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Holtzbrinck-Verlag prüft Einstieg ins Wimax-Geschäft

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Der Infrastrukturhersteller Motorola und die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck führen in Würzburg einen Test mit ausgewählten Nutzern für die Breitband-Funktechnik Wimax durch. Nach Auffassung des Medienhauses treiben schnelle Internetverbindungen die Entwicklung von Medienangeboten und -inhalten voran. Daher prüft Holtzbrinck, breitbandige Zugangstechniken in die Wertschöpfungskette des Verlags zu integrieren, erläuterte Firmensprecher Boris Alexander Kühnle gegenüber heise online.

In der Stadt und der Region Würzburg erscheint die zu Holtzbrinck gehörende Tageszeitung Main-Post. Der Medienkonzern, zu dem das Handelsblatt, Die Zeit und mehrere Regionalzeitungen zählen, wählte die topographisch anspruchsvoll gelegene Stadt in Franken für den Test aus, um Erkenntnisse über die Leistungsfähigkeit und Praxistauglichkeit der Wimax-Technik zu gewinnen. Zu den derzeit einigen Dutzend Testern gehört eine Schule, die Breitband-Internetzugänge und VoIP-Anschlüsse erhält. Technische Basis ist die MOTOwi4 genannte Lösung von Motorola, die auf IEEE 802.16e beruht, der auch die nomadische Nutzung beziehungsweise Empfang in der Bewegung ermöglicht.

Holtzbrinck hat im Zuteilungsverfahren der Bundesnetzagentur für Frequenzen, die für Wimax geeignet sind, Spektrum für "verschiedene Regionen" beantragt. Ansonsten befänden sich kaum Medienunternehmen unter den Antragstellern, heißt es bei Holtzbrinck. Ausgehend von seinen regional verwurzelten Zeitungsmarken wie Main-Post, Lausitzer Rundschau oder Trierischer Volksfreund prüft Holtzbrinck, insbesondere in Gebieten mit geringer DSL-Versorgung, Medieninhalte und Breitbandzugänge für Endkunden aus einer Hand anzubieten.

Die Integration des Zugangsgeschäfts in das Verlagsgeschäft könnte dank Wimax eine Renaissance erleben, da der Breitbandfunk den Verlagen Unabhängigkeit von Zugangsanbietern wie der Telekom verschafft. Bertelsmann hatte in den 1990er-Jahren mit Mediaways einen konzerneigenen Festnetz-Carrier aufgebaut, diesen jedoch 2001 an die spanische Telefonica verkauft. Als Backbone-Betreiber stellt die jetzige Telefonica Deutschland für Telekom-Konkurrenten zum Beispiel ADSL2+-Infrastruktur bereit. Im Zuge der Übernahme des Mobilfunkkonzerns O2 durch Telefonica wird die Telefonica Deutschland in O2 Germany einbezogen. O2 will auf diese Weise zum integrierten Mobilfunk- und DSL-Anbieter aufsteigen. (ssu)