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Hibernia Express: Erstes neues Transatlantik-Kabel in 12 Jahren

Die besonders kurze Latenz von knapp unter 60 ms zwischen New York und London ist für High Frequency Trader attraktiv. Schon ein minimaler Tempovorteil kann mit der Zeit Millionengewinne bescheren.

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Warntafel "Underwater Cable" mit Leuchtturm

Das Bild zeigt die Landungsstelle eines Unterwasserkabels auf Isle Madame, Neuschottland.

(Bild: Daniel AJ Sokolov)

Zum ersten Mal seit über zwölf Jahren bekommt die Welt ein neues Transatlantikkabel. Es heißt Hibernia Express und soll im September in Betrieb gehen. Ein Teil der sechs Faserpaare ist auf besonders geringe Latenz optimiert, was vor allem für High-Frequency-Börsenhändler wertvoll ist. Für sie entscheiden Sekundenbruchteile über Gewinn oder Verlust.

Hibernia-CEO Bjarni Thorvardarson vor dem Erkundungsschiff Coriolis II im Hafen von Halifax.

(Bild: Hibernia)

Das Kabel soll in Kürze an seinem westlichen Ende in Halifax, Neuschottland, an Land kommen. Von dort bestehen bereits Leitungen nach New York City. Diese Woche erreichte Hibernia Express bereits seine irische Landungsstelle in Cork. Dritter Endpunkt wird Slough nahe London sein.

Den Betreiberangaben zu Folge soll die geringstmögliche Latenz auf der Gesamtstrecke von New York nach London einen Hauch 59,5 ms betragen. Das sei "unschlagbarer" Rekord. Das Capacity Magazine schätzt die Investitionskosten auf ungefähr 300 Millionen US-Dollar.

Von London aus bietet Eigentümer Hibernia Networks Verbindungen zu den großen Internet Exchanges auf dem Festland, Amsterdam, Frankfurt und Paris. Die Übertragungskapazität von Hibernia Express wird zu Beginn 100 Gbit/s betragen. Sie könnte auf mehr als 53 Tbit/s ausgebaut werden.

Das wäre ein Vielfaches der derzeit Transatlantikverkehr genutzten Bandbreiten. Allerdings haben auch die bestehenden Unterseekabel erhebliche Kapazitätsreserven, insbesondere wenn man die eingesetzten Lichtmultiplexer auf 100 Wellenlängen zu je 100 Gbit/s upgradet. Ein Teil der Hibernia-Express-Fasern soll darauf schon vorbereitet sein.

Hibernia Express hätte eigentlich bereits 2013 eingeschaltet werden sollen. Damals sollte Huawei Marine Networks die Unterseekabel bauen. Doch fiel Huawei in den USA aus politischen Gründen in Ungnade. Hibernia musste zum Anbieter TE Subcom wechseln, der von den USA aus geleitet wird.

Mit Hibernia Atlantic hat die US-Firma Hibernia Networks bereits ein Unterseekabel. Es wurde 2000 für 360networks errichtet. Doch diese Firma musste 2001, etwa ein Jahr nach ihrem Börsengang, Ausgleich anmelden und unter anderem ihr Transatlantikkabel verkaufen. Hibernia Networks griff zu.

Selbst mit Katzencontent wird das Internetz nicht voll.

(Bild:  Frau Mahlzahn )

Das bislang jüngste Kabel zwischen Europa und den Amerika-Kontinenten heißt Apollo und ging 2003 in Betrieb. Es gehört Vodafone und Alcatel-Lucent, welches bald von Nokia übernommen wird. Ebenfalls 2003 ging auch bei dem 2000 errichteten Hibernia Atlantic das Licht an. 2009 folgte mit Greenland Connect eine weitere neue Verbindung, doch erreicht sie an keiner Seite das Festland: Sie verbindet Grönland mit Island einerseits und Neufundland andererseits.

Ansonsten tat sich im Atlantik zwölf Jahre lang wenig. Die bestehenden Kabel haben erhebliche Kapazitätsreserven; die Lichtmultiplexverfahren werden immer effizienter, und Content Delivery Networks haben das Wachstum der Datenmengen geringer ausfallen lassen, als erwartet. Die Trafficpreise fielen.

Dennoch hätte ab Dezember vergangenen Jahres das Unterseekabel Emerald Express Irland und Island mit Nordamerika verbinden sollen. Doch das Projekt konnte nicht ausfinanziert werden. Eine neue Firma, AquaComms, übernahm. Das Kabel wird nun AEConnect heißen und soll ab Dezember diesen Jahres zwischen Irland und New York verlaufen.

Ab Dezember 2016 soll dann bei Arctic Fibre das Licht an gehen. Im Endausbau soll es die kanadische Arktis Richtung Westen mit Alaska, dem US-Staat Washington und Japan, sowie Richtung Osten mit Großbritannien verknüpfen. Für 2018 ist schließlich die Inbetriebnahme von eulaLink angekündigt. Es soll Portugal und Brasilien verbinden. (ds)

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