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Hoffnung auf Normalbetrieb für Wikileaks

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Die über Monate hinweg schlecht erreichbaren Web-Präsenzen von Wikileaks haben wieder ihren Betrieb mit erneuerten Sicherheitszertifikaten aufgenommen. Überdies haben die Betreiber einen offiziellen Blog gestartet, der etwas mehr über die laufenden Arbeiten informiert als der oftmals polemische Twitter-Kanal. Mit beiden Maßnahmen reagieren die Macher der Website für Informationslecks aller Art auf die Kritik, dass Wikileaks intransparent agiere.

Mit dem Blog und der wieder funktionierenden Anlaufstelle für das Einreichen geheim gehaltener Dokumente nimmt Wikileaks einen weiteren Anlauf, den Normalbetrieb des Projektes wieder aufzunehmen. Dieser Betrieb war gestoppt worden, um mit dem Video "Collateral Murder" eine Spendenkampagne zu unterstützen. Zumindest für den europäischen Teil des Systems liegen erste Daten zu dieser Spendenaktion vor, da die Spenden von der Wau-Holland-Stiftung verwaltet werden. Im Rahmen der von Journalisten angemahnten Transparenz reagierte die Stiftung auf Anfragen mit der Auskunft, dass man etwa 30.000 Euro jeweils gegen Quittung für Reisekosten und Technik ausbezahlt habe. Dies seien weniger als 10 Prozent der eingegangenen Spenden.

Über die Transparenz oder Intransparenz des Whistleblower-Projektes gibt es immer wieder Diskussionen, die auch damit zusammenhängen, dass Wikileaks offiziell nur von zwei Sprechern repräsentiert wird, dem Australier Julian Assange und dem Deutschen Daniel Schmitt. Assange sollte an diesem Wochenende auf der Hackerkonferenz The next HOPE (Hackers On Planet Earth) sprechen, ließ sich aber von Jacob Appelbaum vertreten, der in San Francisco den Hackerspace Noisebridge mitbegründet hat. Appelbaum wurde unmittelbar nach der Rede durch ein Double ersetzt und verschwand durch eine Hintertür.

Die Organisatoren des Kongresses entschieden sich für diese Tarnungen, nachdem tags zuvor Beamte des Department of Homeland Security vorstellig wurden und Assange sprechen wollten. Diese Aktion steht offenbar im Zusammenhang mit einer groß angelegten Artikelreihe, mit der die Washington Post versucht, ihre Landsleute über das Ausmaß des militärisch-industriellen Sicherheitskomplexes zu informieren, der in den USA nach dem 11. September 2001 aufgebaut wurde. Im Rahmen dieser Veröffentlichung sollen Geheimdokumente eine wichtige Rolle spielen, die von Wikileaks gesammelt wurden. (jk)