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Huawei Mate 30 Pro und Mate 30: Ohne Google, in Deutschland ungewiss

Ganz ohne Google: Huawei hat das Mate 30 Pro und Mate 30 mit seinen eigenen Mobilservices vorgestellt. Ob die Smartphones nach Deutschland kommen, ist unklar.

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(Bild: heise online / Patrick Bellmer)

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Huawei hat wie erwartet das Mate 30 Pro sowie das Mate 30 vorgestellt. Im Mittelpunkt steht beim neuen Spitzenmodell aber nicht die Technik, sondern die Software: Denn in Folge des Handelsstreits zwischen den USA und China muss Huawei zum ersten Mal ohne Google-Dienste auskommen, was hinter den Deutschlandstart ein großes Fragezeichen setzt. Die im Vorfeld am häufigsten gestellte Frage: Wie will das Unternehmen die Lücke schließen und wie einfach macht man den Käufern die nachträgliche Installation von Google Maps und Co.?

Das Mate 30 Pro wird in einer 4G- und 5G-Version angeboten. Abgesehen vom Modem gibt es keine weiteren Unterschiede.

(Bild: heise online / Patrick Bellmer)

Die Alternative reißt das Unternehmen bei der Präsentation in München nur knapp an. Die fehlenden Google Mobile Services (GMS) sollen durch die Huawei Mobile Services (HMS) ersetzt werden. Diese Plattform unterstützen nach eigenen Angaben bereits mehr als 40.000 Apps, bekannte Namen werden nicht genannt. Ein mit einer Milliarde US-Dollar gefüllter Fördertopf soll Entwicklern die HMS schmackhaft machen. Zwar verweist Huawei darauf, dass auch Drittentwickler-Apps lauffähig sind, mögliche Einschränkungen nennt man aber nicht. Ob man Nutzern die nachträgliche Installation von Google-Diensten wie dem Play Store in irgendeiner Form erleichtert? Dazu will Huawei sich nicht äußern. Fest steht lediglich, dass EMUI 10 zum Einsatz kommt – auf der Basis von Android 10.

Huaweis Alternative zu Google heißt EMUI 10 und HMS. Ob Google-Dienste installiert werden können, ist unbekannt.

(Bild: heise online / Patrick Bellmer)

Davon unabhängig bewirbt Huawei erneut die Kamera als eines der wichtigsten Merkmale. Das Mate 30 Pro verfügt über gleich vier Sensoren auf der Rückseite: zwei 40-Megapixel-Kameras mit 1/1,54 ("Cine Camera“) und 1/1,7 Zoll ("SuperSensing Camera“) großen Sensoren, eine 8-Megapixel-Telekamera sowie eine Time-of-Flight-Kamera (ToF) für Tiefenmessungen. Die Rückseite des Mate 30 beherbergt nur drei Kameras mit 40 ("SuperSensing Camera“), 16 (Ultra-Weitwinkel) und 8 Megapixeln (Tele). Die Telekamera der beiden Modelle soll einem dreifachen optischen Zoom entsprechen, im Hybrid- und Digitalmodus soll eine fünf- und dreißigfache Vergrößerung möglich sein.

Bereits seit der IFA 2019 ist bekannt, dass der Kirin 990 aus Huaweis hauseigener Chipschmiede HiSilicon als Herzstück des Mate 30 Pro eingesetzt wird. Das in 7nm gefertigte SoC verfügt wahlweise über ein integriertes 5G-Modem, das Spitzengeschwindigkeiten von 2,3 GBit/s im Download und 1,25 GBit/s im Upload erreicht. Allerdings unterstützt das Modem lediglich die sogenannten Sub-6-Netze – auf mmWave-Frequenzen kann es nicht zurückgreifen.

Das obligatorische Leistungsplus gegenüber dem P30 Pro mitsamt Kirin 980 sollen gleich acht CPU-Kerne liefern. Die ordnet Huawei gemäß dem Big/Middle/Little-Prinzip an: zwei Hochleistungskerne auf Basis des Cortex A76 mit 2,86 GHz, zwei weitere A76-Kerne mit 2,36 GHz und vier A55-Kerne mit 1,95 GHz. Beim Kirin 990 ohne 5G-Modem takten der mittlere und untere Block mit 2,09 GHz und 1,86 GHz etwas niedriger. Beiden Varianten steht eine Mali-GPU mit 16 Kernen zur Seite. Der neue KI-Koprozessor (NPU) verfügt über drei Kerne und dreimal so schnell wie die NPU des Kinrin 970 aus dem Jahr 2017 ausfallen.




Beide Smartphones unterstützen schnelles Laden: Per Kabel liegt das Maximum bei 40 W, drahtlos sind bis zu 27 W möglich. Die Akkukapazität des Mate 30 Pro beträgt 4500 mAh, das Mate 30 fasst 4200 mAh. Zusätzlich können die Geräte als drahtlose Powerbank genutzt werden. So lässt sich beispielsweise Qi-kompatibles Zubehör laden.

Das markanteste Designelement des Mate 30 Pro und Mate 30 ist die Anordnung der Kameras auf der Gehäuserückseite.

(Bild: heise online / Patrick Bellmer)

Auch beim Display unterscheiden sich die beiden Mate-30-Varianten voneinander. Im Pro-Modell verbaut Huawei ein 6,53 Zoll großes OLED-Panel mit 2400 × 1176 Pixeln, das weit in die linke und rechte Seite des Gehäuses gezogen ist. Das Standardmodell bietet ein 6,62 Zoll großes, planes IPS-Panel und löst mit 2340 × 1080 Pixeln auf. Beide Displays decken den DCI-P3-Farbraum ab und unterstützen Stifteingaben mit Huaweis M-Pen.

Die Displays verfügen über eine Aussparung am oberen Rand (Notch), in der Huawei neben der Frontkamera auch verschiedene Sensoren unterbringt; im Mate 30 Pro beispielsweise eine 3D-Kamera für das Entsperren des Smartphones per Gesicht. Alternativ lassen sich beide Modelle per Fingerabdruck entsperren – der entsprechende Sensor sitzt unter dem Display. Eine spezielle Kamera erkennt Gesten für die Bedienung des Geräts. So kann beispielsweise per Handbewegung gescrollt werden.

Optisch liegen das 7,3 cm × 15,8 cm × 0,8 cm große Mate 30 Pro und 7,6 cm × 16,1 cm × 0,8 cm große Mate 30 dicht beieinander. Das markanteste Merkmal ist bei beiden das Kameraensemble auf der Rückseite. Beim Mate 30 Pro kommt das weit herumgezogene Display hinzu, das keinen Platz für die üblichen Lautstärketasten bietet. Die Lösung: Per Doppeltipp an den linken oder rechten Display-Rand erscheint eine virtuelle Alternative.

Wann die beiden neuen Smartphones in den Handel kommen, ist unbekannt: Einen Start in Europa hat das Unternehmen in Aussicht gestellt, die Frage nach Deutschland wollte im Rahmen der Vorstellung niemand konkret beantworten. Immerhin gibt es aber Euro-Preis: Das Mate 30 wird mit 8 GByte Arbeitsspeicher und 128 GB internem Speicher für 800 Euro angeboten, für das Mate 30 Pro mit 8 und 256 GByte wird Huawei 1100 Euro verlangen; die 5G-Variante kostet mit identischer Speicherbestückung 1200 Euro.

Update, 18:30 Uhr, 19.9.2019: Display-Größe und -Auflösung des Mate 30 Pro korrigiert.

(pbe)