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Hochschulen: GEW mahnt solide Grundfinanzierung an, Exzellenzinitiative sei "falscher Ansatz"

Kurz bevor die Evaluation der "Exzellenzinitiative" vorgestellt wird, melden sich GEW und Interessenverbände zu Wort. Die einen fordern eine grundsätzliche, bessere Finanzierung aller Hochschulen, die anderen befürworten das "Leuchtturm"-Konzept.

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Schott-Glas

(Bild: dpa, Fredrik von Erichsen)

Die Bildungsgewerkschaft GEW hat an die schwarz-rote Bundesregierung appelliert, die Hochschulfinanzierung längerfristig sicherzustellen. Dies müsse neben der von Bund und Ländern geplanten neuen Exzellenzinitiative möglich sein. "Die Grundfinanzierung stagniert und die Länder werden zunehmend Probleme kriegen, sie sicherzustellen", sagte der stellvertretende GEW-Chef und Hochschulexperte Andreas Keller der dpa in Berlin.

2020 greife die Schuldenbremse, spätestens dann müssten Bund und Länder ein Konzept für die deutschen Unis haben. Der Bund könne helfen, "weil das Bund-Länder-Kooperationsverbot im Hochschulbereich gelockert worden ist", sagte Keller. Dies sei aus Sicht seiner Gewerkschaft auch "wichtiger, als sich jetzt etwas Neues für die Exzellenzinitiative auszudenken". Ohnehin sei ein Förderprogramm, das auf nur wenige "Leuchttürme" setze und dabei immer mehr befristete Stellen an den Hochschulen zur Folge habe, "der falsche Ansatz".

Eine vom Schweizer Wissenschaftsmanager Dieter Imboden geleitete Expertenkommission stellt an diesem Freitag ihre Bewertung der vor zehn Jahren gestarteten Exzellenzinitiative von Bund und Ländern vor. In dem vorab verschickten Programmbericht zur Exzellenzinitiative, gebe es laut Zeit-Journalist Jan-Martin Wiarda Hinweise, dass die bisherigen Vorkehrungen erfolgreich waren. Es sollen allein 2013 rund 4100 Doktoranden, 1200 Postdocs, 230 Nachwuchsgruppenleitungen und 390 Professuren aus der Exzellenzinitiative finanziert worden sein. Dies habe dazu beigetragen, dass die Universitäten ihre Berufungs- und Personalpolitik zum Teil neu ausgerichtet hätten. Außerdem habe sich das Ansehen der deutschen Wissenschaft im In- und Ausland erheblich verbessert. Wiarda merkt aber an, "skeptische Töne" suche man in dem Bericht fast vergeblich.

Am deutlichsten werde Kritik an dem Programmbericht nur "in einer Studie, die zwei externe Forschungsinstitute (prognos und Johanneum Research) beigesteuert haben". Die an den Exzellenzverbünden beteiligten Wissenschaftler kritisierten in einer Umfrage eine zunehmende Konkurrenz zwischen Fakultäten "und die vergrößerte Kluft zwischen vermeintlich prestigeträchtigen und weniger prestigeträchtigen Forschungsgebieten".

Zuletzt hatte Bundesforschungsministerin Johanna Wanka (CDU) deutlich gemacht, dass sie ein gesundes Elite-Denken gegenüber einer zu breiten Streuung der Fördermittel bevorzugt. Sie sagte der dpa: "Ich bin für Leuchttürme in der Spitzenforschung. Es hat sich seit Beginn der Exzellenzinitiative bewährt, wirklich Exzellenz zu fördern."

Die große Koalition will für eine dritte Runde der Exzellenzinitiative mindestens 4 Milliarden Euro von 2018 bis 2028 sowie eine Milliarde Euro für bessere Karrierewege junger Wissenschaftler bereitstellen. Die Hochschulrektorenkonferenz machte vor der nahenden Veröffentlichung der Imboden-Kommission deutlich, dass das Nachfolgeprogramm "nicht unter falschem Zeitdruck starten" dürfe und das bisher angewandte "bewährte zweistufige Verfahren" zur Begutachtung von möglichen Förderprojekten erhalten bleiben müsse. "Mit der Neuauflage" könnten für das Wissenschaftssystem "wichtige neue Impulse gesetzt werden". Es sollten gleichermaßen bereits geförderte Projekte weiter gefördert werden, aber auch "vollständig neue Projekte" den Zuschlag erhalten.

Die Förderentscheidungen der zweiten Runde der Exzellenzinitiative wurden im Sommer 2012 gefällt. Seitdem werden bis 2017 insgesamt 45 Graduiertenschulen, 43 Exzellenzcluster und elf Zukunftskonzepte gefördert, die an 44 Universitäten angesiedelt sind. (mit Material der dpa) / (kbe)

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