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Huawei: Der große Tag des Herrn Yu

Der chinesische Hersteller Huawei legt auf der CES in Las Vegas einen selbstbewussten Auftritt hin. Mit dem aktuellen Spitzen-Smartphone greift der Konzern nun in den USA an. Im Visier: Apple.

Huawei: Der große Tag des Herrn Yu

Richard Yu blickt auf der CES in die Zukunft,

(Bild: heise online)

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Richard Yu ist stolz. "Vor sechs Jahren wusste noch niemand, wer wir sind", sagte der CEO von Huaweis Gerätesparte am Donnerstag auf der CES in Las Vegas. Das hat sich inzwischen geändert: Mit seinen Smartphones hat es Huawei vom unbekannten Netzausrüster zu einer global bekannten Elektronikmarke gebracht. 2017 hat der Verband der US-Unterhaltungselektronikbranche Yu eingeladen, eine der großen Keynotes der Messe zu halten.

Anfang des Jahrzehnts waren die chinesischen Newcomer angetreten, den Smartphone-Markt zu erobern. Auf dem Mobile World Congress in Barcelona gaben die chinesischen Ausrüster Huawei und ZTE das Ziel aus, in die Top 5 der Smartphone-Hersteller vorzudringen. Damals beherrschten Nokia, Samsung und Apple den Markt. ZTE und Huawei kamen allenfalls auf niedrige einstellige Prozentwerte. In der Branche wurden die ambitionierten Chinesen ein bisschen belächelt.

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Heute lacht niemand mehr. Nokia ist – als Smartphone-Hersteller – Geschichte und zumindest Huawei hat sein Versprechen eingelöst. Mit 32,5 Millionen verkauften Smartphones im dritten Quartal 2016 (laut Gartner) kommt der Hersteller auf inzwischen 8,7 Prozent Marktanteil. Damit kommt Apple als immer noch Zweiter in Sichtweite: "2017 haben wir die Chance, bei den Marktanteilen in die Top 2 vorzustoßen", sagte Yu auf der CES.

So ganz einfach wird das nicht. Apple hat mit 11,5 Prozent zwar keine drei Prozentpunkte Vorsprung mehr, aber im Quartal immerhin 43 Millionen iPhones verkauft. Nun tritt Huawei auch in den USA an, wo Apple am stärksten ist. Mit dem Mate 9 bringt der Konzern erstmalig ein Spitzensmartphone unter eigener Flagge auf den US-Markt. Den Preis von 600 US-Dollar darf nicht nur Apple als Kampfansage verstanden wissen.

Smartphone-Verkäufe 2016 nach Hersteller, Gartner
Hersteller 3. Quartal 2016 3. Quartal 2015 Absatz +/-
Geräteabsatz Marktanteil Geräteabsatz Marktanteil
Samsung 71,7 Mio. 19,2 % 83,6 Mio. 23,6 % -14,2 %
Apple 43,0 Mio. 11,5 % 46,1 Mio. 13,0 % -6,6 %
Huawei 32,5 Mio. 8,7 % 27,4 Mio. 7,7 % +18,5 %
Oppo 24,9 Mio. 6,7 % 11,9 Mio. 3,4 % +110,1 %
BBK andere 19,9 Mio. 5,3 % 10,4 Mio. 2,9 % +90,5 %
Andere 181,3 Mio. 48,6 % 174,8 Mio. 49,4 % +3,7 %
Gesamt 373,3 Mio. 354,2 Mio. +5,4 %
Gartner, November 2016

Huawei will sich nicht auf den Lorbeeren ausruhen, die der Hersteller mit dem Mate 9 geerntet hat. Für die Zukunft sieht Yu das "intelligente Telefon" – wenn Smartphone-Technik und die neue KI zusammenwachsen. Damit Huawei bei dieser Entwicklung vorne dabei sein kann, investiert das Unternehmen in die Zukunft: "Jedes Jahr investieren wir 10 bis 15 Prozent unseres Umsatzes in Forschung und Entwicklung", sagte Yu. "Steigern wir unseren Umsatz, steigern wir auch die Investitionen."

Längst spielt Huawei im Konzert der Großen mit. "Wir wollen die Evolution der smarten Geräte beschleunigen und dabei mit anderen Branchengrößen zusammenarbeiten", sagte Yu. Wie das aussehen kann, zeigt Yu auf der CES: Das Mate 9 kommt jetzt in den USA mit Amazons digitaler Assistentin Alexa und Googles Virtual-Reality-Plattform Daydream auf den Markt. Der Smartphone-Chip Kirin 960 aus Huaweis hauseigener Chipschmiede HiSilicon ist auch für Googles Augmented-Reality-System Tango gerüstet – für 2017 darf man also mit Tango-Smartphones von Huawei rechnen.

Huaweis großer Auftritt auf dem US-Markt kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Smartphone-Welt in Veränderung begriffen ist. Während Apple und Samsung mit ihren Spitzen-Smartphones zwar immer noch Aufmerksamkeit und Käufer anziehen, die Technik aber zunehmend alltäglich und langweilig wird, kommt frischer Wind in die Mittelklasse. Es gibt immer mehr Smartphones, die für 300 Euro (oder weniger) beim Normalnutzer kaum noch Wünsche offen lassen – und auch hier ist Huawei mit seiner jugendlichen Tochter Honor gut aufgestellt.

Während ZTE seit den vollmundigen Ankündigungen auf dem MWC mit dem größeren Rivalen nicht Schritt halten konnte, droht Huawei noch Konkurrenz von dem hierzulande eher unbekannten Smartphone-Riesen BBK Electronics. Mit der in Asien sehr populären Marke Oppo wird der Hersteller bei den Marktforschern schon auf dem vierten Platz geführt. Mit 25 Millionen verkauften Geräten liegt Oppo auch nur 2 Prozentpunkte hinter Huawei. Und zum Konzern gehören noch die ebenfalls beliebten Marken Vivo und der Newcomer OnePlus, der auch hierzulande schon auf sich aufmerksam machen konnte. In China sind Oppo und Vivo inzwischen an Huawei vorbeigezogen.

(vbr)
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