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Hollywood lässt eDonkey-Site "The Realworld" schließen

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Die Motion Picture Association of America (MPAA) hat beim Landgericht Hamburg eine einstweilige Verfügung gegen das in der Schweiz gehostete Webangebot The-Realworld.de (TRW) erwirkt. Wulf Rajek, der in Schottland lebende deutschstämmige Betreiber der Site, sah sich mit zwei Klagen der Lobbyvereinigung Hollywoods im Auftrag von Mitgliedsunternehmen konfrontiert. The Realworld soll nach Angaben der MPAA Links zu eDonkey-Angeboten mit Mitschnitten von über 900 TV-Shows in zahlreichen Sprachen vorgehalten und somit dem wachsenden Trend zum Filesharing von Fernsehsendungen Vorschub geleistet haben. Im Netz findet sich aber auch ein Screenshot von TRW, der gar auf Links zu 1131 TV-Shows hinweist. 2005 will die Lobbygruppe 90 Millionen Seitenabrufe und allein an einem Spitzentag im Mai 600.000 Hits auf der Site ausgemacht haben. Das urheberrechtlich relevante Material selbst befand sich freilich nicht auf dem Server.

"Der Schutz der Fernsehindustrie ist absolut notwendig", betont der Chef der weltweiten Anti-Pirateriebemühungen der MPAA, John Malcolm, anlässlich des juristischen Erfolgs Hollywoods. Der "Internet-Diebstahl jeglichen kreativen Materials" sei nicht akzeptierbar. Die Rechtsverletzer müssten zudem erkennen, "dass sie nicht anonym sind". Die Vertretung der US-Filmindustrie versucht bereits seit längerem mit Hilfe der Site Respect Copyrights potenzielle Raubkopierer von ihrem Tun abzubringen. Laut Malcolm ist das vermeintliche Fernseh-Surfen, das laut der Marktforschungsfirma Envisional in 2004 um 150 Prozent zugenommen habe, keineswegs ein Kavaliersdelikt, auch wenn digitale Videorecorder das Aufnehmen von Sendungen zum Kinderspiel machen. Jede TV-Serie hänge nämlich von verschiedenen Verwertungsketten und internationalen Verkäufen ab, um ihre Kosten wieder einzuspielen.

Rajek hatte bereits Mitte der Woche The Realworld vom Netz genommen, nachdem schon in den vergangenen Monaten insbesondere Links auf Sendungen von großen US-Filmkonzernen häufig rasch wieder von der Site verschwanden. Um sich rechtlich verteidigen zu können, bittet er unter der Domain nun um Spenden. Die MPAA will gegen ihn sowie gegen den Provider Schadensersatzansprüche gemäß deutschem Urheberrecht geltend machen und hofft auf ein hartes Urteil in den anstehenden Prozessen für den Betreiber der Site. Sie vergisst daher nicht zu erwähnen, dass bei gewerblichen Urheberrechtsverletzungen im großen Stil Haftstrafen bis zu fünf Jahren drohen. Ähnliche Fälle wie der Streit um LokiTorrent.com endeten aber letztlich mit einem Vergleich vor Gericht. In Deutschland ist momentan insbesondere die GEMA aktiv im Kampf gegen eDonkey-Portale, wobei sie auch auf Sperrungsverfügungen gegen Provider setzt.

Siehe dazu auch:

(Stefan Krempl) / (Stefan Krempl) / (jk)

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