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Historischer Vergleich: Aktueller Klimawandel beispiellos schnell und global

Zwar gab es in historischer Zeit Klimaschwankungen, aber anders als heute waren die nur regional, sagen Schweizer Forscher. Außerdem ging alles viel langsamer.

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Die "Kleine Eiszeit" war zwar ein europäisches, aber kein global einheitliches Phänomen.

(Bild: Hendrick Avercamp, ca. 1608)

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Der aktuelle, vom Menschen verantwortete Klimawandel führt zu einer viel schnelleren und massiveren globalen Klimaerwärmung als alles, was in den vergangenen 2000 Jahren stattgefunden hat. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher der Universität Bern nach einer ausführlichen Untersuchung von Klimadaten aus der ganzen Welt. Mit ihrem Ergebnis widersprechen sie dem teilweise vorgebrachten Argument, auch in vorindustrieller Zeit habe es schon Klimaveränderungen gegeben. Mit Argumenten wie diesen sollen oft Zweifel am einhelligen Bild der Wissenschaft vom aktuellen, menschengemachten Klimawandel beispielloser Geschwindigkeit genährt werden.

Wie die Forscher nun in zwei Studien erläutern, sind die sogenannte "Kleine Eiszeit" in den Jahren zwischen 1300 und 1850 sowie die "Mittelalterliche Warmzeit" (ungefähr 700 bis 1400) zwar gut belegte Fakten. Anders als bislang weitläufig angenommen, handelte es sich dabei aber nicht um globale Phänomene. Stattdessen ließen sich für die vergangenen zwei Jahrtausende keine global einheitlichen Warm- und Kaltphasen nachweisen. Selbst während der "Kleinen Eiszeit" – die uns beispielsweise in niederländischen Gemälden aus der Zeit begegnet – sei es zwar auf der ganzen Erde kälter geworden, aber eben nicht überall gleichzeitig.

Klimaanalyse der Universität Bern (5 Bilder)

Das wärmste halbe Jahrhundert der "Mittelalterlichen Warmzeit" gab es an verschiedenen Orten der Welt in unterschiedlichen Jahrhunderten.
(Bild: © Universität Bern)

"Die nun widerlegte Hypothese von global gleichzeitigen Klimaphasen", sei dadurch entstanden, dass Entwicklungen in Europa und Nordamerika auf die Welt projiziert wurden, erklärt Raphael Neukom vom Oeschger-Zentrum für Klimaforschung an der Universität Bern. Mit insgesamt sechs statistischen Methoden hat sein Team nun die Datensätze ausgewertet und mit dem Bild aufgeräumt. Externe Faktoren in vorindustrieller Zeit wie Vulkanausbrüche oder die Sonnenaktivität seien nicht stark genug gewesen, um über längere Zeiträume rund um den Globus für höhere oder niedrigere Temperaturen zu sorgen.

Ganz anders ist ihr Ergebnis für das 20. Jahrhundert: In diesem Zeitraum liege die mit großer Wahrscheinlichkeit wärmste Phase seit der Zeitenwende. Das gilt demnach für 98 Prozent der Erdoberfläche. Das unterstreiche "einmal mehr", dass die gegenwärtige Klimaerwärmung nicht mit zufälligen Schwankungen zu erklären sei, sondern durch den Menschen und den von ihm verantworteten Ausstoß von Treibhausgasen wie CO2. Sie geschehe außerdem schneller als jemals zuvor in dem untersuchten Zeitraum. (mho)