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Technology Review

Hochinvasive Hirn-Computer-Schnittstelle erfolgreich am Menschen getestet

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US-Forscher haben erfolgreich eine hochinvasive Hirn-Computer-Schnittstelle an einem Menschen getestet. Dabei verwendeten sie das BrainGate-System der Firma Cybernetics. Die Neurowissenschaftler implantierten einen Chip mit Elektroden, der durch ein Loch in der Schädeldecke mit einem Rechner verbunden ist, im Motorcortex einer querschnittsgelähmten Versuchsperson, die daraufhin mittels Gedanken den Cursor auf einem Bildschirm bewegte.

Der 25-Jährige konnte daraufhin eine E-Mail öffnen, das einfache Computerspiel Pong spielen oder die Fernbedienung eines TV-Geräts steuern. Dabei benötigte die Versuchsperson nur einige Minuten Training, um das System zu steuern. Bei nichtinvasiven Hirn-Computer-Schnittstellen, die mittels auf der Kopfhaut angebrachten Elektroden Hirnsignale aufzeichnen, sind hingegen Wochen bis Monate nötig.

Das Projekt ist nach Angaben der beteiligten Forscher der erste wissenschaftlich begutachtete klinische Versuch mit einer hochinvasiven Hirn-Computer-Schnittstelle. "Die Ergebnisse sind vielversprechend hinsichtlich des Ziels, eines Tages Muskeln in Gliedmaßen mittels Hirnsignalen aktivieren zu können“, sagt Donoghue. Die Steuerung von Neuroprothesen bis hin zu Rollstühlen könnte damit für Gelähmte möglich werden.

Zur Überraschung der Wissenschaftler gelang es der Versuchsperson schnell, den neuronalen Cursor zu bedienen – obwohl sie bereits seit drei Jahren gelähmt war. "Was wirklich beeindruckend ist: Die Cortex-Aktivität einer Person mit Rückenmarksverletzung, die ein Gerät nur mittels vorgestellter Handbewegungen steuert, ähnelt der Hirnaktivität, die wir in vorklinischen Versuchen mit Affen festgestellt haben, die ihre Hände tatsächlich benutzten", sagt Leigh Hochberg, einer der beteiligten Forscher.

Die Arbeit wird in der morgigen Ausgabe des Wissenschaftsjournals Nature veröffentlicht: Leigh R. Hochberg et al., "Neuronal ensemble control of prosthetic devices by a human with tetraplegia", Nature Vol. 442, S. 166

Siehe dazu auch den Artikel "Matrix 0.1" auf Technology Review online. (nbo)

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