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Holtzbrinck schluckt Studentenportal StudiVZ [Update]

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Das Studentenportal StudiVZ wurde zu Jahresanfang von der Verlagsgruppe Holtzbrinck übernommen. Über den Kaufpreis machen die Unternehmen offiziell keine Angaben; laut Spiegel wurden für die Social-Networking-Site mehr als 100 Millionen Euro bezahlt, der Focus will zudem erfahren haben, dass der Axel-Springer-Verlag in letzter Minute sogar noch 120 Millionen Euro geboten hatte, aber nicht mehr zum Zuge kam. Die Betreiber selbst bezeichnen den Bericht, es seien 100 Millionen Euro gezahlt worden, dagegen als "total überzogen".

Das Berliner Startup StudiVZ wurde erst im Oktober 2005 gegründet und hat nach eigenen Angaben über eine Million aktive Nutzer im deutschsprachigen Raum. Bereits im vergangenen Jahr war Holtzbrick zusammen mit anderen Investoren bei dem Portal eingestiegen, nun hat der Konzern sämtliche Anteile des Unternehmens übernommen.

StudiVZ, mehr oder weniger getreu dem US-Vorbild Facebook nachgebaut, soll über Werbung Einnahmen generieren. Derzeit ist das Angebot zwar weitgehend werbefrei, in nächster Zeit sollen aber verstärkt Anzeigenkunden gefunden werden. StudiVZ-Gründer Ehssan Dariani zeigt sich optimistisch: "Mit der Übernahme ist StudiVZ langfristig abgesichert. Jetzt können wir uns voll auf den weiteren Ausbau der Plattform und neue Angebote für unsere Nutzer konzentrieren." Gründer Michael Brehm meint zu den weiteren Plänen des Unternehmens: "Der Schritt hilft uns bei einem verstärkten Engagement in weiteren europäischen Ländern. Für unsere Mitglieder wird das komplette Angebot natürlich auch künftig kostenlos bleiben." Personelle Veränderungen wird es nach Angaben der Firmen nicht geben: Alle Gründer seien weiterhin im StudiVZ-Management beschäftigt.

Konstantin Urban, Geschäftsführer von Holtzbrinck Networks, kommentiert: "Den Erfolg verdankt die Plattform ihren Gründern und allen Mitarbeitern, die auch die schwierige Phase des schnellen Wachstums in den letzten Monaten erfolgreich gemeistert haben." Damit spielt Urban auf die schwerwiegenden Sicherheitslücken und PR-Pannen an, die das Unternehmen in den letzten Monaten in die Schlagzeilen gebracht hatten. Im Dezember war die Plattform mehrfach offline gegangen, und die Software des Portals wurde grundlegend überarbeitet.

Völlig wasserdicht ist das Portal dennoch nicht: So wurde auf dem Chaos Communication Congress in Berlin eine inoffizielle Benutzerstatistik präsentiert, die sich allerdings auf die öffentlich einsehbaren Daten aller Mitglieder beschränkte. Der Autor des Papiers schätzt die Zahl der tatsächlich aktiven Nutzer auf 400.000 bis 700.000, beschreibt aber auch die verbesserten Sicherheitsmechanismen, die das Auslesen der Daten wesentlich erschweren.

In einer ersten Mitteilung versucht das Unternehmen, Bedenken wegen eines Ausverkaufs von Nutzerdaten zu begegnen: StudiVZ werde eigenständig bleiben und die Nutzerdaten auch nicht von anderen Unternehmen innerhalb der Holtzbrinck-Gruppe zur Verfügung gestellt. Zurzeit arbeitet das Portal an einer internationalen Expansion: So wurden schon im vergangenen Jahr lokale Angebote in Frankreich, Spanien, Italien mit und Polen gestartet.

[Update]:
Mittlerweile erklärte Urban gegenüber der Welt, der Kaufpreis, den Holtzbrinck für StudiVZ gezahlt habe, liege "über 50 Millionen Euro, aber deutlich unter 100 Millionen".

Zu StudiVZ siehe auch:

(Torsten Kleinz) / (Torsten Kleinz) / (jk)

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