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Hörfunk oder Handy: Deutschlandradio kämpft um Geld und Frequenzen

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"Allein gegen Alle" – seit einigen Wochen strahlt Deutschlandradio Kultur sonntags um 8.00 Uhr die legendäre Quizsendung "von und mit" Hans Rosenthal aus. Mehr als 300 Folgen der "Mutter aller Quizshows" liegen im Archiv. Der Klassiker des einstigen Berliner Senders RIAS soll die Generationen wieder gemeinsam vor den Empfänger locken – die Rechnung geht offenbar auf. Intendant Ernst Elitz berichtet von einem begeisterten Echo auch bei jüngeren Hörern.

"Allein gegen Alle" könnte aber auch als Lagebeschreibung der unter dem Deutschlandradio-Dach vereinten Sender Deutschlandfunk und Deutschlandradio Kultur herhalten. Vor allem Finanzsorgen und teure Übertragungstechnik trüben trotz steigender Quoten die Stimmung bei den beiden bundesweiten öffentlich-rechtlichen Radioprogrammen. Elitz beklagt außerdem eine "unfaire Behandlung" durch die Medienpolitik.

Erst jüngst bescheinigte die Rundfunk-Finanzkommission KEF dem Sender erhöhte Internet-Ausgaben. Weil das Deutschlandradio möglichst viele Beiträge – von der Buchkritik bis zum Sportgespräch – als Podcast zum Herunterladen auf PC oder MP3-Player ins Netz stellt, errechneten die Prüfer Mehrausgaben von einer halbe Million Euro. Wie ARD und ZDF darf das Deutschlandradio bisher nicht mehr als 0,75 Prozent seines Etats für Internet-Aktivitäten ausgeben. Dabei hat der Sender mit Sitzen in Köln (Deutschlandfunk) und Berlin (Deutschlandradio Kultur) anders als ARD und ZDF eine sehr kleine Internet-Redaktion. Das große Angebot unter www.dradio.de verdankt er vor allem der Mehrarbeit der Mitarbeiter, wie Programmchef Günter Müchler sagt. Daraus hätten die KEF-Kontrolleure "nach MacKinsey-Art" vier Stellen errechnet – und wollen das Geld bei der anstehenden Festsetzung der Rundfunkgebühren streichen. Das würde bedeuten, dass etwa die Online-Berichterstattung am Wochenende entfallen müsste – "undenkbar", betont Müchler. "Wenn wir sparen müssen, dann können wir nur an Sendungsinhalten sparen", betont Elitz.

Dabei haben sich die Einschaltzahlen der beiden Programme gegen den Negativtrend in der Radiolandschaft auf hohem Niveau stabilisiert. Der Deutschlandfunk hat sechs Millionen regelmäßige Hörer, rund 2,5 Millionen schalten die Kulturwelle ein. Beiden Programmen macht vor allem der teure Flickenteppich von UKW-Frequenzen das Leben schwer, auf denen sie senden müssen. Bundesweit können nur 50 Prozent aller Gebührenzahler das Kulturprogramm empfangen, beim Deutschlandfunk sind es etwa 75 Prozent. Mit zwei nationalen Frequenzen könnten sie die Zuhörerzahl verdoppeln. Doch die ARD-Sender mauern. Sie sind im Besitz der meisten Frequenzen und wollen sich ungern mehr Konkurrenz in ihr Sendegebiet holen.

Als mögliche Lösung wird das digitale Radio und Radio fürs Handy gehandelt. Mit der DAB-Norm könnte das Deutschlandradio auf wesentlich billigere Frequenzen ausweichen. Bisher scheiterte das Projekt aber an technischen und ökonomischen Hürden. Die Industrie zögert, die Empfänger in großer Zahl zu produzieren, die Sender investieren kaum in neue Technik, Medienpolitiker und Lobbyisten streiten über die richtige Norm. Und die Mobilfunk-Industrie will ihren eigenen Standard für Handy-Empfang durchsetzen. In einer jüngsten Stellungnahme haben die Landesmedienanstalten gewarnt, der klassische Hörfunk könnte angesichts des Drucks von Handy-Anbietern und Netzbetreibern auf der Strecke bleiben.

Tatsächlich empfangen nur wenige Hörfunk digital über Antenne. Weil die Bundeswehr bisher eine Störung ihres Funkverkehrs befürchtete, wurde DAB nur auf schwachen Frequenzen zugelassen, der Empfang in geschlossenen Räumen war kaum möglich. Doch das Militär hat die Einschränkungen aufgegeben. Bayern prescht bei der Digitalisierung vor und hat rund 50 starke Frequenzen zugelassen. Das könnte DAB bundesweit zum Durchbruch verhelfen.

Für Intendant Elitz ist der Kampf der Systeme zudem eine Kulturfrage. "Hörfunk darf nicht nur an das Handy gekoppelt werden, sonst ist Radio für die Massenkommunikation tot". Noch immer stehe "in jeder Küche in Deutschland" ein Radioempfänger. (Esteban Engel, dpa) / (jk)