Hintergrund: Wird BlackBerry noch einmal Smartphones herstellen?

Die Abkündigung von TCL sieht nach einem endgültigen Ende aus. Aber das ist noch nicht ausgemacht.

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(Bild: Volker Weber)

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Mit der Ankündigung von TCL, keine BlackBerry-Smartphones mehr herzustellen, endet ein wenig erfolgreiches Kapitel der bewegten Geschichte. BlackBerry hält sich jedoch noch ein Türchen offen.

Für drei Jahre hatte TCL die Markenrechte und die eigene Android-Distribution der Kanadier erworben. Dass diese Zusammenarbeit nicht fortgesetzt wird, war vergangenes Jahr bereits erkennbar. TCL kündigte nach dem Key2 LE keine weiteren Smartphones mehr an, die zunächst monatlichen Android-Updates kamen immer schleppender, das versprochene Update auf Android 9 blieb ganz aus. So verhält sich kein Hersteller, der längerfristig denkt. TCL hat einen Strategiewechsel eingeleitet. Statt alte Marken wie Alcatel, Palm oder eben BlackBerry zu nutzen, will das Unternehmen in Zukunft Smartphones unter eigenem Namen anbieten.

Für BlackBerry war TCL nützlich, weil es weiterhin BlackBerrys gab, ohne sie selbst herzustellen. Schon lange hatte BlackBerry CEO John Chen nach einer Möglichkeit gesucht, das verlustbringende Geschäft aufzugeben, um sich ganz auf Software konzentrieren zu können. So konnte BlackBerry weiter Geräte liefern oder besser liefern lassen, ohne sie selbst herstellen zu müssen. Mit den beiden Android-Geräten DTEK50 und DTEK60 übten die Unternehmen die Zusammenarbeit. Danach begann TCL selbst vier Geräte herzustellen. Zunächst den KEYone mit Tastatur, dann den Motion als reines Touchscreengerät. Dem KEYone folgte der Key2 und schließlich der einfachere Key2 LE. BlackBerrys Anliegen war, großen Kunden Flottengeräte liefern zu können, während TCL sich erhoffte, durch den Verkauf an Endkunden größere Stückzahlen loszuwerden.

Man muss BlackBerry stets aus dem Blickwinkel dieser großen Kunden sehen. Sie hatten die Kanadier einst groß gemacht, als sie erstmals ein Telefon mit Knöpfchentastatur und Pushmail als Ablösung für Pager brachten. In einem Kamingespräch erzählte Brian Moynihan, CEO der Bank of America, vom transformativen Charakter der Geräte. Die BlackBerrys dieser Zeit beschleunigten die Kommunikation ungemein, weil plötzlich jeder Manager überall und jederzeit erreichbar war.

Mit der Ankündigung des iPhones wurde BlackBerry auf dem falschen Fuß erwischt. Hatten die Kanadier stets versucht, sparsam mit Daten umzugehen, um den Anforderungen der Mobilfunkbetreiber gerecht zu werden und ganz nebenbei eine lange Akkulaufzeit zu erreichen, so baute Apple mit Billigung und Unterstützung durch AT&T einen mobilen Computer, der Websites direkt anzeigen konnte, ohne sie erst im Backend kleiner zu rechnen. Verizon versuchte zusammen mit BlackBerry eine Antwort zu entwickeln. Das Touchgerät BlackBerry Storm scheiterte jedoch grandios und Verizon setzte mit dem Motorola Droid auf Android. BlackBerry lieferte weiterhin Tastaturgeräte, die speziell in Form des Bold 9900 treue Fans hatten.

Noch zweimal sollte BlackBerry scheitern. Mit dem modernen Betriebssystem BB10 konnten die Kanadier keine Delle in den Markt machen, weil die Anwendungen für die Plattform ausblieben und die Wette auf den Amazon App Store daneben ging. BB10 konnte Android Anwendungen aus diesem Store installieren, aber Amazon konnte sich nicht als Alternative zu Google in Stellung bringen. Aus dieser Zeit stammen mit dem Passport und dem Classic zwei der besten Smartphones, die BlackBerry je produzierte.

Chen versuchte BlackBerry in Richtung Android zu schwenken, mit dem Versprechen, eine besonders sichere Android-Distribution zu schaffen, und holte dazu David Kleidermacher als CSO. Unter seiner Regie begann BlackBerry monatliche Sicherheitsupdates zu liefern, zunächst schneller als alle anderen OEMs. Der Priv, das erste Android-Gerät von BlackBerry geriet jedoch zu teuer. Chen reflektierte ein Jahr später, man habe wohl zu hoch gezielt. Ähnlich sollte es später auch TCL mit dem KEYone und dem Key2 gehen, was schließlich zu dem preisgünstigeren Key2 LE führte. Kleidermacher ist mittlerweile bei Google für die Android-Sicherheit zuständig.

Ist der Ofen nun endgültig aus für die BlackBerry-Smartphones? Einen Funken Hoffnung haben die BlackBerry-Fans noch. So erzählte Brian Moynihan, dass die Bank of America wieder vom Konzept BYOD abkommt, um eine einfacher zu handhabende Flotte von Business-Geräten anzuschaffen (ab der 30. Minute des Kamingesprächs). Chen sagte darauf: "Es könnte sein, dass Sie mich motivieren, wieder mit Telefonen anzufangen". Am Ende wird BlackBerry stets das liefern, was die Kunden bestellen. (vowe)