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Hewlett-Packard zieht bei WebOS-Geräten den Stecker

Anfang nächsten Jahres schaltet HP die Cloud-Dienste für WebOS-Geräte ab. Damit werden Pres und Touchpads zwar nicht sofort funktionsunfähig, aber zentraler Dienste beraubt. So endet ein Kapitel Technikgeschichte.

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Der US-Computerhersteller Hewlett-Packard wird die Clouddienste für WebOS-Geräte planmäßig am 15. Januar 2015 abschalten. Damit werden noch aktive Smartphones und Tablets mit dem von Palm entwickelten System zwar nicht sofort funktionsunfähig, betroffen sind aber zentrale Funktionen des Systems wie der App Store.

So können nach dem Stichtag keine Anwendungen mehr heruntergeladen und installiert werden. Auch lassen sich keine Backups von Smartphones oder Tablets mehr speichern oder einspielen. Neue Geräte – die es zum Beispiel bei eBay immer noch gibt – lassen sich dann nicht mehr einrichten. Passworthilfen sind dann ebenfalls nicht mehr erhältlich.

Mit dem Abschalten der Server schließt HP ein trauriges Kapitel Technikgeschichte, das im Frühjahr 2009 voller Hoffnung begonnen hatte. Der damals schon schwer angeschlagene Smartphone-Veteran Palm hatte alles auf eine Karte gesetzt: Das vollständig neu entwickelte Betriebssystem namens WebOS. Mit einem schnuckligen kleinen Smartphone namens Pre sorgte Palm auf der CES und dem Mobile World Congress für Furore.

Palm und WebOS (7 Bilder)

Mit dem Pre und WebOS sorgte Palm noch einmal für Aufsehen.

Leider erwies sich der Hoffnungsträger nicht als stark genug, um den kriselnden Hersteller zu retten. Trotz guter Kritiken für WebOS verkaufte Palm nicht genug Smartphones, um wieder auf die Beine zu kommen. Dazu dürfte auch die für damalige Verhältnisse schwache Hardware beigetragen haben. Das Unternehmen brachte noch die zweite Gerätegeneration Pre Plus und Pixi Plus auf den Markt, dann wurde es richtig eng.

Auftritt Hewlett-Packard. Der PC-Riese sah die Chance, seine Position auf dem wachsenden Smartphone-Markt zu stärken, und übernahm Palm im April 2010 für 1,2 Milliarden. Unter HP kamen WebOS 2.0 und das Pre 2 sowie einige WebOS-Tablets namens Touchpad auf den Markt. Kurz nachdem der Hersteller im August 2011 das Pre3 angekündigt hatte, hatte HP-CEO Léo Apotheker seinen "entscheidenden Moment".

Apotheker wollte HP in einen Softwarekonzern umbauen und stellte das traditionelle PC-Geschäft sowie die Mobilgerätesparte zur Disposition. In dem folgenden Chaos kamen WebOS und Palm unter die Räder. Zwar wurde der CEO schnell vom Hof gejagt, doch sah sich seine Nachfolgerin Meg Whitman nicht genötigt, neben dem PC-Geschäft auch die Mobilsparte aus den von Apotheker hinterlassenen Trümmern zu bergen. Die Entwickler mussten gehen, WebOS wurde Open Source und fristet sein Dasein heute auf Smart-TVs von LG. Und vielleicht gibt es noch ein Wiedersehen auf einer Smartwatch der Koreaner. (vbr)