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Hiobsbotschaft von BlackBerry

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Das BlackBerry Z10 (links) und Q10 verkaufen sich nicht so gut wie erhofft.

Schon vor der planmäßigen Veröffentlichung der Quartalszahlen und kurz nach Vorstellung des neuen Smartphones Z30 musste BlackBerry Freitagabend tatsächlich die befürchtete schmerzhafte Mitteilung machen: Der Verlust im zweiten Quartal (bis Ende August) macht fast eine Milliarde Dollar aus. 4500 Stellen (Vollzeitäquivalente) werden gestrichen, sodass nur noch 7000 Stellen übrig bleiben. Vergangenes Jahr hatte BlackBerry noch mehr als 18.000 Mitarbeiter. Ziel ist, die Betriebskosten bis Mai 2014 zu halbieren.

"Als Konsequenz des stärkeren Wettbewerbs" muss BlackBerry eine massive Abschreibung auf sein Handy-Inventar vornehmen, vorwiegend das Modell Z10 betreffend. Das reißt buchungsmäßig ein Loch von 930 bis 960 Millionen Dollar. Dazu kommen 72 Millionen Dollar Aufwand für laufende Restrukturierungskosten. Und dann ist da noch ein Nettoverlust von 250 bis 265 Millionen Dollar, der Barvermögen aus der Kasse gesaugt hat.

Unter dem Strich ergibt sich nach den Buchhaltungsregeln (GAAP) ein Nettoverlust von 950 bis 995 Millionen Dollar. Wie sich dieser Betrag genau errechnet, soll in einer Woche veröffentlicht werden. Zum Vergleich: Der Quartalsumsatz beläuft sich auf etwa 1,6 Milliarden Dollar. Immerhin ist das kanadische Unternehmen schuldenfrei und hat noch 2,6 Milliarden Dollar auf der hohen Kante.

Auch das Geräteportfolio wird auf vier zusammengestutzt. Statt den bisher geplanten sechs Modellen soll es nur noch vier geben: Zwei im High-End-Bereich und zwei im Einsteigersegment (darunter das Z10). Welche weiteren Modelle noch hergestellt werden, verrät BlackBerry vorerst nicht. Es soll aber weiterhin sowohl All-Touch-Handys wie das Z10 und Z30 als auch Mobiltelefone mit QWERT-Tastatur wie das Q5 und Q10 geben. Zielgruppe sind große Unternehmen (Enterprise) und die sogenannten Prosumer.

"Wir planen, unsere Angebote auf Von-Anfang-bis-Ende-Lösungen mit Hardware, Software und Dienstleistungen für Großkunden sowie produktive, professionelle Endverbraucher neu auszurichten", wird CEO Thorsten Heins zitiert. Nur eine Kennzahl in der Mitteilung soll einen Hoffnungsschimmer bedeuten: 25.000 BlackBerry Enterprise Server 10 (BES 10) sind derzeit in Betrieb, Testinstallationen inbegriffen. Das ist ein Zuwachs von 6000 gegenüber Juli.

Seit etwa fünf Wochen "evaluiert" ein Unterausschuss des Verwaltungsrats "strategische Alternativen", was im Börsesprech meist einem Hilferuf gleichkommt: "Bitte kauft uns endlich jemand?" (jow)