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IFA

Home, sweet smart Home

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Die intelligente Hausvernetzung im Zeitalter der Energiewende und die Unterstützung für das Leben im Alter sind IFA-Themen, die es angesichts der Vielzahl von Produkten und Neuvorstellungen von der Mama-App bis zur Bambus-Tastatur schwer haben. Ein Streifzug.

"Sensormatten melden, ob es den Menschen gut geht", heißt es in der Broschüre zum E-Haus der Verbände ZVEH, ZVEI, und VDE, die geradezu lyrisch wird: "Die Fenster schließen automatisch, das Windrad im Garten liefert Strom, die Waschmaschine wäscht mit Sonnenenergie, Musik in allen Räumen und energieeffiziente LED-Beleuchtung machen gute Stimmung". Das Alter kann kommen, denn "selbst das Touchpanel ist ohne Brille lesbar".

Die IT im E-Haus

(Bild: Detlef Borchers)

Fünf Jahre haben IT-Spezialisten, Gebäudetechniker und Elektroinstallateure am E-Haus 2.0 gebaut, in dem auf der Basis von KNX-IP von Wago wirklich alles mess-, schalt- und steuerbar ist, was einen Motor, Sensor oder Aktivator hat. Kern des Systems ist ein mächtiges Rack mit Servern (Windows 7), Routern, sowie WLAN- und VPN-Konzentratoren. Für den Ingenieur ist nichts zu schwer: "Wer die Maschinensteuerung mit SPS beherrscht, kann dieses Haus im Nu konfigurieren", meinte Stefan Petri vom ZVEH bei der Führung durch das E-Haus.

Auch bei IBM ist man sicher, das Haus als eine Ansammlung vom Internet der Dinge im Griff zu haben. Zur IFA meldete der Konzern ein Abkommen mit Vodafone, in dem IBMs SmartCloud-Technologie mit der Machine-to-Machine-Platform so vernetzt wird, dass die Vodafone-Kunden ihre Haushaltsgeräte über ein Smartphone ansteuern können. Die technologische Basis dieser Verbindung bildet SHASPAs "Smart Building Service Delivery Framework", ein Service-Layer samt vorgefertigter App-Bausteine, das Integratoren lizenzieren können. In Deutschland hat sich um SHASPA herum die Smarteco-System Allianz gebildet, die nicht nur für das vernetzte Haus sondern beispielsweise auch das Flottenmanagement von E-Autos Lösungen anbieten will.

Auch die Deutsche Telekom ist mit etlichen Partnern wie EnBW, Samsung und Miele beim Thema Smart Home dabei und stellte auf der IFA ihren Qivicon-Controller vor, der via Funk eine Reihe von Stromschaltern aktiviert. Das Ganze wird von einem iPad aus gesteuert. Echte Qivicon-Produkte mit integrierten Funklösungen ohne externe Schaltsteckdosen sollen zur nächsten CeBIT fertig sein. Schräg gegenüber der Telekomausstellung zeigte RWE sein heute schon verfügbares Angebot Smarthome auf der Basis der Schaltarmaturen und Sensoren von eQ-3 und dem IPv6-Protokoll.

Im Gegensatz zu den umfangreichen Smart Home-Umbauten wird enkey von der TH Wildau auf der IFA als "eierlegende Wollmichsau" beworben. Es ist jedoch nichts anderes als ein selbstlernendes Heizungssystem, bestehend aus Funk-Heizkörperthermostaten und einem Empfänger/Profiler, in dem ein Analyseprogramm arbeitet. Wohnungsbewohner stellen ihre Wunschtemperatur ein, ihre Lebensgewohnheiten und Anwesenheitszeiten ermittelt ein Algorithmus, der selbst Urlaubszeiten erkennen soll. 35 Prozent Heizungskosten sollen so gespart werden können.

Smart Homes auf der IFA (5 Bilder)

Qivicon

Der Controller für Qivicon der Deutschen Telekom (Bild: Detlef Borchers)

Tatsächlich haben smarte Häuser einen Nachteil, wie Viktor Grinewitschus auf dem Smart Home-Branchenforum der IFA ausführte. Ihre Bewohner gehen sorglos mit der Energie um, in der Annahme, dass die maschinelle Intelligenz alles regelt. "Das hocheffiziente Haus verbraucht in der Regel mehr Energie, weil man sein Verhalten nicht anpasst", erklärte der Forscher vom Fraunhofer inHaus-Zentrum. Deshalb müssten fortlaufend Energiespartipps über IT-Systeme eingespeist werden. Wie das gehen könnte, soll das Projekt der IBA Waterhouses zeigen. Dort bekommt jeder Bewohner ein iPad, das sein Energieverhalten protokolliert und Verbesserungsvorschläge macht.

Für Grinewitschus steht die Entwicklung von Smart Homes erst am Anfang. Die Multimediatechnik der Unterhaltungsindustrie sei der Schlüssel zum Durchbruch in der Hausvernetzung gewesen. Nun müsse man bei dem zweiten großen Trend in Deutschland ansetzen, dem selbstbestimmten Wohnen im Alter dank Ambient Assisted Living. Nach einer Umfrage unter 1000 Hausrenovierern nannten 89 Prozent als Motiv für den Umbau: "Ich möchte in dem Haus alt werden". Dieses Motiv sei ein starker Anreiz, mit Projekten wie JUTTA, den Einsatz intelligenter Systeme voranzutreiben. (mho)