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Hitzewellen: Grüne wollen Recht auf Home-Office und Hitzefrei

Die Grünen im Bundestag haben einen "Hitzeaktionsplan" präsentiert. "Die Klimakrise sei eine Gefahr für die menschliche Gesundheit" begründen sie das.

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(Bild: Patrick Daxenbichler/Shutterstock.com)

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Passend zu den in vielen Regionen Deutschlands gerade gemessenen neuen Temperaturrekorden hat die Bundestagsfraktion der Grünen einen "Hitzeaktionsplan" vorgelegt, den der Bund und die Länder gemeinsam aufstellen sollen. Es gelte "klare Koordinations- und Kommunikationsabläufe" sicherzustellen sowie "Handlungsempfehlungen und verbindliche Maßnahmen" aufzulisten, "um auf extreme Hitzewellen besser vorbereitet zu sein". Für die Vorsorge vor hitzebedingten Gesundheitsschäden müsse endlich "Geld bereitgestellt werden".

Konkret fordern die Grünen in dem Papier, das aus der Feder von Fraktionschef Anton Hofreiter und Umweltexpertin Bettina Hoffmann stammt, "ein Recht auf Home-Office für alle Beschäftigten, sofern dem keine betrieblichen Gründe entgegenstehen". Ein solcher Anspruch könne "bei Hitzewellen zum Gesundheitsschutz beitragen". Bisher haben laut der Bundesregierung vor allem Personen mit einem höheren Ausbildungsniveau und einem höheren Einkommen die Möglichkeit, von zuhause aus Telearbeit zu leisten. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) hat bereits angekündigt, bald allgemein ein Recht auf Home-Office auf den Weg bringen zu wollen.

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Arbeitnehmer, die etwa auf Baustellen, in der Landwirtschaft oder bei der Gebäudereinigung im Freien schuften, müssen der Initiative nach "bei gesundheitsgefährdender Hitze ein Recht auf Hitzefrei" erhalten, schreibt die Fraktion. In Betriebsvereinbarungen könnten und sollten passgenaue Lösungen zu dieser "reduzierten Arbeitszeit" getroffen werden. Ferner müsse ein "bundesweites Beratungstelefon" eingerichtet werden, um "hitzebedingten Gesundheitsschäden" vorzubeugen beziehungsweise rasch Hilfeleistungen zu koordinieren. Die "hitzebedingte Sterblichkeit" soll laufend gemessen werden, "um die Wirksamkeit von Akutmaßnahmen zeitnah überprüfen und anpassen zu können".

Die Klimakrise erfordert laut den Grünen auch, "dass wir das Leben in Städten neu denken müssen. Sonst leben wir bald in einer Welt, in der sich Menschen zeitweise nur noch in klimatisierten Räumen aufhalten können." Eine deutliche Klimaveränderung dürften bis 2050 77 Prozent der 520 größten Städte weltweit zu spüren bekommen. Urbane Regionen sollten daher "zum Wohl des Klimas und der Menschen begrünt" sowie "mit öffentlichen TrinkBars für eine flächendeckende und kostenlose Versorgung mit Trinkwasser ausgestattet und durch Frischluftschneisen gekühlt werden".

Wasserflächen und Parks oder Gründächer und –fassaden wirkten "wie natürliche Klimaanlagen", konstatiert die Fraktion. Die Finanzierung solcher Maßnahmen müsse daher staatlich gefördert werden. Das Wasser von "Starkregenereignissen" sollen dem Plan nach "durch geeignete Pufferung in Grünflächen und Gründächern" etwa in Rigolen oder durch die Bepflanzung selbst vermehrt zwischengespeichert werden. So lasse es sich gleichzeitig dafür nutzen, "unsere Städte zu kühlen". Zudem werde die Kanalisation entlastet.





"Im vergangenen Jahr waren 18 Millionen mehr besonders gefährdete Personen Hitzewellen ausgesetzt als noch 2016", begründen die Grünen ihr Vorhaben. Vor allem Altere und Menschen mit Vorerkrankungen sowie Kleinkinder bekämen die Klimaerhitzung besonders deutlich am eigenen Leib zu spüren. Sie seien anfälliger für Hitzekrämpfe oder Dehydrierung und litten vermehrt unter Herz-Kreislauferkrankungen. Der Bundesregierung wirft die Fraktion vor, es bisher bei unverbindlichen Handlungsempfehlungen zu belassen und die Verantwortung für eine Anpassung an Extremwetterereignisse auf die Länder und Kommunen abzuwälzen. Es fehle eine einheitliche Strategie. (mho)