Höhenflug von AllAdvantage endet als Pleite

Der ehemals größte Vermarkter von Online-Bannern zahlt nicht mehr fürs Surfen

Lesezeit: 1 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 19 Beiträge
Von

Als nicht erfolgreich hat sich das Geschäftsmodell des amerikanischen Online-Bannervermarkters AllAdvantage erwiesen: Die Firma ist pleite. Während auf der deutschen Web-Site schon versucht wird, für ein künftiges Online-Erotik-Angebot zu werben, findet man unter AllAdvantage.com zumindest noch ein Dankeschön an die zahlreichen Nutzer der letzten zwei Jahre. Begründet wird der Rückzug aus dem Banner-Geschäft mit "dramatisch veränderten Bedingungen auf dem Online-Werbemarkt und den Finanzmärkten".

Begonnen hatte alles 1999 mit einer einfachen Idee: Durch ein kleines Programm (Viewbar) werden auf dem Bildschirm des Benutzers beim Surfen kleine Werbebanner eingeblendet. Das Programm erfasst während der Einblendung die Zeit und berechnet danach einen Betrag, der dem Benutzer am Ende des Monats ausgezahlt wird. Erweitert wurde das Angebot sukzessive durch Gewinnspiele, Sonderrabatte und diverse Mitgliederangebote.

Das nach dem Schneeball-Prinzip aufgebaute System (möglichst viele Freunde und Bekannte einspannen und für deren Surfen mitkassieren) funktionierte am Anfang prächtig, aber schon bald begann AllAdvantage, die Leistungen einzuschränken: Die Stundenvergütung wurde geringer, die Anzahl der bezahlten Stunden reduziert, die Auszahlungsschwelle erhöht; Unmut regte sich in der bis zu 7 Millionen Mitglieder starken Get-Paid-To-Surf-The-Web-Gemeinde.

Nun also der endgültige Absturz. Insider gehen davon aus, dass die auf 20 Mitarbeiter geschrumpfte Belegschaft (ehemals 600) ihr gewonnenes Datenbank-Knowhow im amerikanischen B2B-Commerce einbringen wird. Den ehemaligen Mitgliedern von AllAdvantage wird auf der Abschieds-Web-Page versprochen, dass einlösbare Surfguthaben ausgezahlt werden sollen. Auch verspricht AllAdvantage, keine Kundendaten an Dritte zu verkaufen oder auf andere Weise zugänglich zu machen.

Einen kritischen Report über die "Geld-fürs-Surfen"-Konzepte hat c't erst kürzlich veröffentlicht. Siehe "Surf sie arm..., Ein Geschäftsmodell in der Krise" in c't 1/01, Seite 136. (pmz)