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Technology Review

Hindernisse für Metalle aus der Tiefsee

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Während die Öl-Industrie darüber nachdenkt, wie man die Offshore-Förderung sicherer machen kann, arbeiten Wissenschaftler und Unternehmen mit Hochdruck daran, auch seltene Metalle aus der Tiefsee zu fördern. Doch die Ausbeutung der Tiefsee erweist sich als schwieriger als zunächst gedacht, berichtet Technology Review in seiner aktuellen Ausgabe (seit dem 24. 6. am Kiosk oder portokostenfrei online hier zu bestellen).

Seit 2002 haben sich die weltweiten Ausgaben für die Tiefsee-Exploration auf mehr als 13 Milliarden Euro versechsfacht. Im Unterschied zu den 1970er-Jahren, als man schon einmal die industrielle Erschließung der Tiefsee testete, scheint es nun ernst zu sein. Gold, Kobalt, Kupfer, Molybdän, Neodym oder Indium – all das ist in der Tiefsee reichlich vorhanden und für die moderne Elektronik unverzichtbar. "Anders als in den Siebzigern ist eine Metallknappheit eine realistische Aussicht", sagt Johannes Post vom Meerestechnikunternehmen Hydromod Service GmbH aus Hannover, Co-Autor einer neuen Studie für das Bundeswirtschaftsministerium zur Erschließung der Meeresressourcen.

Allein in der "Clarion-Clipperton-Zone", einem Gebiet 4000 Kilometer westlich von Mexiko, das Deutschland von der Internationalen Meeresbodenbehörde lizenziert hat und das etwas größer als Bayern ist, lagert in Knollen auf dem Meeresboden 50-mal so viel Kobalt wie weltweit pro Jahr verbraucht wird. Hauptbestandteile der Knollen sind Mangan und Eisen, sie enthalten jedoch auch in geringeren Mengen Kupfer, Nickel, Aluminium und Titan.

Auf den ersten Blick scheint es recht einfach, diese Knollen vom Meeresboden zu ernten. Der Transport zum Mutterschiff könnte in einem sogenannten Airlift erfolgen, wie er bereits bei der Offshore-Förderung von Diamanten vor der Westküste Afrikas eingesetzt wird. In ein bis zu 60 Zentimeter breites Gestängerohr wird ein Stück über dem Meeresboden Druckluft aus einer Versorgungsleitung eingepumpt, sodass Luftblasen in der Röhre aufsteigen. Dadurch verringert sich das Gewicht des Wasservolumens im Rohr – ein Unterdruck entsteht, der Sand und Gestein am offenen Rohrende einsaugt und bis an die Meeresoberfläche befördert.

Ganz problemlos ist das Verfahren jedoch nicht. Denn mit den Manganknollen wird auch jede Menge Sediment vom Meeresboden angesaugt. Es mit an Land zu transportieren wäre wenig wirtschaftlich, es über Bord zu werfen ökologisch hochproblematisch: In den obersten 1000 Metern Meeresschicht würden die feinen Körner der Meeressedimente das Plankton schädigen, das den Anfang mariner Nahrungsketten bildet. Auch am Grund würden die Kettenraupen von Erntemaschinen Sediment aufwirbeln, das die Filter vieler sogenannter Strudler – dazu gehören Krebse, Würmer und Muscheln – verstopft. Doch auch am Meeresboden selbst würden Sedimentwolken zu einem Problem: "Im Knollengürtel im Pazifik herrscht eine starke Bodenströmung. Das antarktische Bodenwasser fließt dort nach Norden, schon seit Zehntausenden von Jahren", sagt Peter Herzig, Direktor des IFM-Geomar. Diese Strömung würde die Sedimente in kurzer Zeit im gesamten Nordpazifik verteilen.

Auch die kommerzielle Ausbeutung so genannter "schwarzer Raucher" hat sich als schwierig erwiesen: In Papua-Neuguinea hatte die kanadische Firma Nautilus Minerals von der Regierung bereits eine Lizenz bekommen, um das so genannte Solvara-Feld abzubauen, dessen Erze mit einem hohen Goldanteil locken. Nautilus plant, ein Abbaugerät auf Stelzen zu verwenden. Der Abbau selbst sollte mit rotierenden Fräsköpfen erfolgen. Eigentlich wollte Nautilus schon in diesem Jahr loslegen. Doch die Finanzkrise und Bedenken von Umweltorganisationen machten dem kanadischen Projekt einen Strich durch die Rechnung. Nautilus stornierte vorläufig die Bestellung des Fördergeräts bei SMD und ließ ein Umweltgutachten anfertigen. Denn an den aktiven Schloten hat man komplexe Lebensgemeinschaften entdeckt, deren Bedeutung für die marinen Ökosysteme, aber auch für die Biodiversität der Meere nicht unterschätzt werden darf. "Nautilus hat daraufhin zugesagt, nur die erkalteten, inaktiven Schlote abzubauen", weiß Ozeanograf Johannes Post von Hydromod. Nun will das Unternehmen 2012 starten. (wst)