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Hintergrund: Sinn und Unsinn eines Börsenganges

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Wissen Bänker mehr als wir? Helmut Krüger, Investment-Manager bei der Gold-Zack AG aus Mettmann, lies sich auf der CeBIT in die Karten schauen – auf dem Euqity-World-Forum im Obergeschoss der Halle 18. Der Beteiligungsmanager, der außerdem Startups beim Gang an die Börse berät, referierte eine gute halbe Stunde lang über die größten Fehler der Newcomer – und natürlich darüber, wie man's nach seiner Ansicht richtig macht. Zuerst aber musste der geduldige Zuhörer eine Analyse der Börsenlandschaft vor dem März 2000 über sich ergehen lassen. Damals, so Krüger, seien Neuemissionen nichts anderes als bessere Pferdewetten gewesen, statt professionellen Managern leiteten eloquente Talkmaster die Unternehmen und die Führungsriege erinnerte mehr an "Jugend forscht" denn an erfahrenes Management. Recht hat der Mann, aber wirklich neu ist das nicht.

Derartiges Stochern im Nebel konnte ja nicht lange gut gehen. Die Sektlaune ist verflogen, und die Gefühlslage der Börsianer schwanke heute zwischen kollektiver Depression und blankem Entsetzen. Die Irrationalität treibe neue Blüten, selbst gute Nachrichten führten zu Ausverkäufen. Und Entwarnung könnte er, Helmut Krüger, leider auch noch nicht geben: "Die dramatische Trennung von Spreu und Weizen wird noch anhalten." Erste Unternehmen am Neuen Markt denken sogar über ein Delisting nach.

Aber ein Investment-Bänker wäre kein Bänker, wenn er die Zukunft der Börse nicht in rosigem Licht sähe. Denn die Vorteile eines Börsenganges liegen für Unternehmen auf der Hand: Aktien vergrößern das Eigenkapital, erweitern damit die unternehmerische Handlungsfreiheit und steigern auch den Bekanntheitsgrad der Firma, führt Krüger weiter aus. Als Kriterien für die Börsenreife, und hier wurde der Mann konkret, sollte man unter anderem auf ein nachweisbar erfolgreiches Geschäftsmodell und ein erfahrenes Management achten. Konkret heißt das: Noch im Jahr des Börsenganges, also längstens in zwölf Monaten, müsse die Gewinnschwelle erreicht werden, und als conditio sine qua non vor dem Griff nach der Aktie gilt ein Umsatz in zweistelliger Millionenhöhe. Außerdem müsse die Geschäftsidee einen echten Wettbewerbsvorteil bieten; Me-too-Kandidaten, die Ideen lediglich kopieren, bleiben demnächst außen vor.

Wissen Bänker mehr als wir? Eigentlich nicht, und wenn doch, dann sagen sie es uns nicht. Eine Prognose wagt Investmentbanker Krüger am Ende seines Vortrages dann doch noch: Die Boomphase damals sei genauso übertrieben wie das Blutbad der letzten Monate. Die Zukunft der Börse sehe rosig aus. Hätten Sie's gewußt? (ku)