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Huawei-Gründer: "Die USA können uns auf keinen Fall zerstören"

Huawei-Gründer Ren Zhengfei gibt sich angesichts der Angriffe auf den Huawei-Konzern durch die USA kämpferisch.

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Huawei auf Expansionskurs

Der Huawei-Gründer Ren Zhengfei hat sich in einem exklusiven Interview der BBC hinsichtlich potenzieller Rechtsverstöße gegen US-Sanktionen gegen den Iran sowie Industriespionage und der Sicherheitsbedenken der USA bei der Verwendung von Huawei-Technik in Telekommunikationsnetzwerken geäußert.

In dem BBC-Interview verurteilte er den Angriff auf sein Unternehmen und bezeichnete die Festnahme seiner Tochter, Meng Wanzhou, die als Finanzchefin im Huawei-Konzern tätig ist, als "politisch motivierten Akt".

Das US-Justizministerium hatte Ende Januar Anklage gegen Huawei und zwei seiner Tochterfirmen erhoben. Im Mittelpunkt der Vorwürfe steht die Huawei-Tochter Skycom. Huawei soll mit Skycom im Iran ein Unternehmen unterhalten und damit die US-Sanktionen gegen den Iran unterlaufen haben. Huawei habe das abgestritten und einen Verkauf vorgetäuscht, um den Vorfall zu vertuschen. Die Tochter des Huawei-Gründers wurde deswegen bereits Anfang Dezember auf Betreiben der USA in Kanada verhaftet, befindet sich mittlerweile auf Kaution und unter Auflagen in Vancouver auf freiem Fuß.

Insgesamt wirft die US-Justiz dem Huawei-Konzern in 13 Anklagepunkten zahlreiche Rechtsverstöße wie Geldwäsche, Betrug und Verschwörung zur Behinderung der Justiz vor. Zudem soll der zweitgrößte Handy-Hersteller und Telekommunikationsausrüster Industriespionage begangen und sich Betriebsgeheimnisse zum Testroboter für Mobiltelefone "Tappy" von T-Mobile illegal beschafft haben.

Huawei hatte die Vorwürfe über einen Sprecher vollumfänglich zurückgewiesen und die Verhaftung von Meng Wanzhou vor dem Hintergrund des erbitterten Handelskriegs zwischen den USA und China als politisch motiviert bezeichnet. Das sieht Ren genauso. Im BBC-Interview sagte er, "dieser politisch motivierte Akt ist nicht hinnehmbar". Die USA würden es mögen, andere zu sanktionieren. Sobald es ein Problem gebe, nutzen sie "solche Kampfmethoden". "Wir protestieren dagegen. Aber jetzt, wo wir schon diesen Weg eingeschlagen haben, werden wir es den Gerichten überlassen."

US-Außenminister Mike Pompeo hatte erst kürzlich europäische Staaten aus Sicherheitsbedenken davor gewarnt, Huawei-Technik zum Auf- und Ausbau von Telekommunikationsnetzen, darunter 5G-Mobilfunknetze, zu verwenden. Dies könne die partnerschaftlichen Beziehungen zu den USA schädigen, berichtete CNN. Die USA befürchten, dass in den technischen Komponenten von Huawei eine Backdoor zum Abgreifen von Informationen enthalten ist. Die Informationen könnte das chinesische Unternehmen an ihre Regierung und Geheimdienste weitergeben. Die USA, Australien und Neuseeland haben Huawei-Technik zum Aufbau von 5G-Netzen deshalb bereits gebannt. Kanada und einige europäische Länder wie Großbritannien und Deutschland sind noch im Findungsprozess.

Huawei-Gründer Ren Zhengfei sieht die Vorwürfe als unbegründet an. In dem Interview räumt er zwar ein, dass Unternehmen nach chinesischem Recht dazu verpflichtet seien, die Arbeit nationaler Geheimdienste zu unterstützen, mit ihnen zu kooperieren und zusammenzuarbeiten, er das Risiko der Spionage aber nicht auf sich nehmen würde. "Die chinesische Regierung hat immer klar gesagt, dass sie keine Backdoors installieren will. Und wir wollen das ebenfalls nicht", sagte Ren. "Wir wollen nicht die Empörung der ganzen Welt und unserer Kunden riskieren, nur wegen soetwas." Sobald sein Unternehmen in Spionage verwickelt sei, würde er das Unternehmen dicht machen.

Die USA warnte Ren eindringlich und philosophisch: "Wenn die Lichter im Westen ausgehen, dann leuchten sie im Osten weiter. Und wenn der Norden in Dunkelheit versinkt, dann ist da noch der Süden. Die USA repäsentieren nicht die gesamte Welt, die USA repräsentieren nur einen Teil der Welt." Die Welt könne auf Huawei-Technik aber nicht verzichten, "weil wir zu fortschrittlich sind".

Wenn mehrere Länder zeitweise keine Huawei-Technik einsetzen wollen, hätte man die Möglichkeit, das Unternehmen entsprechend herunterzufahren. Gleichzeitig räumte Ren sein, dass der Kundenschwund einen "signifikanten Einfluss" auf das Unternehmen hätte. Er betonte aber, dass "die USA uns auf keinen Fall zerstören können". (olb)