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Hintergrund: Paypal setzt auf Komfort - und auf Datensammlung

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Paypal will den etablierten Plastikgeld-Anbieter Marktanteile abjagen. Online gelingt das schon, bei Zahlungen vor Ort, etwa in Ladengeschäften und Restaurants, soll es nächstes Jahr losgehen. Verbraucher werden mit höherem Komfort gelockt, Unternehmer sollen mit Zeit- und Datengewinn überzeugt werden. Abstriche bei Ausgabenkontrolle und Datenschutz sind Teil der Gleichung.

Technisch verfolgt Paypal zwei Ansätze: Gesichtserkennung und Bluetooth, jeweils in Kombination mit Handy-Apps. Für das Marketing schnappt sich die Firma einen von Social-Media-Diensten bekannten Begriff: Das "Einchecken". Doch hat Einchecken mit Paypal ganz andere Auswirkungen, als etwa Einchecken mit Foursquare. Einchecken mit Paypal wird zwar nicht online herausposaunt; dafür öffnet der Kunde sein Konto für allfällige Belastungen.

Paypal bereitet kleine Bluetooth-Leuchttürmchen (Beacons) vor, die Ladenbetreiber in ihre Computer stecken sollen. Diese Beacons kommunizieren über Bluetooth mit den Handys der Paypal-User. Paypal ist Partnerschaften mit vielen Anbietern von Point-of-Sale-Systemen eingegangen, so dass der Ladenbetreiber seine Kasse häufig ohne Wechsel des Anbieters aufrüsten kann.

Diese Sticks, Beacons genannt, nehmen per Bluetooth Verbindung zu Kunden-Smartphones auf.

(Bild: Paypal)

Der Verbraucher muss auf seiner Paypal-App nur einmal bei dem jeweiligen Geschäft "einchecken" und dem zukünftigen automatischen Einchecken zustimmen. Sodann löst jeder weitere Besuch Informationsaustausch aus: Auf dem Kassensystem werden Name, Foto und frühere Einkäufe des soeben eingetroffenen Kunden angezeigt. Die Zielperson kann persönlich begrüßt und beackert werden.

Nach dem Einchecken kann der Verkäufer das Paypal-Konto der Kundschaft ohne weitere Interaktion belasten. Das wird als großer Komfortgewinn angepriesen, was es auch ist. Bargeld ist umständlich, und Plastikgeld muss der Kunde zumindest an einem Lesegerät vorbeiwinken. Beim "Einchecken" fällt das alles weg.

In Paypals kalifornischem Entwicklungslabor wird etwa der Kauf von E-Gitarren und Verstärkern als Beispielfall simuliert. Der arme Musiker hat dabei so viel zu tragen, dass er keine Hand fürs Bezahlen frei hat. Dank Eincheckens braucht er auch keine Hände. Er geht einfach und erhält eine elektronische Quittung. Dem Ladenbesitzer winkt Zeitgewinn an der Kasse. Gerade dort ist Zeit Geld.

Dass der Kunde dabei weniger Kontrolle über seine Ausgaben hat, wird die Unternehmer nicht stören. Zusätzlich gewinnen sie umfangreiche Daten: Da der Kunde persönlich identifiziert wurde, sind seine bisherigen Einkäufe bekannt. Sofort können Algorithmen maßgeschneiderte Angebote ausspeien. Die Verbraucher werden vielleicht sogar intensiver durchleuchtet als mit Kundenkarten. Denn auch wer vorbeischaut, ohne etwas zu kaufen, wird vom Beacon erfasst.

Und mit mehreren Beacons kann die Bewegung innerhalb des Ladens oder gar des gesamten Einkaufszentrums genau verfolgt werden. Durch die Analyse mehrerer Bewegungsmuster lässt sich zudem auf Beziehungen schließen, die in einer herkömmlichen Kundendatenbank unerkannt blieben. Ladenketten dürften solche "Einsichten" sehr interessant finden.

In Feldversuchen testet Paypal eine Lower-Tech-Version ohne Beacons mit menschlicher Gesichtserkennung. Dabei checkt der Nutzer manuell auf seiner App ein und der Verkäufer vergleicht das bei Paypal gespeicherte Foto mit dem physisch anwesenden Antlitz. Der nächste Schritt sind Kassensysteme mit automatischer Gesichtsanalyse. Dann fällt auch die Handy-App weg.

Es liegt auf der Hand, dass das alles nicht niet- und nagelfest ist. Doch das gilt bekanntermaßen auch für Plastikgeld. Es punktet bei Verbrauchern vor allem mit Komfort; die Anbieter gleichen einen Großteil der Betrugsschäden aus.

Paypal will das Plastikgeld auf seinem eigenen Terrain übertrumpfen und verspricht, Probleme mit dem berühmt-berüchtigten Paypal-Käuferschutz aus der Welt zu schaffen. Zwar werden die Abstriche bei der Sicherheit neue Herausforderungen für das Betrugsmanagement zeitigen. Doch wenn Geschäfte und Restaurants es schaffen, den Paypal-Eincheckern das Gefühl persönlicher Betreuung und toller Sonderangebote zu vermitteln, dürften Paypals Kassen bald öfter klingeln.

Denn zu viele Menschen lassen sich für kurzfristige Vorteile bereitwillig durchanalysieren. Den rationalen Konsumenten, der erkennt, wem die Datensammelei wirklich dient, gibt es in freier Wildbahn nicht. (Daniel AJ Sokolov) / (anw)

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