ein Diagramm veröffentlicht worden, aus dem klar hervorgeht, dass Brave Software die Webseitenbetreiber mit bis zu 70 Prozent der Einnahmen beteiligen will; weitere 15 Prozent sollen an die Nutzer verteilt werden und die letzten 15 Prozent bleiben bei Brave.

Zudem teile man wie bei Brave die Besorgnis über die Schäden, die reine Adblocker verursachen. Man verfolge mit dem zusätzlichen Anzeigenkonzept einen soliden Plan. Es gehe bei der Blockade in erster Linie um Anzeigen, die beim Nutzer Schaden anrichten können oder sein Benutzerverhalten ausspionieren. Diese sollen durch weniger und solche ersetzt werden, die die Privatsphäre besser schützen.

Zum Schluss ruft Brave die NAA dazu auf, mit ihnen in den Dialog zu treten um eine Win-Win-Lösung zu entwickeln. Letztendlich ginge es darum, den Kunden ein besseres und vor allem sicheres Angebot zu bieten, das missbräuchlichen Umgang mit Werbung ausschließe. (pen)