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Hessischer Datenschutzbeauftragter kritisiert die Schufa

Datenschutz, Netzwerk, Sicherheit

(Bild: United States Department of State)

Der hessische Datenschutzbeauftragte Michael Ronellenfitsch stellt in seinem aktuellen Tätigkeitsbericht eine allgemeine Sorglosigkeit im Umgang mit persönlichen Daten fest. Beschwerden gebe es vor allem zu Auskunfteien und Facebook.

Trotz der "großen Aufmerksamkeit", den der Datenschutz seit dem NSA-Skandal und dem Google-Urteil[1] zum "Recht auf Unauffindbarkeit" genießt, geht ein "Gutteil der Bevölkerung recht sorglos mit den eigenen Daten um". Dies konstatiert der hessische Datenschutzbeauftragte Michael Ronellenfitsch in seinem am Dienstag veröffentlichten Tätigkeitsbericht für 2014[2] und hat dabei vor allem soziale Netzwerke wie Facebook im Visier.

Insgesamt ist die Zahl der Eingaben und Ersuchen bei der Behörde im Berichtszeitraum im Vergleich zum Vorjahr mit 7143 dokumentierten Fällen gleichbleibend hoch geblieben. Die mit Abstand meisten Beschwerden richteten sich auf die Bereiche Auskunfteien und Inkassofirmen, Videoüberwachung[3] sowie elektronische Kommunikation und Internet.

Konkret beklagten sich zahlreiche Bürger etwa über Scorewerte der Schufa[4], aus denen sich Aussagen über die Kreditwürdigkeit der Betroffenen ablesen lassen. Die hessischen Datenschützer haben daher verstärkt geprüft, ob die statistischen Berechnungen im Einklang mit den gesetzlichen Vorgaben erfolgten. Bei der rein formalen Kontrolle stellten sie keine Mängel fest. Ronellenfitsch kritisiert aber das "Auskunftsverhalten der Schufa”. So verwende die Auskunftei zwar "das Speicherdatum von Merkmalen" fürs Scoring, habe dies den Betroffenen aber nicht mitgeteilt. Er habe dies moniert, sodass die Schufa die Auskunft inzwischen um dieses Datenfeld erweitert habe.

Ein weiteres Sorgenkind Ronellenfitschs sind Krankenhausinformationssysteme geblieben. Die geprüften Kliniken hätten bei den Zugriffsberechtigungen zwar mittlerweile nachgebessert und ein differenziertes Rollenkonzept erstellt. Problematisch sei jedoch nach wie vor die effiziente Kontrolle und Protokollierung von Zugriffen auf die Datenbanken.

Ronellenfitsch sorgt sich zudem um Patientenakten bei Krankenhäusern, die insbesondere wegen Insolvenz dicht gemacht würden. Aktuelle Fälle hätten gezeigt, dass sich niemand für die sensiblen Informationen verantwortlich gezeigt habe. Hier seien neue gesetzliche Regeln in Betracht zu ziehen. Weitere Schwerpunkte des Berichts stellen Wildkameras im Wald[5], vernetzte Autos als Datenschleudern[6], überneugierige Meldebehörden, der Einsatz von Body-Cams bei der Polizei[7] und überwachte Firmenmitarbeiter dar. (Stefan Krempl) / (vbr[8])


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Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/meldung/Ein-Jahr-Recht-auf-Vergessen-Google-und-Forscher-ziehen-Bilanz-2651261.html
[2] https://www.datenschutz.hessen.de/tb43inhalt.htm#entry4303
[3] https://www.heise.de/meldung/Datenschuetzer-beklagen-Wildwuchs-bei-Videoueberwachung-2167035.html
[4] http://www.heise.de/ct/ausgabe/2015-6-Probleme-mit-der-Datenbereinigung-bei-der-Schufa-2551206.html
[5] https://www.heise.de/meldung/Datenschutz-im-Wald-Immer-mehr-Wildkameras-erfassen-Waldspaziergaenger-2182616.html
[6] https://www.heise.de/meldung/Justizminister-plaediert-fuer-mehr-Datenschutz-bei-vernetzten-Autos-2749318.html
[7] https://www.heise.de/meldung/Body-Cams-Big-Brother-fuer-Polizisten-oder-fuer-Buerger-2063280.html
[8] mailto:vbr@ct.de