Homeoffice kommt langsam voran

Homeoffice wird immer populärer. Bei einem Viertel der Betriebe und einem Zehntel der Angestellten ist es bereits angekommen. Die Mehrheit lehnt es jedoch ab.

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Auf der Couch in der eigenen Wohnung sitzen und arbeiten - in den meisten Unternehmen bleibt Homeoffice noch immer die Ausnahme.

(Bild: dpa, Nicolas Armer)

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Eine Auswertung zeigt: Immer mehr Angestellte können auch im Homeoffice arbeiten. Meist bleiben die Angestellten dem Büro aber nur ein paar Stunden fern. Die Forderung der SPD nach einem gesetzlichen Anspruch auf Home-Office-Arbeitsplätze hat die Debatte um die Diskussion um neue Arbeitsformen angeheizt. Eine Auswertung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung zeigt: Ein Viertel der Betriebe ermöglichen ihren Angestellten inzwischen auch außerhalb ihres Büros zu arbeiten. Ein Zehntel der Angestellten arbeitet zumindest zeitweise zu Hause.

Die Möglichkeit zum Homeoffice steigt mit der Größe des Betriebs. Zählt man nur die Firmen ab 50 Mitarbeitern, können mehr als 22 Prozent der Angestellten auch zu Hause Arbeiten. Im Vergleich zu einer Auswertung von 2013 stellten die Autoren nur ein mäßiges Plus von drei Prozentpunkten fest.

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In der Untersuchung bezieht sich die Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit auf Zahlen aus dem Jahr 2017. Für das IAB Betriebspanel werden Personalverantwortliche und Angestellte von insgesamt 16.000 Betrieben regelmäßig befragt.

Ein echtes Homeoffice ist demnach noch die Ausnahme. 63 Prozent der Befragten, die zumindest ab und zu von zu Hause arbeiten, bleibt dem Büro allenfalls für einige Stunden fern. Deshalb ist das Homeoffice auch noch nicht als wesentlicher Faktor zur Kostenersparnis in den Betrieben eingezogen. Einen Büroplatz können die Betriebe meist nicht einsparen.

Stattdessen geht es eher darum, den Mitarbeitern eine angenehmere Arbeitsatmosphäre zu verschaffen, wie Dr. Phillipp Grunau im Gespräch mit heise online erläutert: "Das mitarbeiterorientierte Personalmanagement gewinnt immer mehr an Bedeutung." So versuchen viele Firmen mit der Möglichkeit zum Homeoffice attraktiv für qualifizierte Fachkräfte zu sein.

Insgesamt betrachtet bleibt die Arbeit von zu Hause aber eine Nische. So können viele Arbeitsschritte in der Produktion oder in einem Geschäft nicht aus der Ferne durchgeführt werden. Folgerichtig können nur zwei Prozent der Angestellten im Produktionsbereich zumindest zeitweise auf das Homeoffice zurückgreifen, aber acht Prozent der Führungskräfte.

"Im Bereich IT und naturwissenschaftliche Dienstleistungen ist die Homeoffice-Quote überdurchschnittlich", erläutert Grunau. Die Höchstwerte gibt es bei Vertrieb und Marketing. Hier arbeiten die Angestellten im Schnitt acht Stunden pro Woche von zu Hause aus. Die Homeoffice-Quote von Führungskräften in Vertrieb und Marketing beträgt sogar 59 Prozent, während die einfachen Angestellten auf gerade einmal 32 Prozent kommen.

Aber nicht jeder will auch zu Hause arbeiten. Zwei Drittel der Befragten Arbeitnehmer lehnt die Arbeit von zu Hause generell ab. "Man sollte Leute, die kein Homeoffice wollen, nicht dazu zwingen", warnt Grunau im Gespräch mit heise online. Im Gegenzug reagieren Arbeitnehmer, die im Homeoffice arbeiten wollen, sehr negativ darauf, wenn ihnen die Möglichkeit ohne ausreichende Gründe verweigert wird.

Eine der Sorgen der skeptischen Arbeitnehmer: Die Trennung von Freizeit und Beruf könnte verschwimmen. Eine andere: Der Austausch mit den Kollegen könnte leiden. Wichtiger Punkt ist aber auch ein kultureller Faktor: So ist die Anwesenheitskultur in deutschen Betrieben noch fest verankert. So berichten acht Prozent der Homeoffice-Nutzer, dass Vorgesetzte ihnen unterstellen, zu Hause zu wenig zu arbeiten. (kamu)