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Heulen und Klappern mit der elektronischen Gesundheitskarte

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Die anhaltenden Verzögerungen beim Rollout der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) sorgen im Verein mit der beginnenden Rezession dafür, dass die Stimmung bei den Zubehörherstellern kurz vor der Medica nicht besonders gut ist. Die deutsch-amerikanische SCM Microsystems, ein Hersteller von Lesegeräten, meldet in ihrem jüngsten Quartalsbericht geringere Erlöse und ein reduziertes Umsatzziel für 2008, das zudem nur erreicht werden kann, wenn die eGK noch in diesem Jahr eingeführt wird.

Im Einzelnen heißt es im Quartalsbericht von SCM Microsystems, dass man nunmehr einen Jahresumsatz von 27 bis 30 Millionen Dollar erwartet. Im Sommer ging die Firma von 32 bis 35 Millionen aus. Aber auch die nunmehr ausgegebene Prognose steht auf wackeligen Beinen: "Die Obergrenze der Prognosen ist abhängig von der Einführung der elektronischen Gesundheitskarte in Deutschland – sollte diese noch vor Ende des Jahres beginnen und sollten größere Mengen der eHealth-Terminals von SCM im vierten Quartal ausgeliefert werden," heißt es im Bericht.

Damit ist allerdings kaum zu rechnen. Zwar drängt das Bundesgesundheitsministerium darauf, dass zur Medica in der kommenden Woche die Geräte- und Installationspauschalen bekannt gegeben werden, die an die Ärzte beim Kauf von neuen Lesegeräten gezahlt werden sollen. Doch die Ärzteschaft weigert sich bislang, dieser politisch bestimmten Hauruck-Lösung zuzustimmen, bei der von den Herstellern genannte geplante Richtpreise zur Ermittlung der Pauschalen herangezogen werden. Ursprünglich sollten die Preise von vier auf dem Markt befindlichen Lesegeräten genommen werden. Da die Mindestzahl von vier Geräten nicht mehr im Jahr 2008 erreicht wird, startet der Rollout 2009.

Nicht nur SCM Microsystems hat mit den widrigen Bedingungen auf dem eGK-Markt Probleme. Ein weiterer Hersteller von eGK-Lesegeräten, die mittelständische Berliner Firma Celectronic, wurde von der EL-ME AG übernommen.

Aus dieser verfahrenen Situation versucht die Firma KoCo Connector Kapital zu schlagen. Sie bietet ein KVKplus genanntes günstiges Lesegerät an, das die eGK-Daten auslesen und in die herkömmlichen KVK-Daten umwandeln kann. Dieses Verfahren ist allerdings nicht zertifiziert, sondern eine Eigenentwicklung der Firma. Der günstige Preis für das KVKPlus-Gerät ist zumindest für die Ärzte in der "Durchstichregion" Nordrhein uninteressant, weil sie nur dann die Pauschalen erhalten, wenn sie den Kauf und die Installation eines eHealth-BCS-Terminals nachweisen können. In anderen KV-Regionen sind die Regelungen offenbar laxer, allerdings weisen dort die Kassenärztlichen Vereinigungen darauf hin, dass der Arzt nur einmal die Pauschale in Anspruch nehmen kann. (Detlef Borchers) / (pmz)

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