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Huawei-CEO: Bei Sicherheit und Datenschutz "auf der Seite der Kunden”

Ren Zhengfei, Gründer des chinesischen Telecom-Konzerns, meldet sich in der Debatte über Sicherheitsbedenken und Spionagevorwürfe zu Wort.

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Huawei-CEO: “Bei Sicherheit und Datenschutz sind wir an der Seite unserer Kunden”

Gründer und CEO Ren Zhengfei

(Bild: Huawei)

Der Gründer und CEO des chinesischen Telekommunikationskonzerns Huawei, Ren Zhengfei, hat sich nach Spionagevorwürfen und Sicherheitsbedenken gegen das Unternehmen zu Wort gemeldet. “Wenn es um Sicherheit und Datenschutz geht, stehen wir fest an der Seite unserer Kunden”, sagte Ren am Dienstag im Hauptquartier des Unternehmens in Shenzhen und trat damit Befürchtungen entgegen, Huawei könne Backdoors in seine Netzwerkkomponenten einbauen oder gezwungen werden, der chinesischen Regierung sensible Daten zu übergeben.

“Das chinesische Außenministerium hat bereits klargestellt, dass kein Gesetz in China von irgendeinem Unternehmen verlangt, Hintertüren einzubauen”, sagte Ren vor internationalen Journalisten. “Huawei und ich persönlich wurden niemals von irgendeiner Regierung aufgefordert, unrechtmäßig Informationen zu liefern.” Das werde sich auch in Zukunft nicht ändern. “Ich würde niemals die Interessen meiner Kunden gefährden und mein Unternehmen würde solche solche Anfragen nicht beantworten.”

So ein öffentlicher Auftritt des Huawei-Gründers hat Seltenheitswert. Zuletzt hatte Ren 2015 auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos mit internationalen Medien gesprochen. Ren hatte das Unternehmen 1987 nach einer Karriere beim Militär gegründet. Auch deshalb werden Huawei enge Beziehungen zur chinesischen Regierung nachgesagt, was immer wieder Befürchtungen befeuert, der Konzern könne zu eng mit den Behörden und der kommunistischen Partei zusammenarbeiten.

Beweise für Hintertüren oder Spionagetätigkeit des Konzerns sind bisher allerdings nicht bekannt. In Polen wurden jüngst ein Huawei-Mitarbeiter und ein Sicherheitsexperte des Netzbetreibers Orange wegen Spionagevorwürfen verhaftet. Huawei verweist in diesem Fall darauf, dass die mutmaßliche Spionagetätigkeit des Festgenommenen nicht in Bezug zum Unternehmen stünden. Der verdächtigte Mitarbeiter wurde inzwischen entlassen.

Im Zuge des Handelsstreits zwischen den USA und China ist Huawei wieder stärker ins Blickfeld politischer Akteure geraten. Einige westliche Länder wollen Infrastruktur von chinesischen Herstellern nicht in ihren Netzen sehen. Auch wenn das “kein neues Problem” sei, wird es sich auf das Geschäft auswirken, sagte Ren. Das Umsatzwachstum von 20 Prozent, das Huawei für 2018 verbucht, werde er in diesem Jahr wohl nicht wieder schaffen.

Die Bundesregierung sieht bisher keinen Handlungsbedarf – trotz des Drucks aus Washington und Brüssel sowie der Warnungen einiger Oppositionspolitiker. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) sieht keinen konkreten Grund, der gegen Huawei spricht. "Aber jedes einzelne Produkt, jedes einzelne Gerät muss sicher sein, wenn es in kritischen Infrastrukturen verwendet wird", sagte er der Nachrichtenagentur Reuters.

Die deutschen Netzbetreiber setzen beim Ausbau ihrer Netze auf Infrastruktur von Huawei, nutzen aber auch Hardware der anderen Ausrüster wie Ericsson oder Nokia. “Wir liefern nur das Equipment”, betonte Ren. “Betrieben und kontrolliert wird es von den Netzbetreibern, nicht Huawei.” Bisher winken die Netzbetreiber bei der Frage nach Sicherheitsrisiken ab. Auf Druck der US-Regierung will die US-Telekomtochter T-Mobile aber im Hinblick auf die Genehmigung der Fusion mit Sprint auf Huawei-Hardware verzichten. Der deutsche Mutterkonzern hatte mitgeteilt, derzeit seine “Beschaffungsstrategie neu zu bewerten“.

Die US-Regierung wirft Huawei auch Verstöße gegen das Handelsembargo gegen den Iran vor. Im Zuge dieser Ermittlungen hatte Washington die vorläufige Verhaftung von Huaweis Finanzchefin Meng Wanzhou in Kanada erwirkt. Zu dem laufenden Verfahren wollte sich Ren nicht äußern, bekräftigte aber sein Vertrauen in die Justiz. “Aber als Vater vermisse ich sie sehr.” Zuletzt hatten chinesische Behörden zwei kanadische Staatsbürger festgenommen, was die Spannungen zwischen den Ländern verschärfte. Am Montag wurde ein Kanadier wegen Drogenschmuggels in China zum Tode verurteilt.

Ähnliche Vorwürfe und ein Streit mit der US-Regierung hatte Huaweis Konkurrenten ZTE an den Rand des Bankrotts gebracht. “Wir sind anders als ZTE. Wir werden nicht diese Probleme haben”, sagte Ren. “Bei allem, was wir tun, haben wir stets den Gesetzen und Regularien der jeweiligen Länder entsprochen”, betonte der CEO. “So etwas sollte uns also nicht passieren.” (vbr)