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Honor 20 und 20 Pro im Hands-On: Top-Handys zur absoluten Unzeit

Zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt zeigt Huawei die neue Honor-20-Reihe: beim ersten Ausprobieren tolle Handys. Die politische Lage wirft aber Fragen auf.

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(Bild: heise online; Stefan Schomberg)

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Am 21. Mai um 17 Uhr lässt Huawei das Medienembargo für die neuen Smartphones Honor 20 und Honor 20 Pro fallen. Der Zeitpunkt ist, das wissen wir jetzt, ungünstig gewählt: Nach der Erklärung des Telekommunikationsnotstands durch die US-Regierung haben mehrere US-Unternehmen ihre Geschäfte mit Huawei eingestellt, auch Android-Entwickler Google gehört dazu.

Eine neue Sonderregelung dürfte sicherstellen, dass das Honor 20 noch mit vollwertigem Android auf den Markt kommen kann. Aktuell sieht es allerdings so aus, als würden die neuen Huawei-Geräte danach keine Android-Updates mehr bekommen. Weil Huawei im Epizentrum des Konflikts zwischen den USA und China steht, ist die Zukunft der Honor-Handys auch auf dem europäischen Markt ungewiss. Beim Launch-Event blendete Huawei das heikle Thema gleich komplett aus.

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Von der Aufregung, Verwirrung und Unsicherheit einmal abgesehen: Honor 20 und Honor 20 Pro sind starke Handys, wie heise online bei einem Preview-Event am 10. Mai in Berlin gesehen hat. Dank Spitzentechnik, schickem Design und konkurrenzfähigem Preis können die Handys der Huawei-Tochter mit ihren Mitbewerbern locker mithalten.

Äußerlich sind sich Honor 20 und Honor 20 Pro sehr ähnlich, die leichten Größenunterschiede zwischen den Modellen sind kaum bemerkbar. Das auffälligste Design-Element ist die Hauptkamera, die auf der Rückseite deutlich spür- und sichtbar hervorsteht und dazu führt, dass die Honor-20-Smartphones bei Ablage auf einer glatten Überfläche immer leicht kippelig ruhen. Die Linsen sind bei den beiden Modellen wegen der teilweise unterschiedlichen Funktionen anders angeordnet, das sieht man aber erst auf den zweiten Blick.

Davon abgesehen gibt es wenig an Design und Verarbeitungsqualität auszusetzen. Auch die Vorserienmodelle auf dem Event waren hervorragend verarbeitet, nichts knarzt, unterschiedliche Spaltmaße waren nicht zu finden. Größter Kritikpunkt könnte für einige Nutzer die Glasoberfläche sein, die wie beim Vorgänger Honor 10 nicht nur das Display, sondern auch die Rückseite bedeckt. Das gehärtete Material mit angenehm in der Hand liegenden Rundungen zu allen Seiten sieht zwar edel aus, ist aber wie immer etwas rutschig und zieht Fingerabdrücke geradezu magisch an. Da hilft nur regelmäßiges Putzen oder der Griff zur im Lieferumfang beiliegenden, durchsichtigen Kunststoffhülle.

Die verdeckt dann aber einen Teil der faszinierenden Farbspiele, die das neue Dynamic Holographic genannte Design fabriziert. Dabei werden nach Angaben des Herstellers in einem Zwei-Phasen-Prozess in die Tiefenschicht der Farbe Millionen von kleinsten Prismen eingearbeitet. Anschließend legt Honor darüber zwei weitere Schichten, die einerseits für die jeweilige Farbe des Smartphones und andererseits für den Schutz des Gerätes zuständig sind. Von den Prismen sieht man im Alltag zwar direkt kaum etwas, je nach Lichteinstrahlung changiert der Hauptfarbton des Gerätes aber etwa von Schwarz zu Blau-Violett oder Türkis – richtig schick!

Honor 20 und 20 Pro – Fotos zeigen Vorseriengeräte (7 Bilder)

(Bild: heise online; Stefan Schomberg)

Eingefasst werden Front- und Rückseitenglas von einem in der jeweiligen Gerätefarbe eloxierten Alurahmen. Auf der linken Gehäuseseite beherbergt er nicht nur die typische Lautstärkewippe, sondern auch den Powerbutton, der wie bei einigen älteren Sony-Modellen auch den Fingerabdrucksensor beinhaltet. Auf der gegenüberliegenden Seite integriert Honor den SIM-Karten-Slot, der zwei Nano-SIMs im Dual-Active-Modus aufnimmt. Einen Einschub für Speicherkarten gibt es nicht. Die Frontkamera lugt durch eine kreisrunde Punch-Hole-Notch in der oberen linken Ecke des Displays, das insgesamt mit sehr wenig Rand auskommt.

Das Panel von Honor 20 und Honor 20 Pro ist identisch. Beide Modelle bieten einen 6,26 Zoll großen Screen mit einer Auflösung von 2.340 x 1.080 Pixel und einer Pixeldichte von 412 PPI (Pixel pro Zoll). Das sorgt für scharfe Darstellung und auch Helligkeit, Farbwiedergabe und Kontraste überzeugten im ersten Test. Dank IPS-LCD-Technologie gibt es auch bei flachen Betrachtungswinkeln keine Probleme bei der Ablesbarkeit.

Der Vorgänger Honor 10 kam im vergangenen Jahr mit dem damaligen Spitzen-Chipsatz Kirin 970 in den Handel, der seinerzeit zu den schnellsten Chips zählte. Honor 20 und Honor 20 Pro werden vom Nachfolger Kirin 980 angetrieben, der im Alltag noch schneller und energiesparender ist. Mit zwei Neural Processing Units (NPU) soll er KI-Aufgaben außerdem noch schneller lösen. Bemerkbar macht sich das vor allem bei der Kamera. Egal ob in Menüs oder im Browser – Ruckler waren bei den Vorserienmodellen nicht zu bemerken.

Das Honor P20 und P20 Pro im Hands On.

Auch anspruchsvolle Spiele dürften die Honor-Modelle nicht vor Probleme stellen. Dafür sorgt abgesehen von der schieren Leistung des verwendeten Chipsatzes in Verbindung mit 6 GByte (Honor 20) und 8 GByte RAM (Honor 20 Pro) auch der "GPU Turbo" genannte Spielbeschleuniger in Version 3.0. Er soll den Flaschenhals zwischen Hardware und Betriebssystem (Android 9 Pie, versprach Huawei bei dem Vorschau-Event) samt Nutzeroberfläche (Magic UI 2.1) beheben und so für konstantere Framerates beim Gaming sorgen. Nachteil: Spiele von Drittanbietern müssen eigens dafür angepasst sein.

Die restliche Hardware ist so umfassend, wie es sich für Top-Smartphones gehört. WLAN ist mit dem aktuellsten ac-Standard mi 2,4- und 5 GHz (MiMo) vorhanden, LTE in Abhängigkeit vom Netzbetreiber theoretisch bis Cat. 21 vorhanden und Bluetooth in der neuesten Version 5.0 LE implementiert. Zur Ortung verstehen sich die Honor 20 und Honor 20 Pro nicht nur wie das Vorgängermodell auf A-GPS, das russische GLONASS und das chinesische BDS (Beidou), sondern zusätzlich auch auf das europäische Ortungsnetzwerk Galileo und sogar das im Aufbau befindliche japanische Ortungssystem QZSS. Größter Wermutstropfen ist die für ein Topmodell etwas langsame Datenübertragungsgeschwindigkeit des Typ-C-Anschlusses nach USB-2.0-Standard.

Angetrieben wird die Technik beim Honor 20 von einem Lithium-Polymer-Akku mit 3.750 mAh, im Pro-Modell steckt ein Stromspender mit 4.000 mAh. Das sollte angesichts der restlichen Technik locker für Laufzeiten jenseits eines Arbeitstages sorgen. Im Notfall sorgt das beiliegende Super-Charge-Netzteil mit 22,5 Watt nach Herstellerangaben für eine Ladegeschwindigkeit von 50 Prozent der maximalen Akkuladung innerhalb von 30 Minuten. Kabelloses Laden beherrscht die Honor-20-Reihe wie schon die Vorgänger nicht.