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Homeoffice bei deutschen Unternehmen? Ja, schon ... aber eher doch nicht

Schreiben mit der Create-Tastatur

(Bild: dpa, Andrea Warnecke)

Gelegentliche oder grundsätzliche Heimarbeit macht Mitarbeiter glücklicher. Im internationalen Vergleich hinkt Deutschland aber hinterher. Häufig dürfen deutsche Arbeitnehmer nicht ins Homeoffice wechseln, obwohl sie gerne würden.

In Deutschland klafft eine große Kluft zwischen der erlaubten Heimarbeit und dem Wunsch von Arbeitnehmern, im Homeoffice arbeiten zu dürfen. Das soll aus einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) hervorgehen, die der Süddeutschen Zeitung vorliegt[1].

Die Studie beruht auf dem Sozioökonomischen Panel, für das jährlich etwa 30.000 Personen in fast 11.000 Privathaushalten befragt werden. Laut der Studie arbeiten derzeit zwölf Prozent der abhängig Beschäftigten überwiegend oder gelegentlich von zu Hause aus. Dabei sei Heimarbeit laut Auskunft der Arbeitnehmer bei rund 40 Prozent der Befragten möglich. Nur ein Drittel von diesen 40 Prozent würde die Heimarbeit ablehnen. Würden Betriebe also den Wünschen ihrer Arbeitnehmer nachgeben, könnte der Anteil der Arbeitnehmer im Homeoffice auf mehr als 30 Prozent steigen, so das DIW.

Besonders schwierig soll es für Arbeitnehmer bei Banken, Versicherungen und in der öffentlichen Verwaltung sein, einen Heimarbeitsplatz zugesichert zu bekommen. Wie der Autor der Studie, DIW-Arbeitsmarktexperte Karl Brenke, kommentierte, seien in diesen Bereichen "offensichtlich noch in besonderem Maße personalpolitische Dinosaurier aktiv".

Die Studie zeige, dass Heimarbeit besonders für gut und hoch qualifizierte Angestellte, Beamte ab dem gehobenen Dienst und Führungspersonal attraktiv sei. Dem liege wohl der Wunsch zugrunde, freier über die eigene Zeit zu verfügen. Zwar spiele auch der Wunsch nach der Vereinbarkeit von Beruf und Familie eine Rolle, Singles würden aber ebenso häufig Heimarbeit machen wollen wie etwa Alleinerziehende.

Heimarbeit führe zu einer größeren Arbeitszufriedenheit und Betriebe würden bislang häufig nicht erkennen, dass Arbeitnehmer im Homeoffice teils unbezahlte Mehrarbeit in Kauf nähmen. So zeige die Studie, dass Vollzeitkräfte im Homeoffice durchschnittlich 46 Wochenstunden leisteten. Dies geschehe auch aus dem Impuls heraus, dass sie zeigen wollen, "dass sie etwas geleistet haben", so Brenke. In vielen Betrieben zähle aber "vorrangig die Anwesenheit".

In Frankreich und Großbritannien sei der Anteil der Heimarbeit höher als in Deutschland. In Schweden arbeite jeder Vierte manchmal oder grundsätzlich zu Hause. In den Niederlanden gibt es sogar einen Rechtsanspruch darauf, zu Hause sein Geld verdienen zu können. Dies gilt aber nur, sofern keine betrieblichen Gründe dagegensprechen. In Deutschland müssen Arbeitnehmer darauf setzen, dass ihr Betrieb ihnen die Heimarbeit einräumt.

Laut Brenke müssten in Deutschland keine Regelungen wie in den Niederlanden eingeführt werden. Er vertraue den Marktkräften. Uneinsichtige Arbeitgeber müssten bei der Suche nach Fachkräften in Zukunft ohnehin mehr auf die Bedürfnisse der Arbeitnehmer eingehen.

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(kbe[3])

URL dieses Artikels:
http://www.heise.de/-3088498

Links in diesem Artikel:
[1] http://www.sueddeutsche.de/politik/studie-deutsche-unternehmen-erlauben-selten-heimarbeit-1.2842664
[2] https://www.heise.de/meldung/Das-leere-Buero-Neue-Arbeitszeitmodelle-krempeln-Firmen-um-2787396.html
[3] mailto:kbe@heise.de