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Hintergrund: Mobile Suche entfacht Goldgräberstimmung bei Google

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Die Suche im Internet von mobilen Endgeräten aus "ist dort, wo die Desktop-Suche 1999 war", meinte Googles Chief Business Officer Nikesh Arora in der Donnerstagnacht (Ortszeit) in einer Telefonkonferenz mit Analysten. Das Wachstum sei groß, die Zukunft rosig und die gesamte Branche versuche herauszufinden, wie damit am Besten Geld zu verdienen sei. Kurz zuvor hatte Google sein Quartalsergebnis veröffentlicht, das auch die ersten 40 Tage seit der Übernahme von Motorola Mobility beinhaltet.

Die Daten zeigen, dass Google kein Problem mit dem Geld verdienen hat. Obwohl die Übernahme von Motorola 12,5 Milliarden Dollar gekostet hat, saß Google zum Stichtag 30. Juni noch immer auf einem Geldberg von 43,1 Milliarden Dollar. Das sind nur 1,5 Milliarden weniger als zu Jahresbeginn. Rechnet man andere kurzfristig nutzbare Vermögenswerte hinzu, ist der greifbare Geldberg sogar von 52,8 auf 53,9 Milliarden Dollar gewachsen.

Die Aktionäre sollen davon aber nichts bekommen. Weder echte Dividenden noch stille Ausschüttungen in Form von Aktienrückkäufen sind geplant, würden aber regelmäßig auf Sinnhaftigkeit überprüft. Doch CFO Patrick Pichette betont: "Unsere Bargeldreserve ist ein strategisches Asset." So sei etwa Motorola Mobility leicht zu kaufen gewesen. Anders ausgedrückt: Mit Geld lebt es sich leichter.

Was Google nun genau mit Motorola Mobility vorhat, ist weiter offen. Entsprechende Nachfragen der Finanzanalysten blieben mit dem Hinweis unbeantwortet, dass Googles Dennis Woodside erst seit einigen Wochen das Ruder von Motorola Mobility führe. Derzeit werde jedes einzelne Betätigungsfeld der Endgerätefirma genau überprüft.

Motorola ist aber nur ein Stein im Puzzle von Googles Mobil-Strategie. Bekanntester Baustein ist das Android-Betriebssystem, das derzeit eine Million neu aktivierter Geräte pro Tag verzeichnet. Mit der Firma Admob, die auf Werbung auf mobilen Geräten spezialisiert ist, wurde vor zwei Jahren ein weiteres Puzzlestück gekauft. Auch in Spracherkennung hat der Datenkonzern viel investiert, denn nicht jedermann tippt gerne am Handy herum. Und mit Initiativen wie GoMo versucht Google, Unternehmen (lies: prospektiven Werbekunden) bei der Gestaltung mobiler Webangebote zu helfen.

In Deutschland und einigen anderen Ländern soll sich die Zahl der mobilen Google-Werbekunden in weniger als einem Jahr verdoppelt haben. Weltweit sind die Clicks auf Werbeanzeigen aus dem Hause Google im Jahresabstand um 42 Prozent nach oben geschnellt. Dabei ist der erzielte Preis pro Click um vergleichsweise moderate 16 Prozent gefallen und gegenüber dem ersten Quartal 2012 sogar um ein Prozent gestiegen.

Wie viel des Zuwachses von 42 Prozent auf mobile Nutzung entfallen verrät Google nicht. Aber die zunehmende Nutzung von Handys und Tablets führe in Summe zu einem Mehr an Suchanfragen (und damit wohl auch Clicks auf Werbeanzeigen), verriet Googles Werbechefin Susan Wojcicki. Nur ein geringer Anteil der Suchen wandere vom PC zu Handy oder Tablet. Insbesondere an Wochenenden, wenn die User vermehrt unterwegs seien, steige die mobile Suche deutlich an. Am Montag gewinne wieder die Suche vom (Büro-)Desktop an Bedeutung.

Handys und Tablets sollen aber nicht das Ende der Fahnenstange bei Google bilden. Kraftfahrzeuge von Audi und Tesla sollen zukünftig mit Google Earth am Bordcomputer ausgeliefert werden. Und der Konzern kann es sich leisten, laufend ein paar "Schüsse ins Blaue" zu versuchen. Wojcicki verteidigte prominente, riskante Ansätze wie Google Glass oder selbststeuernde Autos gegenüber den Analysten: Diese Projekte "haben nur wenige Mitarbeiter, können aber groß werden."

Zu den aktuellen Quartalszahlen von Google siehe:

(jk)

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