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Historische Meisterwerke der Grafik stehen im Netz

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Kupferstich von Melchior Haffner aus dem 17. Jahrhundert

Einst gehörten sie zusammen. Doch für mehr als 200 Jahre waren die umfangreichen Grafikbestände des Herzog-Anton-Ulrich-Museums in Braunschweig und der Herzog-August-Bibliothek in Wolfenbüttel getrennt. Jetzt präsentieren sie sich wieder gemeinsam, wenn auch nur im Internet. Beide Häuser starteten am Freitag das "Virtuelle Kupferstichkabinett", um der Fachwelt und interessierten Laien viele tausend herausragende Blätter zugänglich zu machen.

Für die Beteiligten hat das Vorhaben einen enormen Stellenwert. Immerhin handele es sich um ein "zumindest europaweit einzigartiges Projekt" auf dem Gebiet der Grafikforschung, erklärte Museumsdirektor Jochen Luckhardt am Freitag bei der Präsentation. Das zeige sich auch an der Unterstützung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft. Sie fördere das Vorhaben zwei Jahre lang "mit einer namhaften sechsstelligen Summe". Eine Verlängerung für weitere zwei Jahre ist beantragt.

Bereits jetzt ist der Online-Zugriff auf mehr als 4.000 Blätter aus dem 15. bis 18. Jahrhundert möglich. In vier Jahren sollen 30.000 Grafiken, versehen mit wissenschaftlichen Anmerkungen, per Internet zugänglich sein. Frühe Einblatt-Holzschnitte aus der Zeit um 1500 gehören ebenso dazu wie Meisterwerke von Cranach oder Dürer.

Zusammengetragen wurde der Grundstock für diesen Bestand von den Braunschweigischen Herzögen. Sie verwahrten die Grafiken zunächst in der Wolfenbütteler Bibliothek. Im 18. Jahrhundert wanderte ein großer Teil der Sammlung in das neu entstandene Museum nach Braunschweig. Die Vorstellung, Kunstwerke gehörten in ein eigenes Haus, habe seinen Amtsvorgänger Gotthold Ephraim Lessing zu "absolut barbarischen" Methoden verleitet, berichtete Bibliotheksdirektor Helwig Schmidt-Glintzer. Der bekannte Aufklärer habe sogar Illustrationen aus Büchern herausschneiden lassen.

Die Webseiten des Virtuellen Kupferstichkabinetts bieten umfangreiche Suchabfragen, um schnell zu den gewünschten Blättern zu gelangen. Die Reproduktionen liegen obendrein in besonders hoher Auflösung vor. Mittels einer Lupenfunktion könnten die Nutzer feinste Details der Bilder "fast wie unter Laborbedingungen betrachten", sagte Projektleiter Thomas Döring. Er geht davon aus, dass sich das neue Internet-Angebot in der Fachwelt schnell herumsprechen werde. In wenigen Tagen wolle er das Projekt in Coburg bei einer Tagung der Leiter bedeutender Kupferstichkabinette aus Deutschland, Österreich und der Schweiz vorstellen. Anschließend, so ist Döring überzeugt, "steigt die Zahl der Zugriffe sprunghaft an". (Oliver Krause, dpa) / (pmz)

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